Schorndorf

Schönheit kennt keine Kleidergrößen

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Mona Buckenmaier arbeitet als sogenanntes Plus-Size-Model. Sie will zeigen, dass Schönheit auch in großen Größen funktioniert. © Jamuna Siehler

Schorndorf. Was andere Frauen unglücklich macht, ist ihr profitables Markenzeichen. Mona Buckenmaier pfeift auf gängige Schönheitsideale und zeigt als kurviges Model, dass Frauen jenseits der üblichen Modelmaße schön, sinnlich und glücklich sein können. Sie rät: das Leben genießen und die richtigen Klamotten auswählen. Dann sehen Kurven nämlich richtig schick aus.

Video: Plus Size Model Mona Buckenmaier

Hungern? Nein, danke! Fit sein? Aber klar. Modisch sein? Sowieso. Mona Buckenmaier hat gelernt, sich in ihrem Körper wohlzufühlen, wie er ist. Das heißt aber nicht, dass sie sich gehenlässt. Keineswegs. Modisch gekleidet zu sein, ist ihr wichtig. „Aber ich mache eben nicht jeden Trend mit“, erklärt die 26-Jährige. Mit raspelkurzen Minishorts oder bauchfreien Tops würde sie sich nicht wohlfühlen. „Man muss seine Grenzen schon kennen.“ Aber: Enge Hosen liebt sie genauso wie die Bleistifte unter den Models. Dazu trägt sie dann halt einen flattrigen Figurschmeichler, der nicht jedes Pölsterchen abzeichnet. „Jedes Outfit muss ausgeglichen sein.“

Keiner muss sich verstecken, jeder kann das Beste aus sich rausholen

Mona Buckenmaier ist selbstbewusst. „Ich finde, man kann die Mode mitmachen und muss sich keineswegs verstecken.“ Dafür achtet sie aber auch sonst auf ihr Äußeres. Sie verkneift sich zwar weder Schokolade noch Schnitzel, aber Sport gehört zu ihrem Leben dazu. Der hilft ihr, sich wohlzufühlen. Sie läuft gern, folgt einem Fitnessprogramm. So sitzt alles schön fest. Sich hängenlassen, gilt nicht. Auch gepflegte Haare und ein natürliches Make-up sind für sie Pflicht. Das Ergebnis ist überzeugend. Mona Buckenmaier kommt ansprechend daher, der erste Blick fällt in ihr offenes Gesicht.

Während ihres Studiums des Medien-und Kommunikationsmanagements in München arbeitete die junge Frau als Hostess auf Messen. Währenddessen wurde sie damals von einer ortsansässigen Modelagentur angesprochen. Etliche Jobs hat sie seither vor der Kamera gehabt. Mona Buckenmaier gab’s in Online-Shops zu sehen, aber auch in Magazinen. „Da ging es zum Beispiel um ganze Modestrecken, wie man sich mit ein paar Pfunden mehr auf der Waage vorteilhaft kleiden kann“, berichtet sie. Auch im Fernsehen gab’s schon Auftritte und zuletzt ist die hübsche Blondine auch auf der Fashion Week in Berlin mitgelaufen. Dies für das Label Riani, das ihre Eltern Martina und Jürgen Buckenmaier führen und wo sie nach dem Abschluss ihres Studiums auch einsteigen wird.

Klar ist, wer inmitten der Modewelt aufwächst, läuft Gefahr, sich noch mehr an den Magergrößen so mancher Laufstegsternchen zu orientieren als andere Teenies. Mit ihren 1,75 Metern und ihrem kurvigen Körper unterschied sie sich schon immer stark von den 1,85 großen Damen mit Kleidergröße 34. „Klar, dass man sich gerade als junges Mädchen leicht verunsichert fühlen kann“, weiß sie. Dennoch: „Ich fand meinen Körper nie dramatisch, weil mir auch meine Schulkameraden nie das Gefühl gegeben haben, dass etwas nicht stimmt.“ Und – mal ehrlich, Butter bei die Fische – Mona Buckenmaier ist natürlich weit entfernt davon, als Walross durchzugehen. So viel ist auch klar. Und spätestens seit dem Einstieg ins „Plus-Size-Modeln“ kann sie ihrem Körperbau nur mehr Gutes abgewinnen. „Heute sehe ich alles total positiv.“ Wobei sie, wie viele andere Models auch, den Begriff „Plus-Size“ als wenig gelungen empfindet. Immerhin beinhaltet er dank des „Plus“ doch immer ein „Zuviel“. „Curvy Model“ oder „Real-Size-Model“- die Bezeichnungen träfen die Sache wohl eher. Allerdings – auch in diesem Bereich sind die Models deutlich schlanker als die späteren Kunden der Modemarken. Schließlich werden Models wie Mona Buckenmaier mit Kleidergröße 42 gebucht, um Kleider zu präsentieren, die es ab den Größen 44/46 bis zu den hohen 50er-Größen gibt.

Immerhin: Es gibt einen neuen Zeitgeist, der immer mehr anerkennt, dass Schönheit auch abseits der idealisierten Normen zu finden ist. Es gibt Models mit Tattoos, Transgender-Models, kurvige Models und solche mit scheinbaren kleinen Schönheitsfehlern wie Segelohren oder Zahnlücken.

Eine Besonderheit gibt’s bei der Arbeit der kurvigen Models, berichtet Mona Buckenmaier: „Wir müssen bei den Shootings immer lachen, schließlich soll rüberkommen, dass man zufrieden mit sich ist.“ Demnächst möchte sie auch die Modemetropole Mailand erobern. Wenn sie nämlich dort ihren Master in Management of Fashion Design und Industries an der Universität Bocconi macht, will sie auch dort weiter als Model arbeiten. Schließlich macht es ihr nicht nur enormen Spaß. Mona Buckenmaier geht es um mehr: „Ich will zeigen, dass man sich in seiner Haut wohlfühlen kann, auch wenn man nicht dem Ideal entspricht.“ Im Internet zeigt sie unter www.instagram.com/monaenglaender gelungene Outfits und Einblicke in ihr Leben.

Was ist normal?

Auf den internationalen Laufstegen sind Kleidergrößen um die 34/36 normal.

Laut einer Umfrage von Statista tragen in Deutschland weniger als 15 Prozent der Frauen diese Kleidergrößen. Die Mehrheit der Frauen, nämlich 64 Prozent, trägt Kleidung in den Größen ab 40.

Ab Größe 40 werden Models bei den Agenturen übrigens als Plus-Size, quasi als Übergröße, gelistet. Und so manche Modemarke, die Übergrößen eingeführt hat, lässt diese bei Größe 40 starten. Allerdings: Die Größen 40/42 werden von mehr als 30 Prozent der deutschen Frauen getragen.