Schorndorf

Saftige Ernte unter goldener Sonne

1/5
3f8288d6-96b2-496d-a6ea-8aa03f6907d5.jpg_0
Arbeiten mit Aussicht. © Habermann / ZVW
2/5
ba80d66a-a9d0-48a1-8cdf-32e8f31cf4b7.jpg_1
Ernst Haller (l.) und Schwiegersohn Alexander Demandt (r.) freuen sich über die rotbackigen Äpfel. © Habermann / ZVW
3/5
e83990e7-c515-4df9-b620-dcc39cf60550.jpg_2
Nathanael (2.v.r.) und Alexandra (r.) helfen beim Pflücken. Ernst Haller (l.) transportiert die geernteten Äpfel mit dem Schlepper zum Lager. © Habermann / ZVW
4/5
85bcd927-c187-497a-839e-995f5a4b1bc1.jpg_3
Ernst Haller in seinem Apfellager. © Habermann / ZVW
5/5
327a21ac-e674-4fcf-a908-6ce248f53a85.jpg_4
Erst wenige Monate ist der neue Hofladen alt, neue Besucher kommen beinahe täglich. © Habermann / ZVW

Schorndorf/Remshalden. Die Nächte werden kälter, die Morgen sind von Nebelschleiern überzogen, die Äpfel bekommen rote Backen. Der Herbst ist da. Und mit der neuen Jahreszeit sind auf dem Sonnenberghof auch die Erntehelfer eingezogen. Gemeinsam mit ihnen ernten Alexander Demandt und Ernst Friedrich Haller nun die knackig saftigen Früchte.

Video: Die Apfelernte ist voll im Gange, Alexander Demandt vom Sonnernberghof Rohrbronn erzählt wie geerntet wird
 

Die Sonne scheint, Bienen summen, ein leichter Wind streicht über den Hang. Idylle? Ja, aber eine Idylle mit Arbeit, viel Arbeit. Handarbeit. Endlich können Hallers und Demandts ernten, was sie das ganze Jahr über pflegen. Heuer sind sie rund zehn Tage später dran. Schließlich hatten sowohl Frühling als auch Sommer einen wirklich späten Start. Egal, was zählt, ist das Ergebnis, die Ernte. Und die sieht bisher ganz gut aus. Von Hand wird hier gepflückt, die ganzen acht Hektar Tafelobst und zwei Hektar Streuobst. Jeder Baum wird dreimal beerntet – schließlich kommen nur die Äpfel in die Erntekiste, die den richtigen Reifegrad haben. Nur beim letzten Durchgang, bei dem Haller und Demandt inzwischen angekommen sind, wird komplett abgeräumt.

Erntehelfer sind rund zwei Monate im Einsatz

Die Erntehelfer Alexandra und Nathanael sind tief in den Plantagen am Rohrbronner Hang verschwunden. Greifen mit der Hand zwischen die Blätter, drehen die Äpfel mit einer eleganten Bewegung vom Ast, lassen sie vorsichtig in die grüne Schürze kullern. Druckstellen kann schließlich keiner brauchen. Äpfel mit kleinen Macken kommen in eine Extrakiste für die Mosterei. Ist die Schürze voll, schleppt Nathanael sie zu einer großen Kiste, lässt die Äpfel hineinrollen. Der 24-Jährige ist schon zum vierten Mal auf dem Hof von Hallers und Demandts. Zu Hause in Rumänien hat der studierte Landwirt eine eigene Bienenzucht. Ist er mit der Arbeit rund um seine summenden Honigproduzentinnen fertig, reist er nach Rohrbronn. Er wird sogar noch länger bleiben als die anderen Erntehelfer und später im Jahr beim Baumschnitt mithelfen.

Aber zunächst sind die Tafeläpfel dran. 13 verschiedene Sorten bauen Hallers und Demandts an. Auch neue Varianten probieren sie immer wieder aus. Allerdings: Der Renner sind nach wie vor Elstar, Gala und Jonagold. „Die Leute greifen einfach meistens zu roten Äpfeln.“ Aber auch seltenere Sorten sind auf dem Hof zu finden: Opal, Florina oder Santana heißen die zum Beispiel. Letzterer ist dafür bekannt, besonders wenige Allergene zu besitzen – ein Glücksfall für Allergiker mit Apfelhunger. „Ja und der Natyra – das ist ein Traumapfel“, schwärmt Ernst Haller. Die noch recht neue Sorte findet reißenden Absatz, berichtet der Seniorchef. Einer der Sonnenberghof-Kunden, ein Ökosupermarkt, bringt den aber nur alle vier Wochen in seine Regale. „Sonst wollen die Leute nichts anderes essen“, weiß Haller.

Die Bäume für den Saft werden am Ende der Saison geerntet. „Da sind die besten Äpfel mit einem Haufen Süße drin“, erklärt Ernst Haller. Jonagold und Bretzacker sind mit drin, aber eben auch etliche der anderen rund zwölf Sorten. Die Beutelsbacher Mosterei lagert die Äpfel des Sonnenberghofs extra ein und verarbeitet sie an einem speziellen Tag zu Saft. „Da sind dann nur unsere eigenen Äpfel drin“, erklärt Haller und beißt werbefernsehtauglich in einen Apfel. „Drum hat der auch jedes Jahr eine andere Nuance.“ Den Saft gibt’s dann ausschließlich im neuen Laden des Sonnenberghofs zu kaufen.

Im Hofladen gibt es Brot, Nudeln, Äpfel, Fleisch, Käse und vieles mehr

Der hat im Frühling dieses Jahres eröffnet. „Seither vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Kunde vorbeischaut“, berichtet Alexander Demandt, Hallers Schwiegersohn und neuer Geschäftsführer des Sonnenberghofs. Und im Laden gibt’s nicht nur allerhand Apfelsorten zu kaufen, auch frisch gebackenes Brot lockt in den Auslagen. Das stellen Christa Haller sowie Bettina Demandt selbst her. In einem riesigen Holzofen werden an den Backtagen zweimal 60 Kilo Brot gebacken. Außerdem gibt‘s Kartoffeln, Fleisch, Wurst sowie Milch, Käse und Gemüse und Mehle zu kaufen. Dazu locken Weine vom Weingut Doreas.

Wer meint, mit der Ernte, die noch bis Mitte Oktober geht, sei das Wesentliche auf dem Obsthof getan, der irrt: Im November und Dezember werden neue Bäume gepflanzt. „Wir wollen schließlich die Winternässe mitnehmen“, erklärt Alexander Demandt. Inzwischen ist das Baummaterial, das es im Biobereich zu kaufen gibt, wirklich gut, weiß Ernst Haller. Als er allerdings 1979 ins Bio-Obst eingestiegen ist, sah das noch ganz anders aus, erinnert er sich.

Maximal 20 Jahre alt sollten Apfelbäume werden. Dann ist ihr Ertrag nicht mehr ausreichend. Drum müssen kontinuierlich alte Bäume gerodet und neue gepflanzt werden, so dass die Plantagen immer frisch und leistungsfähig dastehen. Bis April sind die Obstbauern mit dem Schneiden und dem Verkauf beschäftigt. Im vergangenen Jahr haben sie eine komplette neue Plantage inklusive Tröpfchenbewässerung angelegt. Übers Jahr hinweg müssen sich die Obstbauern auch um den Pflanzenschutz kümmern. Natürlich ist hier alles konform der Biorichtlinien. Aber Äpfel anzubauen, ohne sie vor Schorf und Co zu schützen, ist einfach nicht möglich.

Kraft für das nächste Jahr

Fangen die Bäume an zu blühen, dünnen die Obstbauern die Blütenstände etwas aus, so dass die Bäume für die Fruchtbildung im kommenden Jahr auch noch Kraft haben. Zudem müssen die Bäume befestigt werden. Schließlich wird schon bei der Züchtung der ganze Fokus auf den Ertrag der Bäume gerichtet, der Wurzelbildung wird weniger Platz eingeräumt. Ja, und neben der ganzen Apfelgeschichte baut man rund um den Sonnenberghof auch noch Getreide an. Das muss gestriegelt und geerntet werden. 22 Hektar sind’s. Der Ertrag geht an Pferdebesitzer und -pensionen.

Gelagert werden die Äpfel unter sogenannter kontrollierter Atmosphäre. In dem Lagerhaus werden sie nicht nur heruntergekühlt. Der Luft wird außerdem der Sauerstoff entzogen. Statt der natürlichen 22 Prozent Sauerstoffanteil in der Luft gibt’s hier nur 1,5 Prozent. Die so veränderte Atmosphäre sorgt dafür, dass die Äpfel quasi schlafen, erklärt Ernst Haller. Dank dieser Lagertechnik und der gesteigerten Produktion in den vergangenen Jahren waren Hallers und Demandts heuer zum ersten Mal in der Lage, Äpfel bis zur neuen Ernte für den Verkauf vorhalten zu können.

Der Hofladen ist donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung. Zusätzlich sind die Demandts und Hallers mit ihrem Sortiment auf dem Bauernmarkt in Geradstetten vertreten: jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr in der Alten Kelter.

 

Apfelbörse

Wer gerne Äpfel pflücken oder auflesen will und wer Äpfel übrig hat, findet im Internet unter www.zvw.de/apfelboerse die passende Plattform.

Hier können Privatleute ganz unkompliziert ihr Angebot oder /Gesuche einstellen.

Wer wieder aus der Börse aussteigen will, weil alle Äpfel aufgesammelt sind, kann den Eintrag innerhalb eines Werktags löschen lassen.