Schorndorf

Retten, was an Bauplätzen zu retten ist

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Die Geruchsemissionen, die vom Pferdehof ausgehen, könnten das angrenzende Baugebiet „Schölleräcker“ stärker beeinträchtigen als bislang gedacht. © Joachim Mogck
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Noch ist unklar, wie sich die vom Pferdehof ausgehenden Emissionen aufs Baugebiet „Schölleräcker“ auswirken.

Schorndorf.
„Wie würden Sie als Stadtrat reagieren, wenn Sie betroffen wären?“, fragte in der Bürgerfragestunde zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung eine Grundstückseigentümerin, die Angst hat, dass sich ihre Bauwünsche nicht mehr realisieren lassen, wenn das geplante Baugebiet „Schölleräcker“ in Weiler wegen der von einem benachbarten Pferdehof ausgehenden Geruchsbelästigung verkleinert werden muss.

„Man fühlt sich über den Tisch gezogen, wenn man 17 oder 18 Jahre lang gewartet hat“, sagte die Fragestellerin, der schwacher Trost nur insofern zuteilwurde, als ihr von Seiten der Verwaltung zugesagt wurde, dass im Verlauf des weiteren Verfahrens alles getan werde, um möglichst viel bebaubare Fläche zu retten. Wobei von der Größe des Baugebiets letztlich auch wieder abhängt, mit welchem der beiden infrage kommenden Bebauungsplanverfahren dann weitergearbeitet wird.

Ein zweiter Bebauungsplan wurde auf den Weg gebracht

Jetzt ist’s erst einmal so, dass der Gemeinderat zusätzlich zum bereits laufenden Bebauungsplan, der während der Auslegungsphase durch einen Einspruch wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigung gestoppt worden ist, einen zweiten auf den Weg gebracht hat – für den Fall, dass es die mittlerweile für Emissionsherde wie einen Pferdehof geltenden Richtlinien erforderlich machen, das geplante Baugebiet zu verkleinern.

Denn sollte das Baugebiet auf eine überbaubare Fläche von unter 10 000 Quadratmeter schrumpfen, dann könnte die weitere Planung im sogenannten beschleunigten Verfahren durchgezogen werden. „Wenn man das mitdenkt, muss man das neue Verfahren jetzt einleiten, aber damit ist das seither verfolgte Regelverfahren nicht tot“, brachte FDP/FW-Fraktionschef Nickel im Gemeinderat die formal komplizierte Vorgehensweise auf den Punkt.

Betrachtungsraum wird erweitert, um mehr Flexibilität zu haben

Alles hängt jetzt davon ab, wie die Neuberechnung der Geruchsemissionen ausfällt. „Der Pferdehof kann da gar nichts dafür“, nahm der designierte Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Baurecht, Thorsten Donn, erst einmal den Verursacher des ganzen Dilemmas in Schutz und erklärte dann, dass die Stadt als Reaktion auf die drohende Verkleinerung des Baugebiets, die natürlich so gering wie möglich gehalten werden solle, im neuen Verfahren den ganzen Planbereich etwas größer gefasst habe. „Der Betrachtungsraum wird erweitert, damit wir mehr Flexibilität haben“, sagte Donn und bezeichnete es als „Knackpunkt“, was bei einem neuen Geruchsgutachten herauskomme und wie viel bebaubare Grundfläche letztendlich zur Verfügung stehe. Wenn am Schluss rauskomme, dass im Plangebiet doch mehr als 10 000 Quadratmeter Grundfläche überbaut werden könnten, werde halt wieder aufs jetzt erst einmal gestoppte Regelverfahren zurückgeschwenkt, bestätigte Donn die vorherige Einschätzung von Gerhard Nickel.

Natürlich sei die ganze Angelegenheit „unbefriedigend“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer und reagierte zumindest indirekt auf die Anfrage der besorgten Bürgerin, indem er klarstellte, dass es in diesem Fall „nicht um Gewinner und Verlierer“ gehe, sondern darum, die „Schölleräcker“ rechtssicher zu machen. Die Antwort der Verwaltung auf die Frage von SPD-Fraktionschef Thomas Berger, wer denn in Sachen Geruchsbelästigung überhaupt klageberechtigt sei, fiel kurz und knapp aus: „Jeder.“ Also nicht nur derjenige, der in irgendeiner Form vom Baugebiet betroffen ist. Vollstes Verständnis für die, die sich jetzt über den Tisch gezogen fühlen, hat der Weilermer Ortsvorsteher Klaus Beck: „Jetzt fallen Grundstückseigentümer raus, die man damals mühselig zum Mitmachen überredet hat“, gab er zu bedenken und formulierte als oberstes Ziel: „ Wir sollten so viele Bauplätze wie möglich retten.“

„Wir nehmen das Verfahren, bei dem wir mehr Fläche retten können“

Aus Sicht von CDU-Stadtrat Max Klinger wäre es zumindest einen Versuch wert, auf den Besitzer des Pferdehofs zuzugehen und mit ihm über einen alternativen Standort zu sprechen. Theoretisch denkbar, meinte Thorsten Donn, der aber ganz grundsätzlich dazu riet, erst einmal abzuwarten, was beim neuen Gutachten herauskomme, und sich dann weitergehende Schritte zu überlegen. Das gilt auch für Gerhard Nickels Überlegung, ob sich bei einem verkleinerten Baugebiet auch für die verbleibende Bebauung etwas ändern könnte. Es sei nicht auszuschließen, dass der städtebauliche Entwurf, auf dem die seitherige Planung fuße, noch einmal überarbeitet werden müsse, sagte Thorsten Donn.

Und bevor noch einmal die Frage auftauchte, welches der beiden infrage kommenden Verfahren in welchem Fall das bessere sei, schritt energisch die Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, Gabriele Koch, ein: „Wir nehmen das Verfahren, bei dem wir mehr Fläche retten können“, sagte sie – sehr zur Freude des Oberbürgermeisters. „Die Stadtbaumeisterin hat gesprochen“, scherzte Matthias Klopfer, nicht ohne ernsten Hintergrund. Hatte Manfred Bantel doch zuvor in seiner Haushaltsrede für die CDU-Fraktion mal wieder die Forderung nach einem Stadtbaumeister anklingen lassen. Als es bezüglich des neuen Planverfahrens für die „Schölleräcker“ zum gemeinderätlichen Schwur kam, gab’s vier (grüne) Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Schorndorf.
„Wie würden Sie als Stadtrat reagieren, wenn Sie betroffen wären?“, fragte in der Bürgerfragestunde zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung eine Grundstückseigentümerin, die Angst hat, dass sich ihre Bauwünsche nicht mehr realisieren lassen, wenn das geplante Baugebiet „Schölleräcker“ in Weiler wegen der von einem benachbarten Pferdehof ausgehenden Geruchsbelästigung verkleinert werden muss.

„Man fühlt

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