Schorndorf

Saatgutbibliothek in Schorndorfer Bücherei: Für den Erhalt der Artenvielfalt

1/2
Saatgutbibliothek
Die Saatgut-Tütchen aus Papier. © Büttner
2/2
Saatgutbibliothek
Heike Eckert (links) und Marianne Seidel am Tisch der frisch eingerichteten Saatgutbibliothek. © Benjamin Büttner

Für Hobbygärtner und -gärtnerinnen steht eine spannende Zeit bevor: Wenn sich der tiefe Winter langsam dem Ende neigt, ist die Zeit des Aussäens und Vorziehens nicht weit. In der Stadtbibliothek kann man sich schon immer mit Ratgebern rund um den eigenen Garten oder das eigene Beet ausstatten. Doch in Zukunft können Gartenfans noch mehr ausleihen als nur Literatur. Denn die Bücherei hat eine sogenannte Saatgutbibliothek ins Leben gerufen. Die Bibliothekarinnen Heike Eckert und Marianne Seidel folgen damit einem Trend aus den USA, den bislang vor allem norddeutsche Bibliotheken umgesetzt haben.

Geerntete Samen müssen wieder zurückgebracht werden

Doch was genau ist die sogenannte Saatgutbibliothek? Dort kann man sortenreines, also nicht gentechnisch verändertes und natürlich gezüchtetes Saatgut ausleihen. Besucherinnen und Besuchern der Bibliothek werden Samen von Kräuterpflanzen, Gemüse oder Blumen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Damit können sie dann, ohne extra sortenreines Saatgut einkaufen zu müssen, ihr eigenes Beet auf dem Balkon oder im Garten bepflanzen. „Das Ganze ist aber mit einer Voraussetzung verbunden“, erklärt Heike Eckert. „Es muss ausgesät werden und die Samen aus der Ernte müssen wieder zu uns zurückgebracht werden.“ Diese können dann von vielen anderen Leuten für ihren Garten benutzt werden.

Das Saatgut wird in kleine Papiertütchen abgefüllt und, wie es sich für eine Bibliothek gehört, in einer Kartei angelegt und geordnet. Dafür haben Marianne Seidel und Heike Eckert bereits einen Tisch inmitten der Stadtbibliothek eingerichtet und sogar schon ihre erste Spende erhalten. Wie Marianne Seidel zeigt, hat eine Frau bereits Samen in alten Gewürzgläsern abgegeben. Auch ihre eigenen angebrochenen Saatgut-Tüten haben die Bibliothekarinnen dazugelegt. „Ich glaube, das wird gut anlaufen und gerade im Frühjahr eine Hochkonjunktur erleben“, sagt sie.

Schließlich sei das Ausleihen, Zurückgeben und Teilen die Kernkompetenz der Bibliothek. Trotzdem möchten Marianne Seidel und Heike Eckert nicht zu streng sein. Das Ausleihen soll ganz unkompliziert ohne elektronische Erfassung funktionieren. Und auch wer beim ersten Versuch kein glückliches Händchen hatte und nichts ernten kann, darf sich wieder blicken lassen, sagt Marianne Seidel lachend. „Wir wollen ja Lerneffekte ermöglichen.“

Hybridsorten sind ein großes Problem für die Artenvielfalt

Auf die Idee gebracht wurde Heike Eckert, die sich federführend um die Saatgutbibliothek kümmert, von einer Studentin. Diese hatte bei der Stadtbücherei im Zuge einer Bachelorarbeit nach deren Nachhaltigkeitszielen gefragt und die Bibliothekarin so auf die „Saatgutbank“ gebracht. Erfunden wurden die „Seedlibraries“, wie sie ursprünglich genannt werden, in den USA. Dort gibt es nämlich besonders viele gentechnisch veränderte Samen auf dem Markt. Doch auch in Europa gibt es durch die Kapitalisierung des Saatguts immer mehr hybride Sorten. Diese lassen sich, wie Heike Eckert erzählt, nur sehr schlecht vermehren. Denn in den Samen der sogenannten F1-Hybridsorten bleiben im Gegensatz zu den sortenreinen keine Erbinformationen erhalten. Die Saatgutbibliothek dient also nicht nur dem Austausch verschiedenster Pflanzensamen, sondern soll die ursprüngliche Artenvielfalt erhalten. „Außerdem haben sich Pflanzen über Jahrhunderte an die verschiedensten Regionen angepasst. Kulturgut droht uns verlorenzugehen“, betont Marianne Seidel. In vielen anderen Ländern sei das Problem sogar existenziell.

In Deutschland ist die Idee vor allem im Norden verbreitet. In der näheren Umgebung ist Schorndorf mit dieser Idee nach dem Kenntnisstand von Marianne Seidel ein Vorreiter. Für den Aufbau eines Grundstocks ist die Stadtbibliothek nun vor allem auf die Unterstützung der Schorndorferinnen und Schorndorfer angewiesen. Sortenreines, beschriftetes und keimfähiges Saatgut kann direkt am Empfang abgegeben oder per Post geschickt werden.

Für Hobbygärtner und -gärtnerinnen steht eine spannende Zeit bevor: Wenn sich der tiefe Winter langsam dem Ende neigt, ist die Zeit des Aussäens und Vorziehens nicht weit. In der Stadtbibliothek kann man sich schon immer mit Ratgebern rund um den eigenen Garten oder das eigene Beet ausstatten. Doch in Zukunft können Gartenfans noch mehr ausleihen als nur Literatur. Denn die Bücherei hat eine sogenannte Saatgutbibliothek ins Leben gerufen. Die Bibliothekarinnen Heike Eckert und Marianne

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper