Schorndorf

Schon wieder höhere Kita-Gebühren in Schorndorf: Eltern sind geschockt

Kita-Gebühren
Zum 1. September 2022 steigen die Kindergartengebühren in Schorndorf um 3,9 Prozent. © Gabriel Habermann

Für den Gesamtelternbeirat ist die neueste  Gebührenerhöhung in Höhe von 3,9 Prozent für die Betreuung in den Kindergärten „ein Schlag ins Gesicht“ der Familien. Für die Gemeinderäte im Verwaltungs- und Sozialausschuss, die dem Vorschlag der Stadtverwaltung mehrheitlich zugestimmt haben, angesichts der hohen Inflationsrate und steigender Investitions-, Sach- und Personalkosten ein notwendiges Übel. Und durchaus noch im Rahmen: Mit der Erhöhung zum neuen Kindergartenjahr liegt der Kostendeckungsgrad – wie im landesweiten Durchschnitt – bei elf Prozent; und damit deutlich unter den vom Städtetag empfohlenen 20 Prozent.

Das Argument des Elternbeirats, dass Familien im Moment – mit der Beitragserhöhung und einer Erhöhung der Verpflegungspauschale in den Kitas – in mehrfacher Hinsicht belastet werden, verhallte dabei weitgehend ungehört. Ebenso der Vorschlag, die Beiträge um maximal 1,5 bis zwei Prozent zu erhöhen und die Grenze für Gebührenreduzierungen bei einem Jahresbruttoeinkommen für Eltern von 70.000 Euro auf 75.000 Euro zu erhöhen. Ein Antrag der AfD, die Gebührenerhöhung ganz auszusetzen und kinderreiche Familien mit der Gebührenfreiheit ab dem vierten Kind zu entlasten, fiel in der Abstimmung durch.

Inflation und hohe Energiekosten: Eltern sind sowieso schon belastet

Einzig FDP-/FW-Rat Jochen Schäfer enthielt sich bei der Abstimmung über den AfD-Antrag – und später, gemeinsam mit Grünen-Rätin Simone Höfer – bei der Abstimmung über den Verwaltungsvorschlag der Stimme. Vorher hatte Simone Höfer noch zu bedenken gegeben, dass sie eine Gebührenerhöhung vor dem Hintergrund von Inflation und hoher Energiekosten für Familien „schwierig“ findet – auch wenn Erzieher/-innen angemessen bezahlt werden müssten. Außerdem interessierte Höfer, welche Auswirkungen es auf den Haushalt hätte, wenn die Einkommensgrenze auf 75.000 Euro angehoben würde und das Gebühren-Plus bei drei Prozent bliebe? Eine Antwort konnte Erster Bürgermeister Thorsten Englert in der Sitzung nicht liefern: „Das ist eine komplexe Rechnung.“

Und obwohl SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Schopf dem Gesamtelternbeirat im Grunde recht gab, letztendlich stimmte auch er für die 3,9-prozentige Gebührenerhöhung: „Wir müssen da leider durch.“ Gleichzeitig versprach er, beim Land für eine Gebührenbefreiung werben zu wollen. Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel kündigte an, dass die CDU für die Gebührenerhöhung stimmen werde: „Das Feilschen um einige Prozente, das machen wir nicht mit.“ Stattdessen will sich die CDU an die Landesrichtsätze halten. Dass der Gemeinderat jedes Jahr vor dem gleichen Problem steht und nicht weiß, wie aus der Nummer rauskommen, das gab FDP/FW-Rätin Sabine Brennenstuhl zu bedenken, erinnerte aber auch daran, dass die Elternbeiträge nicht ausreichen, um die Kosten für die Kinderbetreuung in den Kindergärten abzudecken – „das muss den Eltern auch klar sein“. Und SPD-Rätin Heidi Rapp erinnerte die Eltern daran, dass Kosten für die Kinderbetreuung ja von der Steuer abgesetzt werden können.

Belastung für Eltern in Zahlen

Ohne eine vollständige Übersicht über die neuen Gebühren liefern zu können, Beispiele sollen die Belastung für Eltern verdeutlichen: Von 1. September an zahlen sie bei unter Dreijährigen für eine 30-Wochenstunden-Betreuung im Monat 375 Euro fürs erste Kind und fürs zweite Kind 300 Euro, bei 35 Wochenstunden werden Gebühren von 438 Euro beziehungsweise 350 Euro fällig. Die Ganztagsbetreuung für unter Dreijährige kostet in einer Schorndorfer Kita – zuzüglich Verpflegungspauschale – zwischen 475 Euro für 38 Stunden und 656 Euro für 52,5 Stunden fürs erste Kind; fürs zweite Kind in der Ganztagsbetreuung bezahlen Eltern zwischen 380 Euro (38 Stunden) und 525 Euro (52,5 Stunden).

Für über Dreijährige bezahlen Eltern für 30 Stunden in der Regelbetreuung im Monat 127 Euro fürs erste Kind und 99 Euro fürs zweite Kind. Für 30 Stunden in einer Einrichtung mit verlängerten Öffnungszeiten kostet die Betreuung fürs erste Kind 158 Euro und fürs zweite Kind 126 Euro, bei 35 Stunden erhöht sich die Gebühr auf 184 Euro fürs erste Kind und auf 147 Euro beim zweiten Kind. Die Ganztagsbetreuung für über Dreijährige kostet in Schorndorf zwischen 230 Euro für 35 Stunden und 344 Euro für 52,5 Stunden fürs erste Kind und zwischen 184 Euro (35 Stunden) und 275 Euro (52,5 Stunden) fürs zweite Kind. Fürs vierte Kind zahlt eine Familie in Schorndorf 25 Prozent der Gebühren. Derzeit trifft diese Regelung nach Auskunft von Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten, auf 102 Kinder zu.

Für den Gesamtelternbeirat ist die neueste  Gebührenerhöhung in Höhe von 3,9 Prozent für die Betreuung in den Kindergärten „ein Schlag ins Gesicht“ der Familien. Für die Gemeinderäte im Verwaltungs- und Sozialausschuss, die dem Vorschlag der Stadtverwaltung mehrheitlich zugestimmt haben, angesichts der hohen Inflationsrate und steigender Investitions-, Sach- und Personalkosten ein notwendiges Übel. Und durchaus noch im Rahmen: Mit der Erhöhung zum neuen Kindergartenjahr liegt der

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