Schorndorf

Say Sue Me: Band aus Südkorea in der Manufaktur

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Say Sue Me begeisterten mit einer Mischung verschiedener Pop-Stilrichtungen und Surfmusik. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Es ist ja mittlerweile bekannt, dass die Manufaktur regelmäßig Bands an Land zieht, die niemand so richtig auf dem Schirm hat, die aber jegliches Rampenlicht mehr als verdienen. So auch geschehen mit Say Sue Me, der ersten Band aus Südkorea, die sich im Hammerschlag die Ehre gibt. Surfgitarren, poppige Melodien, ganz viel sommerlicher Charme – ein fantastisches Konzert.

Der Gründungsmythos, der so manche Band umgibt, kann schon mal als Stoff für Legenden dienen. Nicht selten spielt Väterchen Zufall eine entscheidende Rolle. Mick Jagger und Keith Richards trafen einst auf einem Bahnsteig aufeinander und beschließen, eine Band zu gründen. Siouxie Sioux und Steven Severin laufen sich bei einem Glam-Rock-Konzert über den Weg. Die Entstehungsgeschichte von Say Sue Me ist ebenfalls ein solches anekdotisches Kleinod: Jae Young (Bass), Kim Byungkyu (Gitarre) und Kang Semin (Schlagzeug) spielen als Trio zusammen, bis sie Sumi Chois Stimme in einem Café in Busan hören und beschließen: Die muss bei uns singen! So geschieht es dann auch und die Band mit dem etwas rätselhaften Namen Say Sue Me ist geboren, pünktlich zur neuen, zweiten Welle der Surfmusik, die seit einiger Zeit dabei ist, Amerika und Europa unter sich zu begraben. Im Gegensatz zu den 60ern, in denen Surf wahlweise nach Dick Dale oder den Beach Boys klang, findet heute eine ordentliche Durchmischung verschiedenster Genres statt. Surf plus Indie, Surf plus Shoegazing, Surf plus Goth? Läuft.

Zwischen Leichtigkeit und entrückter Träumerei

Say Sue Me vereinen twangige Gitarren mit flächigen, cleanen Akkorden. Dazu verträumte, eingängige Melodien in Dur und die jugendlich-unbeschwerte Stimme Sumi Chois, und fertig ist der tolle Hybrid aus Dream Pop, Indie Pop und Surfmusik. Dass die vier schon länger miteinander Musik machen, merkt man quasi schon beim ersten Ton, der am Freitagabend durch den ordentlich gefüllten Saal der Schorndorfer Manufaktur schallt. Choi und Kollegen spielen als Einheit auf, pendeln mit ihrer Musik zwischen verspielter Leichtigkeit und sehnsuchtsvoller, entrückter Träumerei und haben sichtlich Spaß an dem, was sie tun. Die gute Laune ist ansteckend, der Beifall wird zunehmend lauter. Am Ende setzt es ob des regen Zuspruchs gar eine zweite, ungeplante Zugabe.

Alles andere als sorgenvoll

Die meist englischsprachigen Texte der Songs sind vollgepackt mit großen Themen populärer Musik: Liebe, Sehnsucht nach persönlicher Veränderung, übermäßiger Alkoholkonsum – ein stetes Wandeln im sorgenbereitenden Grenzbereich zwischen Erwachsenwerden und der Angst vor persönlicher Stagnation.

Doch Say Sue Me sind alles andere als sorgenvoll. Die Musik ist durchzogen von der Es-wird-schon-werden-Mentalität, für die die großen Vorbilder Yo La Tengo bekannt sind. Ton gewordenes Laissez-faire, wenn man so will.


Manu-Termine

Am 17. Mai kommen die Indie-Rock-Matadoren Yo La Tengo zum dritten Mal in die Manufaktur.

Am 25. Mai ist Blumfeld in der Manu zu Gast, und zwar in Originalbesetzung. Distelmeyer, Bohlken und Rattay haben sich zusammengerauft.