Schorndorf

Rohstoff- und Energiepreise steigen: Bäcker in Schorndorf vor Herausforderung

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Steigende Rohstoffpreise lassen Backwaren teurer werden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Energie, Rohstoffe und damit auch für unsere alltäglichen Produkte gestiegen. Der bewaffnete Konflikt im Osten Europas und der daraus resultierende Exportstopp Russlands haben die Preise aber noch einmal deutlich nach oben getrieben. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts wird sich der Preisanstieg sogar noch weiter fortsetzen und sich selbst auf sonst relativ preisstabile Supermärkte und Discounter auswirken. Grund dafür ist der rasante Anstieg der Erzeugerpreise aus der Landwirtschaft. Damit haben auch weiterhin die Bäckereien zu kämpfen.

Sorge um die Preise für die Molkereiprodukte

Manfred Hetzinger, der seine Handwerksbäckerei in der Moserstraße und eine Filiale in Winterbach betreibt, bekommt das hauptsächlich beim Mehlpreis zu spüren. Noch vor genau einem Jahr zahlte er bei seinem Lieferanten 35 Cent für ein Kilo Mehl. Mittlerweile muss er dafür 46 Cent hinlegen. Aber, so Manfred Hetzinger weiter, mache ihm ein höherer Mehlpreis nichts aus, solange die Qualität stimmt. Was dem Bäcker viel mehr Kopfzerbrechen bereitet: die Preise für die Molkereiprodukte. Denn er verwende beispielsweise Milch für seine Brezeln und für seine Feinbackwaren seien Butter, Sahne und frischer Quark notwendig. Sicher könne er auch mit „Wasser und Backpulver“ backen, das möchte Manfred Hetzinger seinen Kunden aber nicht zumuten. Steigende Strompreise – ein weiterer Punkt, mit dem sich der Bäcker auseinandersetzen muss. „Die Reaktionen der Kunden, wenn sie auf die Preise schauen, sind verständnisvoll“, hat Hetzinger beobachtet.

Auch bei der Bäckerei Maurer, die in der Schorndorfer Innenstadt mehrmals vertreten ist und nun zusätzlich in der Arnold-Galerie ein größeres Café eröffnet hat, sind keine negativen Erfahrungen mit Kunden bekannt. „Es ist ja allgemein bekannt, dass die Preise für Rohstoffe sehr stark gestiegen sind. Zudem haben wir Anfang des Jahres eine Lohnerhöhung für unsere Mitarbeiter durchgeführt. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere guten Mitarbeiter das Wertvollste sind, was wir in unseren Unternehmen haben“, lobt Bäckermeister und Brotsommelier Tobias Maurer. „Egal wie hoch der Mehl- oder der Butterpreis auch steigen mögen – wichtig ist aus meiner Sicht auch, dass von den teuren Rohstoffen auch angemessen etwas bei den Erzeugern, meist den Bauern ankommt. Ob dem so ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Wäre aber wichtig, da wir eine starke regionale Landwirtschaft brauchen.“

Macht sich in der Kalkulation bemerkbar

Die Getreide- und somit die Mehlpreise würden im Moment völlig verrückt spielen. Der Preis für Rohweizen an der Börse habe sich seit Juli 2021 verdoppelt, so Maurer. Und seit 2017 fast verdreifacht. Das mache sich in der Kalkulation natürlich schon bemerkbar.

Zumal das Mehl beziehungsweise die Getreideprodukte an sich mit Abstand die größten Rohstoffmengen darstellen. Tobias Maurer: „Ich gehe davon aus, dass wir nicht in die Situation kommen werden, dass kein Weizenmehl mehr zu bekommen ist. Wenn jeder sein Einkaufsverhalten vernünftig ausrichtet und es nicht zu unnötigen Hamsterkäufen kommt, sollten wir genügend Rohstoffe haben, damit die Betriebe vernünftig produzieren und alle Haushalte gut versorgt werden können.“

Auch der Brotsommelier verweist auf Molkereiprodukte wie Butter. „Bei der Butter hat sich der Preis verdreifacht, innerhalb des vergangenen halben Jahres. Das macht sich bei uns bei allen Plunderartikeln und natürlich bei den Buttercroissants dramatisch bemerkbar. Gerade bei den süßen Stückchen haben wir ziemlich genau vor einem Jahr von Margarine auf reine frische Markenbutter umgestellt, weil es einfach ein besseres Gebäck gibt: aromatischer, knuspriger, länger frisch. Das trifft uns jetzt besonders heftig.“ Man könne noch viel mehr aufzählen, wenn man an die Preise für Eier oder auch Tiefkühlhimbeeren denkt.

Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Backstube

Energiekosten, Spritpreise – auch diese Themen treiben Maurer um. Die Backöfen in der Backstube laufen alle mit Gas. Man schaue, dass man die Ofenbelegung optimiere. „Wir haben eine Steuerung, die die Gasmenge regelt, das heißt begrenzt. Wir bauen noch in den kommenden Monaten eine Fotovoltaikanlage auf das Dach unserer Backstube. Das hilft uns auch beim Energiepreis und zudem ist das eine sinnvolle Investitionen für die wichtige Klimaneutralität.“

Was den Sprit angehe, sei das so wie bei allen anderen Preis-Eskalationen auch. „Hier haben wir jedoch einen kleinen Vorteil, da unser Vertriebsgebiet maximal 20 Kilometer um den Backofen herum liegt. Wir fahren keine weiten Strecken. Aber natürlich – der Dieselpreis schlägt zu Buche.“ Tobias Maurer hat Sparpotenziale im Blick: „Wir versuchen, unser Bestellsystem zu optimieren und die übrige Ware zu reduzieren. Auch wenn wir weniger übrig haben werden, bleiben noch genügend gute Backwaren für die Kunden der Tafelläden – im Rems-Murr Kreis und in Stuttgart beziehen rund 10 bis 15 Tafelläden regelmäßig von uns Ware, die wir kostenlos zur Verfügung stellen.“ Was auch noch helfen würde: wenn sich die Verbrauchererwartungen und das Verhalten der aktuellen Situation etwas anpassen würde. „Zum Beispiel, dass nicht immer die volle Verfügbarkeit erwartet wird“, wünscht sich Tobias Maurer.

Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Energie, Rohstoffe und damit auch für unsere alltäglichen Produkte gestiegen. Der bewaffnete Konflikt im Osten Europas und der daraus resultierende Exportstopp Russlands haben die Preise aber noch einmal deutlich nach oben getrieben. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts wird sich der Preisanstieg sogar noch weiter fortsetzen und sich selbst auf sonst relativ preisstabile Supermärkte und Discounter auswirken. Grund dafür ist der

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