Schorndorf

Rundgang mit Schorndorfer Förster Julian Schmitt: Weniger Geld für Wald-Pflege

Stadtwald Schorndorf
Förster Julian Schmitt im Distrikt Sünchen. © Gabriel Habermann

Ein grauer Morgen im Januar im Wald oberhalb von Haubersbronn. Kalt ist es, nur gut ein Grad zeigt das Thermometer an. Leichter Regen tropft von den Bäumen, der Boden ist matschig und aufgeweicht. Die Nässe steigt an den Beinen ungemütlich nach oben. Kaum zu glauben, dass gerade die Trockenheit übers Jahr den Bäumen im Wald immer mehr zusetzt. Der Klimawandel ist längst da - und im Wald macht er sich bemerkbar. Die Fichten, lange Zeit beliebt, weil sie schnell wachsen und gutes Bauholz liefern, leiden besonders unter dem zunehmend trockenen Klima. Sie brauchen Regen, um gesund zu bleiben. Aufgrund der Trockenheit knicken sie unter den Stürmen ein und setzten dem Borkenkäfer, der sich bestens vermehrt, kaum Widerstand entgegen.

An diesem Morgen stehen wir mit dem Schorndorfer Förster Julian Schmitt im Distrikt „Sünchen“ vor einem trostlosen Waldstück. Vor Jahren war es von einem Sturm verwüstet worden, nun ist es von Brombeeren überwuchert. Hier kann kein Baum mehr wachsen, bevor das Gestrüpp entfernt ist. Doch die Pflege des Waldes kostet Geld. Fürs Auslichten, Fällen und Runterschneiden des Gestrüpps muss der Förster die Manpower aus seinem 50 000 Euro-Jahresbudget genauso stemmen wie die Kosten für neue Bäume. Die SPD-Fraktion hätte das Budget für den Wald 2022 gern aufgestockt, konnte sich damit indes nicht durchsetzen. 50.000 Euro, das ist aber auch nach Ansicht der Verwaltung für die geplanten Pflege- und Pflanzkosten nur das „Mindestmaß“, um die Pflanzungen zu schützen. Neue Pflanzungen sind nicht drin, und nur kleinflächig können junge Baumbestände damit gepflegt werden. Zum Beispiel im „Sünchen“ die rund 7500 Eichen und Hainbuchen, die vor wenigen Jahren auf einem 1,3 Hektar großen Hang gesetzt worden sind und sich nun sozusagen in der Kinderstube ihres Baumlebens befinden. Damit sie wachsen und sich gut entwickeln können, müssen die unliebsamen Gewächse drum rum entfernt und die zarten Stämme vor den Rehen geschützt werden. „Wir hoffen, dass diese Bäume besser passen als die Fichten“, erklärt der Förster.

Statt Fichten wachsen jetzt Douglasien

Freilich: Ein Menschenleben dauert es, bis ein Eichenwald in die Höhe gewachsen ist. Schneller geht es bei den Douglasien, aber auch bei ihnen braucht es rund 70 Jahre, bis sie gefällt werden und zu Geld gemacht werden können. Ein Stück weit tiefer im Wald stehen wir vor einem Hang, der vor Jahren von Borkenkäfern verwüstet worden war und inzwischen wieder aufgeforstet wird. 500 Douglasien wurden hier vor drei Jahren statt der zerstörten Fichten gepflanzt. „In einem Jahr sind sie 60 Zentimeter gewachsen“, erklärt Julian Schmitt stolz. Noch brauchen die jungen Bäume alle seine Pflege, im kommenden Jahr wird das schon anders sein. Auf 80 Prozent der Fläche sind die Bäume dann groß genug, um ohne Pflege weiterwachsen zu können.

Das Ideal: Hohe und niedrige Bäume in einem Waldstück

An vielen Stellen im Wald haben sich unliebsame Gewächse ausgebreitet, die den Bäumen das Leben schwermachen. Zwischen Fichten und Douglasien finden sich immer wieder Holunder, Brombeeren und Haselnussbüsche, die rausmüssen. „Wenn die Bäume wegen eines Sturms oder wegen des Borkenkäfers umfallen würden, muss die verwilderte Fläche geräumt werden, um neue Bäume pflanzen zu können“, erklärt Julian Schmitt. Das Ideal des Försters ist an anderer Stelle zu sehen: Zwischen hohen Eichen und Fichten wachsen dort ganz natürlich dunkelgrüne Tannen nach. Das bedeutet: „Wenn die großen Bäume irgendwann rausgenommen werden, können die kleinen Bäume hochwachsen.“

Hilfe brauchen auch die jungen Buchen, die sich ein Stück weit tiefer im Wald von selbst ausgesät haben und nun wild in die Höhe treiben. „Die jungen Buchen sind natürlich verwurzelt, nur die Stärksten kommen durch“, erklärt Schmitt. Das Problem: Nicht immer wachsen die Bäume wie gewünscht. Damit am Ende kräftige Stämme ohne viele Äste im unteren Bereich rauskommen, die gut vermarktbar sind, muss nachgeholfen werden: Schiefe Bäume und solche mit tief wachsenden Ästen werden entfernt. Auf einen Baum, der stehen bleiben darf, werden laut Schmitt im Schnitt zwei rausgemacht, um dem kräftigen Baum einen Wuchsvorteil zu verschaffen.

Dass die Pflege des Jungbestands aus Kostengründen in diesem Jahr zum Teil verschoben wurde, war der SPD ein Dorn im Auge. Noch ist der Aufschub allerdings kein Problem. „Wir können die Kulturen sichern“, versichert Schmitt. „Aber nächstes Jahr müssten wir eigentlich das Doppelte investieren.“ Denn ohne die notwendige Pflege des Jungbestands würden die Bäume irgendwann zu groß für die Pflege und könnten dann nur noch als Brennholz verwendet werden. Aus wirtschaftlicher, aber auch aus ökologischer Sicht, ist das nicht gerade sinnvoll für den Wald, mit dessen Holz eigentlich langfristige Produkte wie Möbel und Küchen erzeugt werden sollten, sagt Julian Schmitt. Seit sechs Jahren ist er Förster im Schorndorfer Wald. Nach dem Studium des Forstingenieurwesens in Weihenstephan arbeitete er zunächst in einem ausgedehnten Privatwald. Als Förster hat er seinen Traumberuf gefunden, erzählt der 34-Jährige. Der Schorndorfer Wald habe ihm gefallen, weil man einen kleinen Wald intensiver betreuen könne.

Fünf Hektar Wald, durch Stürme und Borkenkäferbefall verödet, warten darauf, in den kommenden Jahren bepflanzt zu werden. An anderer Stelle sterben die Eschen, ein Pilz macht ihnen den Garaus. „Wir haben Baustellen im Wald, da muss man dranbleiben“, sagt Julian Schmitt – wohl wissend, dass aber angesichts der klammen Haushaltslage dieses Jahr in allen Bereichen der Stadt und eben auch im Wald Abstriche gemacht werden müssen. „Aber wenn wieder Geld da ist, müssen wir rangehen.“

Ausgleichsmaßnahme für die Rekultivierung der Deponie

Wer einen Wald bewirtschaftet, braucht eben nicht nur Geduld und Weitsicht, sondern auch die Mittel. Im Distrikt Espach bei Mannshaupten kommen diese glücklicherweise von der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr. Rund 89.000 Euro zahlt die AWRM als ökologische Ausgleichsmaßnahme im Zuge der Rekultivierung der Deponie an der Göppinger Straße.

Nach Angaben des Försters wird auf der alten Deponie zwar erneut ein Wald angelegt, der aber ökologisch weniger wertvoll sein wird als sein Vorgänger. Der Grund: Die Bäume können wegen des Untergrunds nicht mehr so tief wurzeln. Mit der Ausgleichszahlung werden für das 2,1 Hektar große Areal bei Mannshaupten neue Bäume gekauft und die Pflegemaßnahmen für die nächsten Jahre finanziert.

Ein grauer Morgen im Januar im Wald oberhalb von Haubersbronn. Kalt ist es, nur gut ein Grad zeigt das Thermometer an. Leichter Regen tropft von den Bäumen, der Boden ist matschig und aufgeweicht. Die Nässe steigt an den Beinen ungemütlich nach oben. Kaum zu glauben, dass gerade die Trockenheit übers Jahr den Bäumen im Wald immer mehr zusetzt. Der Klimawandel ist längst da - und im Wald macht er sich bemerkbar. Die Fichten, lange Zeit beliebt, weil sie schnell wachsen und gutes Bauholz

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