Schorndorf

Schilling Temporary: Neue Galerie in der Neuen Straße

GalerieSchilling
Den gelben Schriftzug an der Fassade hat Schillings Sohn Paul gemeinsam mit seiner Freundin, die beide als Werbetechniker arbeiten, entworfen. © Gaby Schneider

„Ich muss das machen, die Kunst ist da.“ Fast ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter, tritt Julia Schilling nicht mehr nur im Gemeinderat, sondern auch beruflich in Agi Schillings Fußstapfen – und geht mit „Schilling Temporary Pop Up Gallery“ doch ihren eigenen Weg: Vier Tage nach ihrem letzten Arbeitstag als Krankenschwester in den Rems-Murr-Kliniken Schorndorf eröffnet sie am kommenden Samstag in der Neuen Straße eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Wo jahrelang die Deutsche Bank eine Filiale unterhielt und zuletzt die Fenster mit Gartenschau-Werbung zugeklebt waren, stellt Julia Schilling – zunächst bis Ende des Jahres – Werke aus der Galerie ihrer Mutter aus. Ermutigt von ihrem Cousin Pit Schmidt und dessen Frau, der Künstlerin Yana Duga, und unterstützt von ihrem Mann und ihren Söhnen hat die 42-Jährige es gewagt, in diese Richtung loszulaufen. Und sie fühlt ganz tief, dass das der richtige Schritt ist: „Ich will, dass die Kunst gesehen wird, im Sinne meiner Mutter.“

Mit Kunst ist die 42-Jährige aufgewachsen. Schon vor der Geburt ihrer Tochter hatte Agi Schilling ihre erste Galerie. Der Kontakt zu Künstlern gehörte immer dazu. „David Thompson“, erzählt Julia Schilling, „hat wochenlang bei uns gewohnt.“ Peter Schunter, Klaus Hartman, Nikolaus Moser, Allen Jones, Moritz Götze, Cornelia Schleime – sie kennt sie alle. Und tatsächlich hatte sie sich, als ihre Mutter neben der Galerie in der Höllgasse eine zweite in Stuttgart eröffnete, überlegt, dort mit einzusteigen – wären ihre Kinder damals nicht noch so klein gewesen.

Spartanische Räume – voller Kunst

Doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen: Als klar war, dass sie die Räume an der Neuen Straße mieten kann, hat sie das Projekt innerhalb von eineinhalb Monaten vorangetrieben, Inventur in der Galerie im dritten Stock der Schulstraße 18 gemacht, alles leergeräumt und die Werke in die Neue Straße geschafft. Die Räume sind bewusst spartanisch gehalten: „Wir haben nur einen neuen Estrich gelegt und gestrichen.“ Alle sechs Wochen plant Julia Schilling jetzt einen Wechsel der Ausstellung. Es ist so viel da, dass sie auch ganze Büros ausstatten könnte. Schubladen voller Grafiken, viele Holzschnitte, Skulpturen; Werke von 20 bis 35 000 Euro, gerahmt und ungerahmt. Womöglich kommen auch neue Künstler dazu, „je nachdem wie’s läuft“. Und auch wenn sie die Pop-up-Galerie zunächst bis zum Jahresende geplant hat, die Option, als selbstständige Galeristin weiterzumachen, lässt sich die 42-Jährige noch offen. Große Erwartungen hat sie dabei nicht: „Ich freue mich auf das, was kommt.“ Im Sinne ihrer verstorbenen Mutter soll es weitergehen – und doch ganz anders werden: „Ich bin nicht Agi Schilling Nummer zwei.“ Und eines wird es bei ihr auch nicht geben: einen Online-Handel. Julia Schilling will keine Kunst verschicken und gezwungen sein, die verkauften Werke zwei Wochen lang zurückzunehmen. Sie hat sich bewusst für einen innenstadtnahen Standort entschieden, sie will vor Ort sein.

Eröffnet wird „Schilling Temporary“ am Samstag, 4. Juli, um 11 Uhr. Damit der Abstand in Coronazeiten eingehalten werden kann und die Gäste sich nur in einer Richtung durch die Galerie bewegen, wird für diesen Tag der vordere Bereich der ehemaligen Bank-Filiale dazugenommen, in den schon Kosmetik Schäfer während der Umbauarbeiten an der Gottlieb-Daimler-Straße ausgewichen war.

Info

„Schilling Temporary Pop Up Gallery“ ist in der Neuen Straße 3 zu finden. Die Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Freitag von 11 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.schilling-temporary.de

„Ich muss das machen, die Kunst ist da.“ Fast ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter, tritt Julia Schilling nicht mehr nur im Gemeinderat, sondern auch beruflich in Agi Schillings Fußstapfen – und geht mit „Schilling Temporary Pop Up Gallery“ doch ihren eigenen Weg: Vier Tage nach ihrem letzten Arbeitstag als Krankenschwester in den Rems-Murr-Kliniken Schorndorf eröffnet sie am kommenden Samstag in der Neuen Straße eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Wo jahrelang die Deutsche Bank eine

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