Schorndorf

Regio hält, Türen bleiben zu

regiobahn02_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Am Sonntagabend standen so einige Bahngäste ratlos vor verschlossener Tür und kamen nicht aus dem Regio-Express heraus. Was war passiert?

Es ist ja durchaus nicht selbstverständlich, dass bei einer Bahnreise von Freiburg nach Schorndorf alles reibungslos funktioniert: keine Verspätungen, keine Probleme mit Anschlussverbindungen – und so war Martin Mutschler auch richtig happy, als er dann am Sonntagabend um 20.20 Uhr mit dem Regional-Express von Stuttgart in Richtung Schorndorf aufbrach. Was sollte jetzt noch groß passieren? Und dann das: Nachdem der Regio in Cannstatt und Waiblingen ordnungsgemäß gehalten hatte und Fahrgäste aus- und eingestiegen waren, wie es sich gehört, legte der Regio auch in Schorndorf einen pünktlichen und ordnungsgemäßen Halt ein – mit einem gravierenden Unterschied zu den vorherigen Stationen allerdings: Die Türen gingen nicht auf.

Die Passagiere hasteten von Tür zu Tür

Weshalb die Aussteigewilligen, so schildert es Martin Mutschler, von Tür zu Tür hasteten in der Hoffnung, dass sich doch irgendwo ein Ausgang finden lassen würde, und schließlich im Waggon direkt hinter der Lok landeten, wo’s auch eine Sprechverbindung zum Lokführer gab. Theoretisch, denn die war mit dem Hinweis „Außer Betrieb“ versehen. Und so mussten die Fahrgäste tatenlos miterleben, wie sich der Regio nach zwei oder drei Minuten wieder in Bewegung setzte bis zum nächsten Halt in Urbach, wo sich die Türen wie durch ein Wunder wieder nach dem üblichen Zischgeräusch öffneten und außer den Urbacher Fahrgästen auch die aus Schorndorf in die Freiheit entließen.

Dann half man sich gegenseitig

Was folgte, war teilweise unerfreulich und teilweise sehr erfreulich: Unerfreulich, weil unergiebig gestaltete sich laut Martin Mutschler der Versuch, vom uneinsichtigen Lokführer eine Erklärung für den Zwischenfall in Schorndorf zu bekommen, als erfreulich stellte sich heraus, dass sich die Fahrgäste, die eigentlich in Schorndorf hatten aussteigen wollen, beim Transport nach Schorndorf gegenseitig aushalfen, nachdem Abholdienste teilweise umdisponiert worden waren. Aber auch ein Urbacher wäre spontan dazu bereit gewesen, versehentlich in Urbach gestrandete Schorndorfer an ihren eigentlichen Zielort zu bringen.

Bahn: Unglückliche Umstände und Versehen

Ohne bereits mit dem Lokführer selber gesprochen zu haben, teilt Bahn-Pressesprecher Reinhold Willing die Einschätzung von Martin Mutschler, dass „mit größter Wahrscheinlichkeit“ nicht ein technischer Defekt das Öffnen der Türen in Schorndorf verhindert hat, sondern dass es der Lokführer aus welchen Gründen auch immer versäumt hat, die Türen zentral zu entriegeln. Wobei Willing zugunsten des Lokführers annimmt, dass das „versehentlich“ passiert ist.

Leider, bedauert der Pressesprecher, seien da zwei unglückliche Umstände zusammengekommen: zum einen das Versäumnis des Lokomotivführers, zum andern die Tatsache, dass ausgerechnet in dieser Situation die Sprechverbindung außer Betrieb war. Auch dafür, dass der Lokführer, der ja nach einem Halt zumindest die Abfahrbereitschaft des Zuges überprüfen muss, seinen Fehler nicht bemerkt hat, kann es aus Sicht von Reinhold Willing eine nachvollziehbare einfache Erklärung geben. Wenn der Fahrer aus der Lok geschaut habe und keine Personen auf dem Bahnsteig gesehen habe, habe er ja davon ausgehen können, dass der Aus- und Einsteigevorgang abgeschlossen und insofern auch die Abfahrbereitschaft gewährleistet sei.

Weil es den Verantwortlichen gestern nicht mehr gelungen ist, mit dem Lokführer zu sprechen, hat Werner Graf vom Regionalbüro Stuttgart „für den Fall, dass sich der Vorwurf des Fahrgastes bewahrheitet“, am Nachmittag schon mal die Entschuldigung dafür nachgereicht, „dass die Fahrgäste nicht mit unserer Leistung zufrieden waren und dadurch Unannehmlichkeiten hatten“. Und für den Fall, dass so etwas mal wieder vorkommt oder dass noch jemand seinem Ärger im Nachhinein Luft machen will, verweist Graf auf die Telefonnummer des Kundendialogs: 07 11/20 92-70 87.