Schorndorf

Regio-Rad: Warum kommt das Verleihsystem in Schorndorf nicht richtig in Fahrt?

Regio-Rad
Die Schorndorfer Regio-Rad-Station: Zentral gegenüber dem Bahnhof am Karlsplatz zu finden. © ALEXANDRA PALMIZI

Am Karlsplatz, dem Bahnhof vis-à-vis, stehen die Regio-Räder hübsch ordentlich in einer Reihe. Auf den Straßen und den Radwegen sieht man aber nur selten einmal eines der blauen E-Bikes fahren. Im Stuttgarter Rathaus, von wo aus die Verbreitung des Regio-Rad-Verleihsystem der Deutschen-Bahn-Tochter DB Connect vorangetrieben wird, ist man dennoch zufrieden: Die Station am Schorndorfer Bahnhof liege mit 224 Ausleihen und 218 Rückgaben, bezogen auf die Quartale eins bis drei im Jahr 2020, ziemlich genau im Mittelfeld und auf Platz 97 von 180 Stationen, teilt Ralf Maier-Geißer, Leiter des zuständigen Referats Strategische Planung und nachhaltige Mobilität, auf Anfrage mit.

Und er sieht die Schorndorfer Station auf einem guten Weg: Trotz Corona und schwacher Frühlingsmonate sei man schon ganz nah am Wert des Gesamtjahres 2019. „Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Station in Schorndorf eine sogenannte Gegenstation fehlt, also eine Station, die einen Binnenverkehr in Schorndorf ermöglichen könnte, ist dieser Wert durchaus beachtlich.“ Und: Das vierte Quartal bringe ja sicherlich auch noch Ausleihen mit sich.

Interessant sind für Maier-Geißer in diesem Zusammenhang auch die Ziele und Startstationen der in Schorndorf zurückgegebenen Räder: „Der Radius ist ziemlich weit und vielseitig“ – und reicht von Urbach, Schwäbisch Gmünd, Endersbach, Rommelshausen, Winterbach, Kirchheim, Waiblingen, Plochingen und Fellbach bis nach Stuttgart.

Im Schnitt werden im Monat nur 24 Regio-Räder ausgeliehen

Nüchtern betrachtet, hängt die dabei angelegte Messlatte tatsächlich aber ziemlich niedrig: 224 Ausleihen in drei Quartalen macht im Schnitt gerade mal 24 Regio-Räder, die am Karlsplatz pro Monat ausgeliehen werden. Dafür hat sich die Stadt Schorndorf im Gartenschaujahr mit 75 000 Euro an den damals eingerichteten 13 Stationen in der Region beteiligt und eine monatliche Servicegebühr von 1000 Euro bezahlt. Für dieses Jahr liegt die Kostenbeteiligung bei knapp 8000 Euro. Pläne, sich für das vom Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart im Juni 2020 beschlossene Förderprogramm zu bewerben, verfolgt die Stadt nach Auskunft von Thorsten Donn, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, im Moment nicht. Und so wird es in Schorndorf auch keine Gegen- beziehungsweise Ergänzungsstation geben, die sich die Stadt mit maximal 50 000 Euro bezuschussen lassen könnte.

Ernüchternd ist nicht zuletzt auch der Blick in die Vergangenheit: Obwohl direkt am Zentralen Omnibusbahnhof und anfangs publikumswirksam auch am Oskar-Frech-Bad gelegen, waren die blauen E-Bike-Stationen, die es seit 2016 in Schorndorf gibt, von Anfang an kein wirklicher Renner. 34 ausgeliehene E-Bikes pro Monat, das war bis Frühjahr 2018 der Rekord – in den Wintermonaten lag die Quote bei nahezu null. Am Ausleihvorgang, der mit vorheriger Registrierung im Internet oder via Hotline, mit der Regio-Rad-App oder der Polygocard relativ unkompliziert ist, kann’s eigentlich nicht liegen.

Und auch nicht am Preis: Für Polygocard-Inhaber ist die erste Viertelstunde kostenfrei, danach werden drei Euro pro Stunde fällig und zehn Euro für 24 Stunden; der Übernachttarif von 18 Uhr und bis 9 Uhr am Folgetag liegt bei 1,50 Euro. Im Basis-Tarif ist die Regio-Rad-Stunde mit vier Euro etwas teurer, der Tagestarif liegt bei 16 Euro und der Übernachttarif bei zwei Euro.

Kauft sich der Kleinstädter das E-Bike lieber selbst?

Womöglich hängt die geringe Auslastung aber auch damit zusammen, dass ein Leihfahrradsystem, das in der Metropole gut funktionieren mag, trotz aller Anstrengungen kein Erfolgssystem für die schwäbische Kleinstadt ist, wo man sich sein E-Bike halt doch lieber selbst kauft und ansonsten viele Wege auch zu Fuß machen kann. Dazu kommt, dass es besonders mühsam ist, die Leih-E-Bikes, die sehr robust und vandalismussicher sein müssen, angesichts ihres hohen Gewichts in die S-Bahn oder den Zug zu wuchten. Und: Die Einheitsräder passen nicht perfekt zur Körpergröße der Radler und können ausschließlich an der E-Bike-Station aufgeladen werden, über ein Ladekabel oder einen abnehmbaren Akku verfügen sie nicht.

Der Verband Region Stuttgart setzt dennoch stark auf die Region und hat nicht nur im Juni 2020 ein Förderprogramm aufgelegt, sondern acht weitere Kommunen und den Landkreis Böblingen für das Regio-Rad-Verleihsystem gewonnen – inklusive 15 neuer Verleihstationen in Waiblingen, Bietigheim-Bissingen, Nürtingen, Ludwigsburg, Fellbach, Stuttgart-Rutesheim und Oppenweiler. Weitere Kommunen stehen offenbar in den Startlöchern. Und dieses Engagement lässt sich der Verband Region Stuttgart auch einiges kosten.

Das Angebot soll über die Möglichkeit von Gruppenreservierungen und -buchung über Freiminuten für Polygocard-Inhaber und mit dem Übernachtungstarif für Pendler attraktiver werden. Bis 2026 werden Miet- und Servicekosten außerdem mit insgesamt 500 000 Euro unterstützt. Dazu kommt die Stelle des Regio-Rad-Beauftragten, der im Stuttgarter Rathaus sitzt, sich um die regionalen Aspekte des Verleihsystems kümmern soll und Ansprechpartner für die Städte und Gemeinden außerhalb Stuttgarts ist.

Am Karlsplatz, dem Bahnhof vis-à-vis, stehen die Regio-Räder hübsch ordentlich in einer Reihe. Auf den Straßen und den Radwegen sieht man aber nur selten einmal eines der blauen E-Bikes fahren. Im Stuttgarter Rathaus, von wo aus die Verbreitung des Regio-Rad-Verleihsystem der Deutschen-Bahn-Tochter DB Connect vorangetrieben wird, ist man dennoch zufrieden: Die Station am Schorndorfer Bahnhof liege mit 224 Ausleihen und 218 Rückgaben, bezogen auf die Quartale eins bis drei im Jahr 2020,

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