Schorndorf

Sauberes Wasser nach einem Erdbeben

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Symbolbild Erdbeben Symbol
Symbolbild. © Pixabay/CC0 Public Domain
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Jahresübung des THW auf der Schorndorfer Zirkuswiese.

Schorndorf. Nach einem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richter-Skala gibt es viele Tote, Vermisste und Obdachlose. Es fehlt sauberes Trinkwasser und Infrastruktur. Die Verkehrs- und Kommunikationsstruktur ist zusammengebrochen. Dieses Horrorszenario war Ausgangspunkt für die Jahreshauptübung der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland des Technischen Hilfswerks, die in Schorndorf auf der Zirkuswiese stattfand.

Die Region „Uff dem Sand“ im fiktiven Einsatzland Smer Rrum (andersrum gelesen: Rems-Murr) ist stark in Mitleidenschaft gezogen: Eine unbestimmte Anzahl von Toten ist unter den Trümmern zu vermuten. Viele werden vermisst. Zigtausende Bewohner des Staates sind obdachlos. Aktuell fehlt es an Allem, insbesondere an sauberem Trinkwasser und Infrastruktur. Die Verkehrs- und Kommunikationsstruktur ist zusammengebrochen. Es entstehen Engpässe in der Lebensmittelversorgung. Im weiteren Verlauf ist mit dem Ausbruch von Seuchen in einem bisher nie da gewesenen Ausmaß zu rechnen.

Dieses Szenario bot sich den Einsatzkräften der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) bei der Jahreshauptübung der SEEWA-Süd in der Daimlerstadt Schorndorf. 50 Einsatzkräfte aus den Landesverbänden Baden-Württemberg, Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland und Bayern haben dafür ihre Zelte auf der Zirkuswiese aufgeschlagen. In vier Tagen galt es, verschiedene Einsatzszenarien und Einsatzstellen abzuarbeiten. Die Kommunikation der Kräfte im fiktiven Einsatzland erfolgte, wie im Ausland üblich, komplett auf Englisch.

Das Wichtigste zuerst: Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser musste sichergestellt werden. Zu diesem Zweck wurde das Camp bezogen und mit dem Aufbau der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWAA) begonnen. Drei Rohwasserbehälter mit jeweils einem Fassungsvermögen von 8000 Liter, ein Pufferbecken zur Zwischenspeicherung des Wassers sowie zwei Reinwasserblasen mit jeweils 10 000 Liter Fassungsvermögen, sowie das Herzstück der TWAA wurden am Rande des Camps betriebsbereit aufgebaut. Zudem wurde ein E-Chlorinator zur Herstellung von Chlor aus Speisesalz und destilliertem Wasser getestet. Im Verlauf der Übung nahmen die Laboranten zahlreichen Wasserproben und bestimmten im mitgeführten Trinkwasserlabor chemische, physikalische und mikrobiologische Parameter.

In „Uff dem Sand“ waren weitere Einsatzstellen abzuarbeiten. In Schornbach wurde ein Brunnen rehabilitiert. Hierfür musste ein Brunnenschacht ausgepumpt und gereinigt werden. Diese Arbeit konnte aufgrund der beengten Arbeitsbedingungen nur von der Schlanksten im Team bewältigt werden. Der Ausbau und Austausch der alten Brunnenpumpe gegen eine neue waren ebenso Bestandteil der Rehabilitation sowie die Säuberung und die finale Wiederinbetriebnahme des Dorfbrunnens. Die Übergabe des funktionsfähigen Brunnens wurde durch die Bevölkerung, die dadurch wieder Trinkwasser in ihrer Gemeinde hatte, dankend angenommen.

Physische Herausforderung: Einsatzstelle Aichenbachhütte

Ein weiteres Problem der Wasserversorgung bot sich an der Einsatzstelle in der Nähe der Aichenbachhütte mitten im Wald. An einem steilen Hang gelegen, musste eine Quellfassung gereinigt, die Leitungen zum 20 Meter bergabwärts befindlichen Brunnentrog erneuert sowie der Bau eines neuen Brunnentrogs erfolgreich gemeistert werden. Die dort herrschenden fast tropischen Bedingungen sowie die Arbeit am steilen unwegsamen Hang stellten die Einsatzkräfte der SEEWA physisch vor große Herausforderungen.

Psychisch gefordert wurden die Einsatzkräfte bei der Evakuierungsübung. Durch einen fingierten Bombenanschlag der Fachgruppe Sprengen des Ortsverbandes Schorndorf wurden die Helfer aus ihrem wohlverdienten Feierabend gerissen. Nun hieß es zu beweisen, was bei zahlreichen Lehrgängen und Übungen gelernt wurde. Helfer rannten aus der Dusche mit nur einem Handtuch bekleidet zum Sammelplatz, das Essen wurde stehengelassen, die Schlafenden schreckten aus den Betten hoch. Am Sammelplatz angekommen, wurde festgestellt, dass zwei Helfer fehlen. Sofort eingeleitete Such- und Rettungsmaßnahmen führten letzten Endes dazu, die Evakuierungsübung hervorragend gemeistert zu haben.

Alle Einsatzstellen vorbildlich gemeistert

Die Helfer bewiesen auch bei der letzten Aufgabe der Jahreshauptübung handwerkliches Geschick. Mit nur etwas Beton, einigen Vierkanthölzern, einem Fass sowie Planen und Rohren musste mit Hilfe einfachster Werkzeuge eine funktionsfähige und den ländervorherrschenden Bedingungen, eine Feldlatrine und ein Waschbecken für die Bevölkerung zur Nutzung gezimmert werden.

Die fast einjährige Vorbereitungszeit der Übung unter der Federführung der zuständigen SEEWA Regionalstelle Biberach und den Übungsleitern Tom Schröter und Tim Landau (OV Schorndorf), sowie dem Ortsbeauftragten von Schorndorf Daniel Kuhn hat sich für das THW gelohnt. Alle Einsatzstellen, sei es die mobile Trinkwasseraufbereitung und -abgabe, die Wasseranalyse, die Instandsetzung von Wasserversorgungssystemen, die Sanitätsversorgung oder die technische Beratung für lokale Behörden und Organisationen, wurden von den Einsatzkräften vorbildlich abgearbeitet und gemeistert.

Technisches Hilfswerk

Die Struktur des Technischen Hilfswerks (THW) ist weltweit einmalig: Organisatorisch gehört das THW als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern. Jedoch sind nur ein Prozent der Mitarbeiter hauptamtlich für die Behörde tätig. 99 Prozent der THW-Angehörigen arbeiten ehrenamtlich. In 668 Ortsverbänden engagieren sich bundesweit mehr als 80 000 Helferinnen und Helfer in ihrer Freizeit, um Menschen in Not kompetent und engagiert Hilfe zu leisten.

Das Technische Hilfswerk passt bereits seit sechs Jahrzehnten seine Strukturen flexibel den sich ändernden Gefahrenlagen an. Modernes Einsatzgerät und gut ausgebildete Spezialisten sind Grundlage der hohen Effizienz – in Deutschland und in der ganzen Welt.