Schorndorf

Reallabor endet – mit vielen Erkenntnissen

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Die Kleinbusse werden mit dem Ende des Reallabors wieder zurückgegeben. © Schneider/ZVW

Schorndorf. Mit dem Reallabor, dem Bus auf Bestellung, ist am Wochenende 8./9. Dezember Schluss. Mit dem regulären Fahrplanwechsel endet das Projekt, das viele Kritiker, aber auch einige Befürworter hatte. Die Projektleiterinnen bei der Stadt und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt jedenfalls haben jetzt ein positives Fazit gezogen: weniger gefahrene Kilometer, konstante Fahrgastzahlen und viele neue Erkenntnisse.

Kürzlich hat Mascha Brost als Projektleiterin des Reallabors beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sogar ein Anruf aus Neuseeland erreicht. Und immer wieder haben sich in den vergangenen 40 Wochen auch bei Diana Gallego Carrera, der Projektleiterin bei der Stadt, Interessierte aus ganz Deutschland gemeldet. Busse, die nicht nach Fahrplan fahren und feste Haltestellen ignorieren, sondern nach Bedarf über eine App oder per Telefon geordert werden können – was in Schorndorf seit 10. März getestet wurde, ist eine Besonderheit.

Und tatsächlich auch ein Erfolg: 10 000 Fahrten wurden von 10. März bis 21. November gebucht, dazu sind nicht wenige Fahrgäste spontan am Bahnhof zugestiegen, um mit den kleinen Sprintern, die im Reallabor die Zwölf-Meter-Busse ersetzt haben, in die Südstadt zu kommen. Dort verkehrte der Bus auf Bestellung in den vergangenen acht Monaten – anfangs von Freitagnachmittag bis Sonntagnacht, seit Juli, nachdem die Proteste von Pendlern und Wochenmarktbesuchern zu laut wurden, freitags erst ab 20 Uhr und samstags ab 13 Uhr.

Fahrgastzahlen bleiben konstant

Erste positive Erkenntnis, die aus dem Buchungssystem, den Nutzerumfragen und Fahrgastzählungen gewonnen werden konnte: „Die Fahrgastzahlen vor und nach der Umstellung sind konstant geblieben“, sagt Mascha Brost vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dass dabei die App-Nutzung zwischen 60 und 80 Prozent lag, hat Manfred Beier als Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht überrascht. Er hätte mit einem deutlich höheren Anteil an telefonischen Bestellungen gerechnet.

Außerdem konnten – trotz längerer Routen und fünf zusätzlicher Fahrtstunden – Kilometer eingespart werden: Im Linienverkehr sind im gleichen Zeitraum 20 791 Kilometer angefallen, im Bedarfsbusbetrieb gut 2000 Kilometer weniger. Und auch der Anteil der erfolgreichen Buchungen ist positiv: 96 Prozent aller Anfragen mündeten letztlich in einer Buchung.

Wichtige Rückmeldungen

„In der Summe“, sagt Beier, „haben wir sehr viel gelernt.“ Ohne die Rückmeldung der Bürgerinnen und Bürger, die anfangs viel (konstruktive) Kritik, zum Ende aber sogar Lob geäußert haben, hätte das Reallabor gar nicht weiterentwickelt werden können. Dass solche neuen Systeme nicht nur in der Theorie entwickelt, sondern, wie in Schorndorf geschehen, im Reallabor getestet werden können, das ist für Mascha Brost ein großer Gewinn. Und für sie zeigt der Betrieb in Schorndorf durchaus Chancen: In Schwachlastzeiten konnten Leerfahrten eingespart werden, sonst übliche Umstiege wurden unnötig.

Mit dem Ende des Reallabors werden aber nicht nur der Fahrplan und die Haltestellen reaktiviert, es werden dann auch wieder die großen Zwölf-Meter-Busse durch die Südstadt fahren und die Sprinter zurückgegeben. Denn eine Zukunft hat das Bedarfsbussystem im Moment nicht. Aus Kostengründen, aber auch in rechtlicher Hinsicht: Das Reallabor auf Buslinien, die auf acht Jahre vergeben werden, konnten Landkreis und Regierungspräsidium nur über eine Experimentierklausel möglich machen. Dennoch wünscht sich Beier, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, in Schwachlastzeiten auch kleinere, schadstoffärmere Busse einzusetzen.


Info

Eine öffentliche Abschlussveranstaltung zum Reallabor-Projekt findet am Freitag, 25. Januar, im Rathaus statt. Bis Sonntag, 17. Februar, wird dann im Foyer eine Reallabor-Ausstellung zum Thema „Fahrzeugkonzepte“ zu sehen sein.