Schorndorf

Schluss mit kuschelwarmen Büros: Wie Firmen aus Schorndorf Energie sparen wollen

Energiesparen
Wie angenehm warm wird es noch am Arbeitsplatz werden, wenn die Firma Energie spart? © Gaby Schneider

Öffentliche Gebäude sollen ab September nur noch bis 19 Grad Celsius beheizt werden. Eine entsprechende Verordnung hat das Bundeskabinett am Mittwoch (24.8.) in Berlin beschlossen. In Deutschland versuchen Firmen aktuell, über viele kleine Maßnahmen Energie zu sparen beziehungsweise für den kommenden Herbst/Winter Konzepte aufzustellen. Von Ökostrom über Kühldecken bis hin zu einem „Winter-Home-Office“ ist da die Rede. Wie sieht das in Schorndorfer Betrieben aus? Wir haben uns umgehört.

Bei den Zentralen Diensten Schorndorf (ZDS) sind Energiesparen und ressourcenschonendes Arbeiten immer schon ein Thema. So wird beispielsweise versucht, bei Brauch- und Gießwasser kein Trinkwasser, sondern Regenwasser zu nutzen. „Bei Ersatzbeschaffungen von Fahrzeugen soll künftig noch ein größeres Augenmerk auf klimaschonenden – sprich: Elektro – Antrieb geachtet werden, wobei das sicher bei Bau- und Spezialfahrzeugen und Maschinen nur begrenzt möglich sein wird“, erläutert Ingeborg Medinger-Aldinger von den ZDS.

Wie die konkreten Pläne hinsichtlich der Arbeitsplatztemperaturen im Winter aussehen werden, dazu könne man noch keine genauen Angaben machen: „Wir als Eigenbetrieb der Stadt werden uns jedoch sicherlich den Vorgaben der Stadtverwaltung und unseres Vermieters, den Stadtwerken Schorndorf, anschließen. Das bedeutet, eine Absenkung der Raumtemperatur in den Büros, Temperaturabsenkung bei der Warmwasseraufbereitung sind gegebenenfalls weitere Maßnahmen.“

Pausenräume müssen beheizt sein, um sich aufzuwärmen

Medinger-Aldinger fügt hinzu: „Wir haben ja nur wenige Büroarbeitsplätze, die meisten unserer Mitarbeitenden haben ihren Arbeitsplatz unter freiem Himmel. Bei schlechtem Wetter und Kälte werden wir deshalb die Temperatur in den Pausenräumen und die Wassertemperatur in den Duschen nicht sehr stark absenken können. Die Mitarbeitenden müssen sich aufwärmen und auch nasse Arbeitskleidung trocknen können. Und für die im Büro Arbeitenden bieten wir nach wie vor Home-Office oder mobiles Arbeiten an, auch im Hinblick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie und die zu befürchtende Herbstwelle.“

Wie sieht es beim Modeunternehmen Riani aus? PR-Sprecherin Felicitas Gutjahr teilt mit: „Leider können wir zum jetzigen Stand noch keine weitreichende Einschätzung abgeben.“

Den Geschäftsführer vom Schorndorfer Fahrzeugumrüster Felitec, Felix Liehr, beschäftigt das Thema Klimawandel schon sehr lange. Gemeinsam mit seinem CSR- und Reputationsdirektor Oliver Raach habe er seit einigen Jahren Maßnahmen zu nachhaltigem Wirtschaften und sozialem Engagement eingeleitet: „Seit 2020 ist Felitec assoziiertes WIN-Charta-Unternehmen des Landes Baden-Württemberg mit klarem Bekenntnis zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung. Die aktuelle Energiesituation ist daraus resultierend ein weiterer Ansporn für uns, diese eingeleiteten Maßnahmen weiter auszubauen“, so Liehr. Wie das Unternehmen mit dem Energiesparen umgeht? Man habe die Mitarbeiter für diese Thematik sensibilisiert und „gemeinsam ein Konzept erarbeitet, wo wir Einsparungspotenziale sehen und wie wirksam wir diese umsetzen können, ohne dass dabei die Produktivität leidet“. Alle Mitarbeiter seien angehalten, sämtliche elektrischen Einrichtungen wie beispielsweise Maschinen, Absauganlagen oder Lötgeräte nur für den Zeitraum der Benutzung einzuschalten.

Tipps vom Energieberater eingeholt

Liehr zählt weiter auf: Sämtliche Beleuchtungseinrichtungen wurden sukzessive mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet; alle EDV-Anlagen an den Arbeitsplätzen werden über Nacht heruntergefahren und: „Bereits vor einigen Wochen haben wir eine kleine Photovoltaik-Inselanlage zur unabhängigen Warmwasser- und Heizungsunterstützung installiert, so dass die Öl-Heizungsanlage über die Sommermonate ausgeschaltet werden kann.“ Ein Berater der Energieagentur Rems-Murr habe das Unternehmen zu weiteren Einsparmöglichkeiten und zu einem nachhaltigen Heizkonzept beraten. Auch im Bereich der Arbeitsplatztemperaturen im Winter hat Liehr eine klare Vorstellung: „ Wir werden hier mit reduzierten Raumtemperaturen und noch kleinen Isoliermaßnahmen im Gebäude weitere Einsparungen umsetzen.“ Der unerschütterliche Optimist sieht nach eigenen Angaben die aktuelle Situation auch als Chance „schneller zu nachhaltigerem und klimaneutralerem Wirtschaften zu kommen“.

Wie Einsparungen bei der Stadtverwaltung Schorndorf aussehen? Klaus Konz, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, gibt Auskunft: „Genau wie alle privaten Haushalte trifft die aktuelle Preisentwicklung auch die kommunalen Haushalte mit voller Wucht. Die Stadtverwaltung arbeitet daher bereits seit Wochen intensiv daran, unterschiedlichste Einsparmöglichkeiten umzusetzen, wobei der aktuelle Fokus auf sehr kurzfristig wirkenden Maßnahmen liegt.“ Derzeit werden alle technischen Anlagen überprüft und im Hinblick auf potenzielle Einsparungen optimiert.

Nicht betriebs- oder sicherheitsrelevante Anlagen, wie zum Beispiel Außenbeleuchtungen an Gebäuden oder die Warmwasserversorgung an Handwaschbecken, werden kurzfristig außer Betrieb genommen. Konz: „Die Raumtemperaturen in unseren Arbeitsstätten werden in der kommenden Heizperiode auf die aktuell zulässigen Mindesttemperaturen begrenzt. Im Bürobereich bedeutet das aktuell maximal 20 Grad Celsius Lufttemperatur.“ Ebenso werden auch organisatorische Maßnahmen geprüft, um beispielsweise Gebäude oder Gebäudeteile zumindest tageweise aus der Nutzung zu nehmen. Bei allen Maßnahmen sei neben möglichen technischen Eingriffen immer auch das Nutzerverhalten von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Maßnahmen. Die zuständigen Fachämter seien im regen Austausch mit allen Einrichtungen.

Die Firma Schatz Projektbau hat laut Angaben von Melanie Horst (Marketing) noch keine abschließenden Maßnahmen festgelegt: „Daher können wir zum heutigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.“

Dr. Hanns-Cord Walter, Managing Director PPD der Firma Catalent , Standort Schorndorf, setzt sich ebenfalls mit der aktuellen, dynamischen Lage auseinander: „Wir bereiten uns auf mehrere Szenarien vor. Unbestritten haben wir eine Energiekrise und kämpfen wie alle Privathaushalte mit explodierenden Energiekosten neben der Inflationsrate – die auch uns, unsere Lieferanten und unsere Kunden trifft. Also ist es unser Ziel, Energie zu sparen und Verschwendung zu vermeiden.“ Da Catalent ein produzierendes Unternehmen in der Pharmaindustrie sei und beispielsweise in der Produktion in einem Drei-Schicht-Betrieb an fünf bis sechs Tagen die Woche arbeitet, seien die Möglichkeiten, Arbeits- und Pausenzeiten anzupassen, naturgemäß begrenzt. Walter: „Wir überprüfen derzeit sämtliche elektrischen oder Gas-Verbraucher, um festzulegen, was gespart werden kann. Darunter fallen ein Licht- und Strommanagement und die Sensibilisierung der Mitarbeiter, Geräte auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden – wie Drucker, Computer, Monitore, Licht, Klimaanlagen. Wir werden Energiebeauftragte in den verschiedenen Bereichen benennen, die diese Themen im Blick haben.“

Vor einiger Zeit habe man bereits begonnen, die klassischen Neonröhren in den Büros und der Produktion durch LED-Lampen zu ersetzen, was Energie und CO2 spart. Was die Raumtemperatur im Winter angehe, werde man „mit Sicherheit die Komfortzonen verlassen müssen, allerdings sind auch hier Regeln wie Arbeitsstättenrichtlinien zu beachten und Vorgaben, die wir aufgrund unserer Produkte haben. In den Büros wird es mit Sicherheit nicht mehr unbedingt kuschelig warm sein, sondern angemessen.“

Öffentliche Gebäude sollen ab September nur noch bis 19 Grad Celsius beheizt werden. Eine entsprechende Verordnung hat das Bundeskabinett am Mittwoch (24.8.) in Berlin beschlossen. In Deutschland versuchen Firmen aktuell, über viele kleine Maßnahmen Energie zu sparen beziehungsweise für den kommenden Herbst/Winter Konzepte aufzustellen. Von Ökostrom über Kühldecken bis hin zu einem „Winter-Home-Office“ ist da die Rede. Wie sieht das in Schorndorfer Betrieben aus? Wir haben uns

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