Schorndorf

Riverside Bikegames: Dieses Gefühl in der Luft

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Auf der kurvigen Hügelstrecke in Schorndorf zeigt dieser Fahrer, wie man Kraft, Präzision und Geschick verbindet. © Steinemann
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Dieser Fahrer liefert eine kleine Showeinlage. © Steinemann

Schorndorf. Die ganz spektakulären Sprünge gab es am Samstag im Bikepark nicht zu sehen. Schlechte Wetterprognosen verhinderten, dass Biker aus ganz Süddeutschland ihre Tricks vorführen konnten. Doch lohnte sich ein Besuch der abgespeckten „Riverside Bikegames“, denn wie, egal ob jung oder erfahren, die Fahrer in wenigen Sekunden durch die Mountainbikestrecke rasen, ist beachtlich. Wer denkt, dass da am Ende nur die Beine schmerzen, irrt sich.

Video: Riverside Bike Games 2015

Der „Pumptrack Race“ steht ab 15 Uhr an. Pumptrack? Das ist eine spezielle Mountainbikestrecke, die seit einigen Jahren auch in Schorndorf steht. „Pump“ bezieht sich auf den Einsatz der Arme, denn Ziel ist es, auf der Strecke, ohne zu treten, durch Hochdrücken des Körpers (englisch „pumping“) aus der Tiefe am Rad Geschwindigkeit aufzubauen. Also kommt es gar nicht darauf an, wer die muskulösesten Beine hat. Am Nachmittag legen die jüngsten Fahrer los, fahren über Wellen und nehmen enge Kurven.

Besonders ein Junge sticht ins Auge. Seine Eltern rüsten den Kleinen wie einen Ritter für das Turnier. Brustschutz, Ellenbogen- und Knieschützer, Handschuhe und Helm. Als einziger Fahrer im Feld sitzt sein Sattel nicht auf dem tiefsten Punkt. Er fährt überwiegend sitzend. Den Biker-Knappen feuern die Zuschauer besonders an. Rajko Rost von den Schorndorfer Bikeriders der SG, dem Veranstalter, schickt den jüngsten Teilnehmer aufs Feld. Drei Runden fährt jeder. Die zweite Runde wird gezählt, hier legen sich die Fahrer richtig ins Zeug. Doch was ist das? Der kleine Fahrer bremst in der wichtigen zweiten Runde ab! Er fährt an seinen Eltern vorbei, grinst stolz – und hält an. „Weiter, weiter!“, rufen die Zuschauer. Der junge Biker guckt irritiert. „Die zweite Runde zählt!“ Das kleine rote Rad nimmt wieder Fahrt auf und grinsend darf der Kleine eine Extra-Runde drehen. Die älteren Teilnehmer gehen die Sache ambitionierter an. Von ihnen gibt es Tipps. Man kann sich einiges von den Profis abschauen.

Drücken, ziehen, beugen und strecken

Sven Hermann, Fahrer von „Freeride Mountain“, das Geschäft ist Partner der SG Bikeriders, winkt die Fahrer nach ihrer dritten Runde vom Parcours. Er startet auf internationalen Turnieren, zeigt dort schwierige Sprünge. Am Samstag zeigt er den Fahrern den Weg nach draußen. Er ist verletzt. Er sieht, welche jungen Fahrer Talent und Erfahrung haben. Fynn aus Weinstadt stellt sich besonders gut an und meistert die kurvige Hügelstrecke gekonnt. Er braucht knapp 14 Sekunden für den Parcours. Warum? Er hat die richtige Technik: Durch das Beugen und Strecken der Arme beim Überfahren der Hügel und Wellen zieht und drückt man das Bike kraftvoll unter sich hoch und runter. Das sorgt auch für die Geschwindigkeit, erklärt Sven Herrmann, denn in die Pedalen zu treten ist auf der Strecke nur am Anfang erlaubt. Idealerweise wird man durch diese Technik von Welle zu Welle immer schneller. Fynn macht das vor. Der Körperschwerpunkt verändert sich wenig, weil Arme und Beine ständig gebeugt und gestreckt werden. Kein Wunder, dass die Haare unter den Helmen der Fahrer kleben.

Das liegt nicht am Regen, der zwar angekündigt war, aber die Biker am Samstagnachmittag verschont. „Das beansprucht den ganzen Körper“, sagt Sven Herrmann. Man nutze ja nicht nur die Beine, sondern ziehe eben auch kräftig mit den Armen. Der Sattel ist dabei eigentlich unwichtig. Die Fahrer stehen auf ihren Rädern.

„Du musst Bock darauf haben!“

Noch schneller wird der Wettkampf, als die Erwachsenen aufs Rad steigen. Manche „wheelen“. Das heißt, sie fahren einen Hügel rauf, bleiben auf dem Hinterrad und erklimmen so bequem die folgenden Hügel, da sich das Vorderrad immer erhöht befindet. Das erfordert Kraft und Geschick.

Mitunter werden die Fahrer dabei von Fotografen und Kameraleuten verfolgt. Ein junger Mann mit Kamera in der Hand rennt hinter den Fahrern her – was vielleicht auch motivierend ist – und hält die Kamera auf Bauchhöhe, um spektakuläre Aufnahmen zu erhalten. Denn natürlich geht es bei dieser Sportart um Spektakel, um Bilder, Tricks, Sprünge, Drehungen und Überschläge. Wer starke Bilder liefert, findet vielleicht einen Sponsor. Was gefällt ihm an diesem Sport am besten? „Das Gefühl in der Luft“, sagt Sven Herrmann, wenn sie Geschwindigkeit aufnehmen und dann ihre Tricks in der Luft vollführen. „Zuschauen mag jeder, aber man muss sich das trauen. Du musst Bock darauf haben“, schildert er.

Doch die Tags zuvor angekündigten Wetterkapriolen wirken wie ein kollektiver Platten, obwohl das Wetter deutlich besser ist als gedacht. Hätte man das doch vorher gewusst. Am Freitagabend hieß es: „Schweren Herzens müssen wir leider den Dirtjump-, Best Trick Contest und Teile der Riverside Bikegames absagen. Die unsicheren Wetteraussichten mit örtlichen Unwetterwarnungen mit starkem Wind und Niederschlag lassen uns keine andere Wahl“, schrieb Nikolai Rost. Wenn der Wind bläst, sei es zu riskant für Tricks in der Luft. Beim „Dirtjump“ springt man über verschiedene Hügel aus Erde, Kies, Holz und macht dabei Tricks. Das alles fällt am Samstag ins Wasser, obwohl es gar nicht regnet. Egal. Das wird bald nachgeholt, verspricht Nikolai Rost. Und wer auf dem höchsten Punkt im Bikepark steht, kommt mitunter auf seine Kosten, als die Fahrer den hinteren Bereich der Strecke nutzen und lässig ein paar Sprünge einbauen.

Reinschnuppern

Wer auf dem Bikepark in Schorndorf fahren will, kann gerne mal bei den Schorndorfer Bikeriders in der Richard-Kapphan-Straße 39 vorbeischauen. Es besteht absolute Helmpflicht. Wer sich informieren will, kann eine E-Mail an news@bikepark-schorndorf.de schreiben.