Schorndorf

Röhrachsiedlung: Bebauung soll kleiner ausfallen

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Inmitten von Einfamilien- und Reihenhäusern plant die Stadtbau GmbH auf dieser Rasenfläche ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen. Für die hinteren Gebäude bedeutet das: Der Blick auf eine neun Meter hohe Hauswand. Zum etwas tiefer gelegenen Buchenweg hin soll das Haus sogar elf Meter hoch werden. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Nachverdichtung im Innenbereich – das hat für den Gemeinderat bei der Schaffung von Wohnraum Priorität. Im Fall der bisherigen Grün- und Parkierungsfläche an der Ecke Buchen-/Tannenweg scheint die Planung der Stadtbau GmbH, dort ein Mehrfamilienhaus zu bauen, aber übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Dieser Meinung sind die direkten Anwohner – und mittlerweile auch einige Stadträte.

Im Technischen Ausschuss noch hatten die Fraktionen mit überwiegender Mehrheit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Eichenbach“ zugestimmt: Auf dem bislang als öffentliche Grün- und Parkierungsfläche ausgewiesenen städtischen Grundstück soll die Stadtbau GmbH ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt sechs Mietwohnungen bauen. Nur Grünen-Rat Andreas Schneider stimmte Mitte September gegen „die Nachverdichtung um jeden Preis“.

Entscheidende Gemeinderatssitzung in zwei Wochen

Bis zur entscheidenden Gemeinderatssitzung zwei Wochen später hat sich das Meinungsbild im Gremium allerdings verändert: Mit 17 zu zehn Stimmen und einer Enthaltung unterstützte der Gemeinderat einen Antrag der CDU-Fraktion, das Grundstück weniger wuchtig zu bebauen: Statt drei Vollgeschossen soll dort jetzt ein Mehrfamilienhaus mit zwei Stockwerken und einem eingerückten Dachgeschoss entstehen.

Idee, Gestaltungsbereit einzubeziehen, scheiterte

Die Idee indes, den Gestaltungsbeirat in die Planung einzubeziehen, scheiterte: Mit Ausnahme von Andreas Schneider, Martin Thomä (SPD) und Dr. Max Klinger (CDU) stimmte der Gemeinderat gegen den von Schneider und Thomä eingebrachten Antrag.

Noch nicht klar, was genau gebaut werden soll

Und obwohl zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht klar ist, was genau dort gebaut werden soll, in der Diskussion um den Auslegungsbeschluss war es den Nachbarn, aber auch einigen Gemeinderäten, wichtig, das Schlimmste zu verhindern: 2015 bereits gab es Pläne, an dieser Stelle drei 9,50 Meter hohe Kettenhäuser zu bauen.

Einspruch der direkten Anwohner

Gegen dieses Vorhaben erhoben die direkten Anwohner Einspruch – auch, weil die geplante Bebauung den Schutzstreifen der dort verlaufenden Hauptleitung der Landeswasserversorgung berührt hätte. Die neue Planung, für die der bestehende Bebauungsplan geändert werden muss, tangiert zwar nicht mehr die Wasserleitung, wuchtig ist das Bauvorhaben der Stadtbau aber immer noch.

Neun Meter hohe Gebäudewand 

Die vier Einfamilienhäuser, Tannenweg 2 bis 8, werden – auch wenn von Norden keine Verschattung droht – künftig wohl auf eine neun Meter hohe Gebäudewand blicken, zum Buchenweg hin wird die Hausmauer sogar elf Meter hoch sein. Und damit genauso hoch wie die Außenwand der Kemmler-Lagerhalle zur Langen Straße hin. Um für die auf dem Baugrundstück wegfallenden Parkplätze Ersatz zu schaffen, werden Flurstücke jenseits des Tannenwegs in den Bebauungsplan einbezogen.

Haus überragt Nachbargebäude um mehr als drei Meter

Und sind die Nachbarn auch froh, dass sich der Gemeinderat jetzt zu einer nach oben hin abgesetzten Bauweise durchgerungen hat, grundsätzlich wünschen sie sich immer noch eine Bebauung, die sich besser in die Umgebung der maximal zweigeschossigen Einfamilien- und Reihenhäuser einpasst. Immerhin überragt das geplante Mehrfamilienhaus die bestehende Häuserreihe um mehr als drei Meter.

"Passt nicht in die Umgebungsbebaung"

Eine Meinung, die auch CDU-Rat Manfred Bantel vertritt: Im Technischen Ausschuss hatte er dem Auslegungsbeschluss des Bebauungsplans noch zugestimmt, nachdem er sich die Situation vor Ort angeschaut und eine erste Visualisierung der Stadtbau gesehen hat, kann er die Bedenken der Nachbarn verstehen: „Das passt sich nicht in die Umgebungsbebauung ein.“


Für „eine gefälligere Lösung“ sprach sich auch FDP/FW-Fraktionsvorsitzender Peter Erdmann aus. Auch sein Fraktionskollege Konrad Hofer bezeichnete den geplanten Hausblock als „gewaltig“. Und mag sich Grünen-Stadtrat Schneider mittlerweile auch für eine Nachverdichtung an dieser Stelle prinzipiell aussprechen, er wünscht sich „eine halbwegs verträgliche Lösung“ für das Wohngebiet – und hat den Gestaltungsbeirat ins Spiel gebracht: Eine derart wuchtige Bebauung ist für ihn eben „nicht nur Geschmacksache“.

Nein zum Gestaltungsbeirat: „Kein stadtbildprägendes Projekt“

Sein Fraktionskollege Wilhelm Pesch indes hat mit Nachverdichtung an dieser Stelle kein Problem: „In unserer Stadt gibt es viele Menschen, die händeringend nach Wohnungen suchen.“ Der Parkplatz, bemerkte Pesch, rufe schon lange nach einer Bebauung. Außerdem drohe keine Verschattung für die südlich gelegenen Häuser. Den Gestaltungsbeirat einzuschalten befürwortet Pesch ebenfalls nicht: „Das ist kein stadtbildprägendes Projekt.“

OB Klopfer warnt

Nicht anders sieht es Oberbürgermeister Matthias Klopfer: „Wenn wir das jetzt anfangen, sind wir bei jedem Bauvorhaben im Gestaltungsbeirat.“ Auch SPD-Rätin Heidi Rapp versteht die Aufregung nicht – und sieht etwa an der Uhlandstraße zur Raibleanlage hin eine ganz ähnliche Verdichtungssituation: Werde jetzt das dritte Geschoss zurückgesetzt gebaut und womöglich auf eine Wohnung verzichtet, stellt sich nicht nur für Rapp die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Diskussion um Wirtschaftlichkeit

Dass es eine Wirtschaftlichkeitsdiskussion im Aufsichtsrat der Stadtbau GmbH geben wird, das konnte OB Klopfer als Vorsitzender des Aufsichtsrats jetzt schon ankündigen: „Vielleicht werden es auch zehn kleine Wohnungen.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel wünscht sich dennoch beides: „Wir wollen Wirtschaftlichkeit und eine gefälligere Gestaltung.“

Kritik: Diskussion über Details zu früh

Dass zum jetzigen Zeitpunkt aber überhaupt über Details der Bebauung diskutiert wird, konnte FDP/FW-Rat Gerhard Nickel im Gemeinderat nicht verstehen: Die Visualisierung der Stadtbau, die im Gemeinderat kursierte und von Stadtbau-Geschäftsführer Martin Schmidt als bloße „Würfelzeichnung“ bezeichnet wird, „hat nichts damit zu tun, was dort gebaut wird“. Das sieht CDU-Rat Dr. Max Klinger anders: Ihm ist wichtig, dass der Gemeinderat jetzt schon sagt, „was er will und was er nicht will“. Dass das Obergeschoss des Mehrfamilienhauses schlanker rüberkommen muss, das ist für ihn gar keine Frage.


Röhrachsiedlung

  • 1972 wurde das Grundstück in der Röhrachsiedlung, auf dem die Stadtbau GmbH ein Mehrfamilienhaus bauen will, im Bebauungsplan „Eichenbach“ als Verkehrsgrün beziehungsweise öffentliche Parkierungsfläche festgesetzt. Das Wohngebiet selbst besteht zum überwiegenden Teil aus an schmalen Wegen gelegenen Einfamilien- und Reihenhäusern, die, so der Plan in den 1960ern, ohne eigene Garage auskommen sollten.
  • Stattdessen wurde am Buchenweg, zum Wald hin, eine Garagenanlage gebaut. Die ist kein Schmuckstück und würde sich eigentlich ideal für eine Bebauung eignen. Ein Vorhaben, bei dem die Stadt angesichts der Vielzahl von Eigentümern allerdings kaum Aussicht auf Erfolg sieht.