Schorndorf

Schlosswallschule:  Unterrichts-Neustart mit einem von Tag zu Tag rollierenden System

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Die Leiterin der Schlosswallschule, Karin Ehlert, ist überzeugt davon, dass von Seiten der Schule alles getan wurde, einen so weit als möglich coronasicheren Unterricht zu gewährleisten. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wenn von Montag an alle Schüler zumindest zeitweise wieder in den Schulen unterrichtet werden sollen, dann erscheint es vielen Schulleitungen naheliegend und am einfachsten zu praktizieren, dass Schülerinnen und Schüler im wöchentlichen Wechsel entweder in der Schule oder daheim unterrichtet werden.

Die Schlosswall-Grundschule und ihre Schulleiterin Karin Ehlert gehen einen anderen Weg. Ihr rollierendes System sieht so aus, dass die jeweils in zwei gleich große Hälften aufgeteilten und in A und B unterteilten Klassen im täglichen Wechsel von Montag bis Donnerstag jeweils drei Stunden Unterricht haben – A am Montag, B am Dienstag, A am Mittwoch, B am Donnerstag – und dass am Freitag alle Schüler zwei Stunden Unterricht haben, erst die aus den A-Gruppen und dann, mit gebührendem zeitlichen Abstand, die aus den B-Gruppen. Auf diese Weise, so Karin Ehlerts Überlegung, würden die Kinder nach der langen Corona-Pause „enger an Lehrkräfte und Lerninhalte angebunden“, als das bei einem wöchentlichen Wechsel der Fall sei. Und außerdem reiche es beim täglichen Wechsel, wenn die Kinder für den jeweiligen freien Tag mit Lernaufgaben versorgt würden, während im anderen Fall wieder ein wöchentlicher Fernunterricht organisiert werden müsse. Außerdem seien die Klassen nach Wohngebieten aufgeteilt, so dass garantiert sei, dass Geschwisterkinder jeweils zur selben Zeit Unterricht hätten.

Wer auf die Toilette geht, muss ein Hütchen mitnehmen

Umstellen müssen sich Lehrkräfte und Schüler auch insofern, als es unter Corona-Bedingungen nur Frontalunterricht und keine Gruppenarbeit geben kann. Und wenn ein Kind doch einmal die unmittelbare Hilfe der Lehrerin braucht – der einzige männliche Kollege in der Schlosswallschule ist der Sportlehrer, der zunächst einmal weiterhin in der auch ständig wachsenden Notbetreuung eingesetzt wird, weil Sport genauso wie Musik derzeit nicht auf dem Lehrplan steht –, dann geht das nur mit Maske, wobei es grundsätzlich im Schulgebäude keine Maskenpflicht gibt. Dass sich nicht zu viele Schüler gleichzeitig begegnen, wird dadurch sichergestellt, dass der Unterricht in den einzelnen Klassenstufen versetzt beginnt und dementsprechend auch die Pausenzeiten entzerrt werden. All das habe bei den vierten Klassen, die ja schon vor den Pfingstferien an die Schule zurückgekehrt seien, gut funktioniert, sagt die Schulleiterin, die sich, was die Einhaltung der Hygienevorschriften und den Toilettenbesuch angeht, von einer Idee der Winterbacher Grundschule hat inspirieren lassen. Und deshalb müssen Schüler, die die Toilette oder die zwei verfügbaren äußeren Waschbecken – das mittlere wird abgesperrt – benutzen wollen, ein Hütchen mitnehmen und vor der Toilette abstellen, so dass andere Kinder gleich sehen, dass sie warten müssen.

„Unterricht mit den Viertklässlern ist das reinste Vergnügen“

Keine Frage ist für Karin Ehlert, dass sich die Kinder „wie Bolle“ auf die Schule freuen und hochmotiviert sein werden. Das schließt sie allein aus dem Verhalten der Viertklässler, die zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt des Schuljahres mit der Grundschule normalerweise schon abgeschlossen haben und mit den Gedanken schon auf der jeweiligen weiterführenden Schule sind. „Der Unterricht mit den Viertklässlern ist das reinste Vergnügen“, weiß die Schulleiterin, der aber auch nicht entgeht, dass sich Eltern Sorgen machen, wie sich die coronabedingten Schulausfälle auf die Zukunft ihrer Kinder auswirken. Für Panik gebe es keinen Anlass, meint die Schulleiterin. Zum einen, weil der Grundschulunterricht im Gegensatz etwa zum Gymnasium, wo ein Lerninhalt nach dem anderen abgearbeitet werde und dann erledigt sei, so angelegt sei, dass bestimmte Lerninhalte wie zum Beispiel das Nomen (Hauptwort) immer wieder auftauchten, zum anderen, weil speziell bei den Viertklässlern die verbleibende Zeit überwiegend dazu genutzt werde, das für den Übergang zwingend erforderliche Basiswissen noch einmal zu vertiefen. Und drittens kann es aus Sicht der Schulleiterin gar nicht anders sein, als dass beim Wiederbeginn gerade auch im neuen Schuljahr auf dem aufgesetzt werden muss, was bereits vor Corona da war. Und zwar unabhängig davon, ob der Fernunterricht in den letzten Wochen gut oder weniger gut gelaufen ist, wobei die Schulleiterin mit dem, was ihre Kolleginnen geleistet haben, absolut zufrieden ist – egal, ob sie die Schüler nun digital kontaktiert oder sie durch persönliche Zustellung mit Lernpaketen versorgt haben. Es seien so gut wie alle Kinder erreicht worden, allerdings gebe es große Unterschiede bei dem, was zurückgekommen sei, berichtet die Schulleiterin mit Blick vor allem auf Kinder, von denen sie weiß, dass die bei der Erledigung von Hausaufgaben in aller Regel auf sich allein gestellt sind.



Corona-Lehre: Digitalisierung hat einen Schub bekommen

Wie’s nach den kommenden zwei Wochen und insgesamt weitergeht mit der Normalisierung des Schulbetriebs, das hängt für Karin Ehlert vor allem davon ab, ob und inwiefern sich bestätigt, dass Kinder tatsächlich nur in geringem Maße infektiös sind. Angekündigt von Seiten des Kultusministeriums ist ja, dass die Grundschulen bis Ende Juni wieder vollständig öffnen sollen – ohne Abstandsregeln. Sich ernsthaft damit zu befassen, mache erst Sinn, wenn es dazu eine entsprechende Verordnung gebe, meint die Schulleiterin, die aber eines schon jetzt weiß: dass sie spätestens dann Probleme mit der Lehrerversorgung bekommen würde, nachdem ihr bereits jetzt drei Lehrkräfte fehlen, weil sie aufgrund ihres Alters und aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen. Diese Lücken, so Karin Ehlert, ließen sich bei weitgehender Wiederherstellung des Schulalltags nur schließen, wenn bislang noch in der Notbetreuung eingesetzte Lehrkräfte in den Regelunterricht zurückkehrten und anderweitig ersetzt würden – durch üblicherweise in der Ganztagesbetreuung tätige städtische Mitarbeiter oder die auch jetzt schon sehr engagierte Schulsozialarbeiterin, weil Ehrenamtliche aus dem Ganztagesbetrieb in diesen Zeiten für solche Betreuungsaufgaben nicht infrage kämen. Erst recht noch für viel zu früh hält es Karin Ehlert, jetzt schon ins neue Schuljahr hineinzuplanen. „Wir sehen uns derzeit alle paar Tage vor neue Situationen gestellt, und niemand weiß., was im Herbst oder im Winter passiert“, sagt sie. Eine Lehre aus der seitherigen Corona-Zeit lässt sich aus ihrer Sicht aber auch mit Blick auf die Schulen schon ziehen: „Die Digitalisierung hat einen Schub bekommen.“

Wenn von Montag an alle Schüler zumindest zeitweise wieder in den Schulen unterrichtet werden sollen, dann erscheint es vielen Schulleitungen naheliegend und am einfachsten zu praktizieren, dass Schülerinnen und Schüler im wöchentlichen Wechsel entweder in der Schule oder daheim unterrichtet werden.

Die Schlosswall-Grundschule und ihre Schulleiterin Karin Ehlert gehen einen anderen Weg. Ihr rollierendes System sieht so aus, dass die jeweils in zwei gleich große Hälften aufgeteilten

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