Schorndorf

Süßes oder Saures: Maskengegner verteilen Lollis in Weiler

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Halloween-Botschaft von Maskengegnern: Für Kinder ohne Maske gibt’s einen Lolli, Maskenträger kriegen Saures. © privat

Dass Maskengegner ihre Kinder auf die Redner-Bühne schicken, war bei den Querdenker-Demonstrationen auf dem Oberen Marktplatz bereits zu erleben. Jetzt sind in Weiler – offenbar schon zu Halloween – Lollis mit Anti-Corona-Botschaften aufgetaucht, die im Ort nicht nur für Verwunderung sorgen, sondern auch schon zu wütenden Facebook-Kommentaren geführt haben. „Was sind das bitte für asoziale Methoden?“, fragt eine Mutter und klagt: „Ich bringe meinen Kindern bei, nichts von Fremden zu nehmen oder Gefundenes zu essen. Und die Anti-Masken-Fraktion wählt solche Mittel? Ernsthaft? Das macht mich sauer.“

Ob es sich tatsächlich um eine Aktion von Maskengegnern handelt, darüber lässt sich nur mutmaßen. Nachdem die anonymen Lolli-Botschaften am Montag aber auch bei den Grundschülern der Reinhold-Maier-Schule ein Aufreger-Thema waren, hat sich Schulleiterin Petra Schiek entschlossen, die teils ahnungslosen Eltern per E-Mail zu informieren, dass die Klassenlehrerinnen mit den Kindern darüber sprechen werden, „dass man nichts von Fremden annimmt und auch keine Süßigkeiten essen darf, welche man auf der Straße findet“. Und sie hat auch die Eltern aufgefordert, mit den Kindern über das Thema zu sprechen. Am Dienstag, erzählt Schiek, haben ihr dann Kinder berichtet, dass sie am Montagnachmittag auf Spielplätzen auf die Suche gegangen sind, tatsächlich fündig geworden sind – und die Lolli-Botschaften in den Müll geworfen haben.

Grundschul-Rektorin findet's problematisch, Kinder  zu instrumentalisieren

Grundsätzlich hält es die Grundschul-Rektorin für sehr problematisch, Kinder beim Thema Maskentragen zu instrumentalisieren. Dazu kommt: „Hier wird die Gutgläubigkeit von Kindern und ihr Verlangen nach Süßem ausgenutzt“, sagt Schiek, die bisher noch nicht den Eindruck gewonnen hat, dass das Thema Kinder besonders belastet. Das mag auch daran liegen, weil Grundschüler keinen Mund-Nasen-Schutz im Unterricht tragen müssen. Aber auch unter den Eltern sind die Kritiker nach Einschätzung der Schulleiterin wohl eher eine kleine Minderheit.

Schiek selbst nimmt das neuartige Virus ernst, nicht zuletzt auch darum, weil es erst zu Beginn der Herbstferien einen Corona-Fall an der Reinhold-Maier-Schule gab, weswegen eine vierte Klasse, zwei Lehrkräfte und eine Betreuungsperson bis Donnerstag vergangener Woche in Quarantäne waren. Eines der Kinder, weiß Schiek, musste sogar im Krankenhaus behandelt werden. Ihr Fazit: „Man kann das nicht verharmlosen.“

Und mag es sich bei den Lolli-Botschaften um einen Einzelfall in Schorndorf und den Teilorten handeln, auch Isabelle Kübler, kommissarische Fachbereichsleiterin Schulen und Vereine, findet es falsch, Kinder derart zu instrumentalisieren. Die Querdenker jedenfalls, die schon einige Male auf dem Schorndorfer Marktplatz demonstrierten, haben bereits drei weitere Veranstaltungen bei der Stadt angemeldet: am 20. November, am 4. und 22. Dezember. Allerdings wurde ein Versammlungsort, wie Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich auf Anfrage mitteilt, „von uns als Versammlungsbehörde noch nicht zugewiesen“. Coronakritische Spaziergänger in weißen Ganzkörperanzügen, die am vorvergangenen Wochenende in der Innenstadt gesichtet wurden, hatten bei der Stadtverwaltung gar keine Demonstration angemeldet.

Dass Maskengegner ihre Kinder auf die Redner-Bühne schicken, war bei den Querdenker-Demonstrationen auf dem Oberen Marktplatz bereits zu erleben. Jetzt sind in Weiler – offenbar schon zu Halloween – Lollis mit Anti-Corona-Botschaften aufgetaucht, die im Ort nicht nur für Verwunderung sorgen, sondern auch schon zu wütenden Facebook-Kommentaren geführt haben. „Was sind das bitte für asoziale Methoden?“, fragt eine Mutter und klagt: „Ich bringe meinen Kindern bei, nichts von Fremden zu nehmen

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