Schorndorf

Raubüberfall in Schorndorf vor Gericht

Richter hammer symbol_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Stuttgart/Schorndorf. Sie hatten gemeinsam einen Mann zusammengeschlagen und dessen Begleiterin den Rucksack entrissen. Sie waren außerdem in ein Haus eingestiegen und hatten gestohlen. Und vor diesen Taten hatten sie sich unabhängig voneinander schon so viel aufs Kerbholz geladen, dass einige Jahre Jugendstrafe zusammenkamen. Aktenberge für Richter Rainer Gless.

„Das sind schon so viele Akten, da kann man ja so langsam den Überblick verlieren.“ Richter Rainer Gless vom Stuttgarter Landgericht arbeitete sich durch Papierberge – Protokolle früherer Gerichtsverhandlungen, die die Straftaten der beiden jungen Männer ins Gedächtnis rufen, die nun wieder angeklagt sind. Im Oktober 2016 sollen die beiden, 22 und 25 Jahre alt, in Schorndorf einem Paar aufgelauert haben. Sie waren mit Kapuzenpullovern und Halstüchern maskiert, trugen beide ein Messer, einer der beiden auch noch Reizgas bei sich. Sie wollten Geld. Sie schlugen ihr erstes Opfer, den Mann, nieder, traten ihn dann noch gegen Kopf und Brust, rissen ihm die Jacke vom Leib, suchten nach Geld, fanden nichts. Dann griff einer der beiden die Frau an, entriss ihr den Rucksack. Schwerer Raub, erklärt der Staatsanwalt.

Bei einem Einbruch erbeuteten die Täter Diebesgut im Wert von 2400 Euro

Knapp einen Monat zuvor, Ende September 2016, waren sie gemeinsam in Buhlbronn in ein Haus eingebrochen. Übers Handy hatten sie sich verabredet, entriegelten über die Katzenklappe die Terrassentür und stiegen ein, während die Hausbesitzer schliefen. Sie ließen Geld, ein Laptop, eine Uhrensammlung und Sparbüchsen mitgehen. Dinge im Wert von über 2400 Euro.

Mit 14 zum ersten Mal straffällig

Angefangen hat die Karriere der beiden schon vor Jahren: Beim Jüngeren lassen sich zehn Eintragungen im Bundeszentralregister nachlesen. Angefangen hatte es 2009, da war er gerade 14 Jahre alt. Er stahl Parfüms und Alkoholika, versprühte Feuerlöscher, trampelte auf geparkten Autos herum, beschimpfte andere als „Hurensohn“ und „Hurenbock“, prügelte auf Menschen ein, ohne dass es irgendeinen Grund gegeben hätte. Oft mit viel Promille im Blut. Jugendstrafe gab’s, mehrjährig. Und im Gefängnis fand er dann, dass der Mitgefangene, der sich an Kindern vergangen hatte, minderwertiger sei als er selber und damit Freiwild.

Brand mit 150 000 Euro Schaden mit verursacht

Der zweite, er gehört zur Berglener rechten Szene, war auch erst 14, als er anfing, in der Wohnung eines Freundes Geld zu klauen, im Vorraum der Oppelsbohmer Volksbank das Notruftelefon herauszureißen und Getränke über die Tastatur des Geldautomaten zu gießen, einen Freund so zu prügeln, dass dem der Kiefer brach, den nächsten zu verprügeln, weil er angeblich die Schwester beleidigt hätte. In der nächsten Gerichtsverhandlung musste er sich dafür verantworten, dass er einem jungen Mann auf einem Fest von unten so gegen den Kiefer getreten hatte, dass mehrere Zähne Schaden nahmen. Zwei Faustschläge auf die Augen kamen dazu. Alkohol spielte stets eine Rolle. In Winnenden hatte er außerdem zwei Polizisten ausgiebig den Stinkefinger gezeigt, sie „Wichser“ beschimpft und ihnen erklärt, dass sie sich ihre Anzeige „in den Arsch schieben“ könnten. Und einen Brand mit insgesamt 150 000 Euro Schaden hatte er auch noch mit verursacht. Bei dem Brand hatte sich ein Beteiligter eine Rauchvergiftung zugezogen. „Die AOK sucht sie übrigens wegen Ersatzforderungen“, sagte Richter Gless, „wäre nett, wenn Sie sich da mal melden“.

Vorlesen der Straftaten dauert über zwei Stunden

Über zwei Stunden dauerte allein das Vorlesen der vergangenen Straftaten mit den dazugehörigen Sanktionen. Die beiden Angeklagten nahmen’s teilweise gelangweilt, teilweise amüsiert hin.

Ihr nächstes Urteil zum aktuellen Verfahren werden sie Mitte April erfahren.