Schorndorf

Reisebüros in Schorndorf: Darum ist die Urlaubsplanung noch verhalten

Reisebüro
In Urlaubsprospekten blättern – das machen derzeit einige. Aber bei Buchungen ist man noch zurückhaltend. © Alexandra Palmizi

Jetzt ist eigentlich die Zeit für die Urlaubsplanung - wenn man diese nicht schon im vergangenen November oder Dezember vorgenommen hat. Aber mit der Pandemie sieht das Buchungsverhalten weiter unterschiedlich aus. Auch in diesem Jahr wirft die Corona-Lage Fragen auf – wohin kann man denn nun noch fliegen? Und ist die Reiselust überhaupt vorhanden? Der Deutsche Reiseveranstalter-Verband (DRV) rechnet mit einem starken Sommergeschäft. Garantieren könne das natürlich derzeit niemand. Der DRV ist optimistisch. Schon das Jahr 2021 habe gezeigt: Die Menschen wollen raus, sie wollen Abstand haben von den Einschränkungen. Bereits im Sommer 2021 konnte die Reisebranche Zuwächse im Vergleich zu 2020 verbuchen.

Der Wunsch zu verreisen ist groß

„Wir wollen raus, sonst drehen wir durch“, diese Aussage hat Lothar Oechsle vom Schorndorfer Reisebüro „Die Urlaubswelt“ mehr als einmal von seinen Kunden gehört. Im Moment sei es dennoch etwas ruhiger geworden, „wegen der Unsicherheit mit der Omikron-Variante“. Aber, so Oechsle weiter, „die Leute wollen reisen, der Wunsch danach ist groß“. Derzeit seien es hauptsächlich kurzfristige Buchungen, die Oechsle verzeichnet. „Die Pfingstferien sind jetzt schon gut gebucht.“ Der Mittelmeerbereich sei nach wie vor der Favorit bei den meisten Kunden, so der Reisebüro-Betreiber, dessen zweites Standbein auch Kreuzfahrten sind. Aber da laufe derzeit gar nichts: „Es wird von Kreuzfahrten Abstand genommen – da liegt ja ein Schiff nach dem anderen still wegen Corona“, sagt Lothar Oechsle. Die Kreuzfahrtindustrie sei stark gebeutelt – wann das wieder besser wird, wagt auch Oechsle nicht zu mutmaßen.

Damit die Urlauber im Falle einer kurzfristigen, neuen Verordnung auf der sicheren Seite sind, bietet das Reisebüro – wie viele andere auch – unter anderem eine Extra-Reiserücktrittsversicherung an. Diese übernimmt die zusätzlichen Hotelkosten, falls die Urlauber im Ausland in Quarantäne müssen.

„Ich freue mich, dass sich die Kunden informieren und Kataloge holen, aber es tröpfelt so vor sich hin. Es ist ein kaum einzuschätzendes Kundenverhalten, auch wenn man eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung erkennt.“ Reisen auf die Kanaren, nach Andalusien, in die Karibik, auf die Malediven oder auch nach Mexiko seien gefragt. „Die Flieger sind rappelvoll.“ Verständlich, da die Airlines noch lange nicht ihre kompletten Flugkapazitäten in dieser Pandemie ausschöpfen.

Wenn es um Städtereisen gehe, sei die Nachfrage jetzt noch verhalten: „Das wird im Frühjahr wieder anders sein“, vermutet Oechsle, mit dem Hinweis auf sein Bauchgefühl, das ihn noch nie getäuscht habe. Von seinen Kunden erhält Lothar Oechsle positive Rückmeldungen, sei es per Mail oder per Postkarte. Er habe auch noch keinen aus seiner Kundschaft erlebt, der krank zurückgekommen sei: „Fast alle sagen, es sei die richtige Entscheidung gewesen, einen Urlaub zu buchen.“

Oechsle selbst war im Dezember auf Gran Canaria auf einer Seminarreise und hat beobachtet, dass man dort „ungezwungener mit den Maßnahmen umgeht, weil man sie einfach befolgt, sei es das Masketragen oder die Hygienevorschriften“. Dass die ITB sowie die CMT ausgefallen sind, sei ein Nachteil: „Der Austausch fehlt. Wenn man online kommuniziert, ist es eben nicht das Gleiche wie persönlich.“

Durchwachsenes Reisejahr oder Buchungswelle?

Dass die CMT (Caravan–Motor– Touristik) abgesagt wurde, bedauert auch Taylan Karhan vom Reisebüro Kar-Tours sehr. Nachdem schon die Internationale Tourismus-Börse Berlin (ITB) abgesagt wurde, fiel mit der CMT ein weiterer Kundenmagnet weg: „Da erkundigen sich eben doch viele Menschen über die Reiseziele und kommen dann zu uns, um zu buchen.“ Eine ähnliche Einschätzung hat Ute Marx, Geschäftsführerin von Knauss Reisen in Schorndorf: „„Ich denke, dass eben kleinere Regionen und auch Reisetrends hier auf der Strecke bleiben, da die CMT schon eine gute Plattform war, um sich der Allgemeinheit zu präsentieren. Das fällt jetzt natürlich weg.“

Die Reiselust ist laut Marx, vorhanden – aber auch die Verunsicherung, unter welchen Bedingungen die Reisen angetreten werden können. Die Nachfrage könne man gar nicht genau beschreiben: „Es ist eine Woche gut und in der anderen kann es sein, dass gar keine Anfragen kommen. Aber generell möchten die Kunden weg und nutzen auch die Möglichkeiten der Flexoptionen der einzelnen Veranstalter, die es ermöglichen, kostengünstig die Reise wieder bis zu einer bestimmten Zeit vor Abreise zu stornieren.“ Kunden hätten nach wie vor Fragen, weil sie manchmal „einfach nicht durchblicken, wo welche Regel gerade gilt“. Beispielsweise gehe es dann darum, ob das Ziel überhaupt bereist werden kann, welche Impfvoraussetzungen gelten und ob einen eine eventuelle Quarantäne erwartet.

Im Dezember noch habe man eine „gewisse Zurückhaltung der Kunden“ bemerkt. Mittlerweile sei die Lust auf das Reisen wieder spürbarer: „Urlaub ist nötig“, so Taylan Karhan. Er selbst habe die nächste Tour geplant – mit rund 20 Reisebürokollegen, im Mai nach Kuba. „Man kann schon sagen, dass wir jetzt zwei Jahre auf dem Trockenen saßen wegen Corona. Ich bin zwar eher der vorsichtige Mensch, aber mittlerweile denke ich, dass man es wagen kann – solange die Pandemie sich nicht wieder verschärft.“ Karhan vermutet, dass das Jahr 2022 ähnlich ablaufen wird wie 2021: „Die Buchungswelle wird kommen.“

Ute Marx hingegen erwartet ein durchwachsenes Reisejahr, „da einfach die Lage zu dynamisch und unberechenbar ist“. Es werde – wie im vergangenen Jahr – kurzfristig gebucht werden, je nachdem ,welche Ziele in der Urlaubszeit problemlos zu bereisen seien. „Die europäischen Ziele werden sicher bevorzugt, aber Fernreisen ebenso gebucht, wobei da die Lage noch unübersichtlicher ist als in Europa, da wir hier nicht immer über die aktuellen Zahlen informiert werden. Überwiegend verkaufen wir hier dann geführte Reisen, damit der Kunde bei einer Absage abgesichert ist. Das ist bei individuellen Reisen immer schwierig“, so Marx. Sie selbst sei über Silvester auf den Kanaren mit dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ gewesen: „Und ich muss zugeben, dass es sehr gut war. Das Schiff war nur zu 60 Prozent belegt. Es wurde jeden Tag Fieber gemessen und es gilt auf den Schiffen 2G plus oder sogar 1G ab zwölf Jahre.“ Man habe sich uneingeschränkt, „natürlich mit Maske“, auf dem Schiff bewegen können und es seien alle Sport-, Wellness- und öffentlichen Bereiche zugänglich gewesen. Dass Kreuzfahrten allerdings keinen „Buchungsboom“ erleben, sei bekannt – nach den Schlagzeilen, dass einige Schiffe wegen Corona in Häfen festsitzen.

Auch Corona wird wieder Urlaub machen

Mit den Pandemie-Herausforderungen hat sich Reisebüroleiter Karhan längst arrangiert: „Manchmal kommen wir uns hier schon wie Corona-Reiseexperten vor“, sagt er schmunzelnd. Er erlebe beide Seiten: Derzeit habe er ein Flitterwochenpärchen in Dubai, das sich gemeldet und seinen Dank ausgedrückt hat: „Das freut einen schon sehr, wenn alles klappt.“

Parallel dazu hat er eine Kundin, die in Mexiko festsitzt und für die er gerade einen Rückflug organisiert hat. Dass es hier und da Stornierungen und Umbuchungen gebe, sei bei der sich ständig verändernden Lage klar: „Wir bekommen nahezu jede Woche neue Meldungen, welche Länder als Hochrisikogebiete ausgewiesen werden“, berichtet Karhan und betont dennoch: „Jetzt ist der Buchungsanlauf für 2022.“ Dass es eine Reisewelle 2022 durchaus geben wird, da ist sich der Fachmann fast sicher: „Sobald Corona im Frühjahr und Sommer auch wieder Urlaub macht, wird der Buchungsansturm da sein.“

Jetzt ist eigentlich die Zeit für die Urlaubsplanung - wenn man diese nicht schon im vergangenen November oder Dezember vorgenommen hat. Aber mit der Pandemie sieht das Buchungsverhalten weiter unterschiedlich aus. Auch in diesem Jahr wirft die Corona-Lage Fragen auf – wohin kann man denn nun noch fliegen? Und ist die Reiselust überhaupt vorhanden? Der Deutsche Reiseveranstalter-Verband (DRV) rechnet mit einem starken Sommergeschäft. Garantieren könne das natürlich derzeit niemand. Der DRV

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