Schorndorf

Rohrbrüche in extrem trockenen Böden

1/2
330ba5e1-7b01-43c8-bd93-a86be8fc2fd3.jpg_0
Wasserrohrbruch im Garten: Bis zum ersten Hahn oder Ventil übernehmen in Schorndorf die Stadtwerke die Kosten. © Pienek/ZVW
2/2
_1
Um die defekte Wasserleitung zu finden, musste der Bagger ganz schön tief graben.

Schorndorf. Die Hitze und extreme Trockenheit dieses Sommers haben nicht nur Wäldern, Äckern und Gärten zugesetzt. Die Wasserleitungen in den knochentrockenen Böden sind zwischen Juli und September genauso gefährdet wie in eisig kalten Wintern. Aktuell müssen sich die Stadtwerke um drei Wasserrohrbrüche in Straßen und Vorgärten kümmern, Kostenübernahme inklusive.

Nachts, zwischen zwei und drei Uhr, haben die Stadtwerke das Wassernetz besonders intensiv im Blick. Um eventuelle Rohrbrüche auszumachen, wird dann, wenn in der Regel am wenigsten Wasser verbraucht wird, die Auslaufmenge aus den Wasserbehältern überprüft. Strömt außergewöhnlich viel Wasser ins Netz, spricht das für einen Rohrbruch, der so schnell wie möglich behoben werden muss.

Simon Heeß, Ingenieur für Versorgungstechnik bei den Stadtwerken, muss sich im Moment um drei solche Wasserrohrbrüche kümmern: zwei in Schorndorf und einen in Schlichten. Oft ist die Hauptleitung betroffen, immer wieder auch der Hausanschluss. „Durch die extreme Trockenheit“, erklärt Heeß, „kommt es zu enormen Bodenbewegungen“. Dem können die bis zu hundert Jahre alten Gussleitungen des Schorndorfer Wassernetzes nicht immer standhalten. Und so kommt es jedes Jahr zu 70 bis 80 Rohrbrüchen im Schorndorfer Wassernetz. „Das sind im Schnitt zwei pro Woche“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer und setzt für die Zukunft auf im Sandbett verlegte Polyethylen-Rohre, die sukzessive verlegt werden: „Die sind flexibler.“

Enorme Kräfte im Erdreich: Fünf Zentimeter breite Risse

Beim Wasserrohrbruch, der an der Ecke Friedrich-/Wilhelm-Maybach-Straße behoben werden muss, ist ebenfalls eine dieser Gussleitungen geborsten. Und schon oberirdisch ist zu ahnen, welche Kräfte im Erdreich wirken: In den Gärten klaffen seit Wochen bis zu fünf Zentimeter breite Risse. Nachdem Wasser in den Keller erst getropft und dann geflossen ist, waren die Experten der Stadtwerke vorort, um den Schaden mit Mikrofonen zu lokalisieren. Am Wochenende: Schließlich können, je nach Schaden, zwischen zwei und vier Kubikmeter Wasser aus einer defekten Leitung fließen. Ist der Allgemeinzustand gut, erklärt Heeß, wird die Leitung mit Dichtschellen geflickt, beim Wasserrohrbruch an der Wilhelm-Maybach-Straße aber musste die Leitung ersetzt werden. Auf Kosten der Stadtwerke: Die reparieren in Schorndorf Schäden bis zur ersten Absperreinrichtung, also dem ersten Wasserhahn oder Ventil.

Manchmal müssen freilich, um den Schaden reparieren zu können, auch (Vor-)gärten aufgebuddelt werden. Sind die Leitungen überbaut, kann’s vorkommen, dass Terrassen und Wege entfernt werden müssen. Darum ist es Stadtwerke-Geschäftsführer Seufer bei dieser Gelegenheit wichtig, daran zu erinnern: „Leitungen dürfen nicht überbaut werden.“

Wasserverbrauch: Schon 100 000 Liter mehr als sonst

Der extrem trockene Sommer hat sich in Schorndorf natürlich auch auf den Wasserverbrauch ausgewirkt: Bei einem Verbrauch von im Schnitt 1,9 Millionen Liter im Jahr, sind’s im Moment schon 100 000 Kubikdezimeter mehr als sonst. Da Schorndorf an die Landeswasserversorgung angeschlossen ist und nur 13 Prozent Eigenwasser einspeist, sah Stadtwerke-Geschäftsführer Seufer aber auch während der extrem trockenen Phase kein Wasserversorgungsproblem – und erwähnt bei dieser Gelegenheit: Die Stadtwerke investieren jährlich insgesamt eine Million Euro, um die Qualität der Wasserversorgung zu gewährleisten. Dafür wurde der Wasserbehälter am Holzberg saniert und in der Röhrachsiedlung Leitungen und Kanäle erneuert.


Info

Der Störungsdienst Wasser der Stadtwerke ist unter 07181 / 964 50-888 und im Notfall unter 0172/7341-400 oder 0172/7341-401, zu erreichen. Ideen, Anregungen, Informationen zu defekten Straßenlaternen und weitere Hinweise erreichen die Stadtwerke auch über die Homepage der Stadt.

Wasser marsch! Leistungstest für Wassernetz

Um die Leistungsfähigkeit des Wassernetzes zu testen, nehmen die Stadtwerke Schorndorf in diesem Jahr nicht nur an die 200 000 Euro in die Hand, in der kommenden Woche wird an insgesamt 54 Stellen in der Kernstadt und den Teilorten konkret gemessen. Sprich: Es wird an den Hydranten über ein Standrohr Wasser entnommen und Belastung simuliert. Das, kündigt Simon Heeß, Ingenieur für Versorgungstechnik an, wird dann bis zu einer halben Stunde lang in Strömen über die Straße laufen. Kein Wunder: Schließlich fließt Wasser mit bis zu sechs bar durchs Netz. Zum Vergleich: Aus dem Wasserhahn kommt es mit maximal drei bar.

Unter 1,5 bar allerdings sollte der Druck im Netz nicht abfallen, sonst stagniert Wasser in der Leitung und die Gefahr der Verkeimung steigt. Zu bedenken ist außerdem: Das Wassernetz muss auch bei erhöhten Anforderungen wie Löschwasser-Bedarf bei einem Brand leistungsfähig sein, zudem sollte Wasser auch in den Höhenlagen wie in Schlichten mit ausreichend Druck aus der Leitung kommen.

Grundsätzlich, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer, ist das Schorndorfer Wassernetz aber überdimensioniert: In den 1980er Jahren noch ging man von einem täglichen Wasserverbrauch von 240 Litern pro Einwohner aus, tatsächlich liegt er heute bei der Hälfte. „Das wird Auswirkungen auf den zukünftigen Netzausbau haben“, sagt Seufer und erhofft sich von der für kommende Woche geplanten „grundsätzlichen Überrechnung des Wassernetzes“ Antworten auf die Frage nach dem Handlungsbedarf. Womöglich können Einstellungen optimiert werden, vielleicht sind auch nicht mehr alle 13 Wasserbehälter und drei Wassertürme notwendig. Insgesamt verfügt Schorndorf über 200 Kilometer Hauptleitungen und Hausanschlüsse in der gleichen Länge. „Das sind 400 Kilometer, die regelmäßig überwacht werden“, sagt Seufer und berichtet: Manchmal haben die Stadtwerke schon einen Rohrbruch befürchtet, sind ausgerückt und dabei wurde in einem Privathaus nachts nur der Swimmingpool befüllt, ohne dass vorher Bescheid gegeben wurde.

Die Stadtwerke sind – auch einmal nachts zwischen 23 und 6 Uhr – von Montag, 3. September, bis Freitag, 7. September, mit vier Teams im Einsatz an folgenden Entnahmepunkten: Buhlbronn: Grundackerweg; Mannshaupten: Hohensteinstraße, Schäfergarten; Schornbach: Ellenbergweg, Weißbucher Straße, Vogtswiesen, Mönchhaldenstraße; Miedelsbach: Akazienweg, Eichendorffstraße, Kistenweg, Hanfwiesenstraße, Brunnenweg, Goldwiesenstraße; Haubersbronn: Haldenstraße, Rebenweg, Gassackerstraße, Wieselweg, Am Niederfeld; Weiler: Winterbacher Straße, Königsberger Straße, Schorndorfer Straße, Bahnhofstraße, Lortzingstraße; Schorndorf: Richterweg, Wiesenstraße, Olgastraße, Hammerschlag, Stuttgarter Straße, Hintere Ramsbachstraße, Weiler Straße, Augustenplatz, Lutherstraße, Georg-von-der-Vring-Straße, Am Ziegelgraben, Künkelinstraße, Schulstraße, Panoramastraße, Lange Straße, Neue Straße, Johannesstraße, Konnenbergstraße, Schlichtener Straße, Silcherstraße, Tannenweg, Göppinger Straße, Hohenstaufenstraße, Wilhelm-Busch-Weg; Schlichten: Lanzengasse, Haselbrunnenweg, Baierecker Straße; Oberberken: Helfensteinstraße, Berkener Straße; Unterberken: Schneeheidenweg.

Weitere Fragen beantwortet das Kundencenter unter 07181 / 964 50-444.