Schorndorf

Rems-Renaturierungsprojekt nicht beschädigt

1/2
„Baurenwasen“ nicht den Bach runter_0
So sieht’s nach dem Hochwasser im Bereich der Gartenschau-Remsrenaturierungsmaßnahme „Baurenwasen“ aus ...  © Habermann / ZVW
2/2
_1
So sah es im Bereich des Remswehrs und des Zulaufs zum Mühlkanal während des Hochwassers Anfang dieser Woche aus. © Gabriel Habermann

Schorndorf. Das Gartenschau-Remsrenaturierungsprojekt „Baurenwasen“ ist, um es mit einer Redewendung zu sagen, beim jüngsten Rems-Hochwasser „nicht den Bach runtergegangen“. Zwar muss an der einen oder anderen Stelle nachgebessert werden, aber manch eine Korrektur, die das Hochwasser eigenmächtig vorgenommen hat, kann auch einfach so belassen werden.

Das gilt laut Herbert Schuck, seines Zeichens Leiter des städtischen Fachbereichs Infrastruktur, für die eine oder andere kleine Kiesbank, die’s weggeschwemmt hat und die ein paar Meter weiter an anderer Stelle wieder angelandet ist. Und auch Böschungsbereiche sind teilweise neu modelliert worden und sollen Schuck zufolge schon allein deshalb in diesem natürlich herbeigeführten Zustand verbleiben, weil diese Remsrenaturierungsmaßnahme auch perspektivisch so geplant ist, dass sich das Wasser seinen Weg sucht und dass natürliche Veränderungsprozesse im Lauf der Jahre durchaus erwünscht sind.

Aussichtsdecks und größere Inseln haben standgehalten

Ohne große Folgen ist das Hochwasser über die neu angelegten größeren Inseln hinweggegangen, und auch die beiden unterschiedlich hohen Aussichtsdecks sind unbeschadet geblieben – wenn man von Ausspülungen im Bereich der Bodenverankerung, von Verschmutzungen und von Anlandungen durch Treibgut absieht, die in Zukunft durch einen Vorabweiser vermieden werden könnten. Ansonsten, sagt Herbert Schuck, sind durch die Flut ein paar große Steine weggedrückt worden, die wieder zurückversetzt werden müssen.

Und vom Hochwasser mitgenommen worden sind drei der fast zwei Tonen schweren Baggermatratzen und ein Teil der von der Baufirma am Uferbereich für weitere Arbeiten gelagerten Kiesmengen. Es ist also, fasst Schuck die Hochwasserfolgen zusammen, nichts passiert, was das Remsrenaturierungsprojekt ernsthaft beeinträchtigen oder gar im Hinblick auf die Gartenschau infrage stellen könnte. Zumal noch keine Bepflanzungen vorgenommen worden waren. Und auch finanziell ist kein größerer Schaden entstanden - ganz davon abgesehen, dass das Risiko bis zu einem zehnjährlichen Hochwasser – und um ein solches hat es sich gehandelt - ohnehin die Baufirma zu tragen hat. Erst darüber hinaus würde die Stadt zur Kasse gebeten.

„Gut, dass das Hochwasser jetzt gekommen ist und nicht kurz vor der Eröffnung der Gartenschau“, sagt der Fachbereichsleiter Infrastruktur, der jetzt allerdings hofft, dass vor der Gartenschau Vergleichbares nicht mehr passiert. Damit sich in den nächsten Wochen vor allem die neu angelegten Böschungsbereiche stabilisieren können.


Hahn kritisiert, Schuck korrigiert

Die Kritik des Schorndorfer Wasserkraftnutzers und Mühlenbetreibers Jochen Hahn, dass beim derzeitigen Hochwassermeldeystem seine Belange nicht ausreichend berücksichtigt seien, weil zwar die Gemeinden remsabwärts von Schorndorf, nicht aber die remsabwärts von Gmünd frühzeitig informiert würden, weist der Leiter des städtischen Fachbereichs Infrastruktur, Herbert Schuck, entschieden zurück. „Für uns ist der Pegel Gmünd der wichtigste“, sagt Schuck und weist darauf hin, dass jede Alarmmeldung sofort auch an Jochen Hahn weitergegeben werde, der dazu halt aber seine Mailbox abhören müsse, um dann möglichst schnell Vorsorge zum Schutz des Mühlkanals treffen zu können. Im Übrigen, so Schuck, sei es Hahn auch unbenommen, sich auf das Meldesystem Fliwas aufzuschalten, in dem alle relevanten Daten gesammelt würden.

Es gibt aber weitere Konflikte zwischen Hahn auf der einen und Stadt beziehungsweise Landratsamt auf der anderen Seite, die sich daraus ergeben, dass Hahn zwar das (befristete) Wasserrecht hat, sich aber nicht als Eigentümer der Anlage (Wehr und Zulauf) und sich deshalb auch nicht in der Unterhaltspflicht sieht. Da müsse das Landratsamt irgendwann für Klarheit sorgen, meint Schuck – notfalls gerichtlich.

Spannend vor diesem Hintergrund ist jedenfalls auch, wie Hahn im Gartenschaujahr seine Rolle als einer von insgesamt 24 Gewässerführern interpretiert. Schließlich sieht er die Renaturierungsmaßnahme „Baurenwasen“ in erster Linie als „Bespaßungsprojekt“ und weniger als eine ökologische Aufwertung der Rems oder gar als Beitrag zum Hochwasserschutz und bemängelt ganz konkret, dass im Rahmen der Gartenschauplanungen überhaupt nicht mehr thematisiert werde, dass das Gewässer immer noch Gefahrenpotenzial habe. „Aber ich weiß, dass ich mich da etwas zurücknehmen muss“, sieht Jochen Hahn immerhin ein.

Spannend könnte in einem trockenen Gartenschau-Sommer auch die Frage werden, wie viel Remswasser Hahn für seine Zwecke abführen darf und wie viel er übers Wehr laufen lassen muss. Während Hahn befürchtet, dass ihm zu viel Wasser genommen wird, ist für Schuck klar, dass immer mindestens ein Drittel der ankommenden Wassermenge in der Rems verbleiben muss. Was „im Zweifel auch alles“ sein könne.