Schorndorf

Schorndorf: Das Abitur unter Corona-Bedingungen hat begonnen - das waren die Themen in Deutsch

Abi
Das Abitur  - hier im Schorndorfer Burg-Gymnasium - hat begonnen. © Palmizi

Weniger Unterricht, Quarantäne und Wechselbetrieb, dafür ganz schön viel Stress: So hat der Alltag vieler Abiturienten in den vergangenen Monaten ausgesehen. An diesem Dienstag, Punkt neun Uhr, haben die Abiturprüfungen begonnen. Das erste Fach war wie immer Deutsch, die letzte Prüfung findet am 19. Mai in Biologie statt. Zeit hatten die Abiturienten coronabedingt bis 14.45 Uhr, eine halbe Stunde länger als in anderen Jahren. „Mit Maske schreiben zu müssen ist belastender“, sagt Jürgen Hohloch, Schulleiter am Burg-Gymnasium. Eine Maskenpause wurde deshalb eingeplant.  Am Burg-Gymnasium wurden dafür auf den Galerien und in einem Lounge-Bereich drei Zonen eingeteilt, in denen sich die Schüler einzeln, aber unter Aufsicht eines Lehrers, maximal fünf Minuten lang erholen können.

Selbsttests zu Hause sind beim Abitur nicht zugelassen

Das Abitur, das nun schon zum zweiten Mal in der Corona-Pandemie geschrieben wird, ist immer eine anstrengende Zeit, doch diese Jugendlichen müssen die Reifeprüfung unter besonderen Herausforderungen schaffen: Nach Anweisung des Kultusministeriums schreiben die gut 200 000 Schüler im Land in getrennten Räumen, je nachdem, ob sie auf das Coronavirus getestet sind oder nicht. Die seit 19. April geltende Testpflicht bei Schülern und Lehrern wurde für die Teilnehmer an Abschlussprüfungen ausgesetzt. Die Schulen halten freiwillige Tests bereit, auch Bürgertests und Tests von Ärzten und Apothekern sind erlaubt. Schnelltests zu Hause sind fürs Abitur aber nicht zulässig. Im Vorfeld gingen viele Beobachter davon aus, dass sich die Schüler lieber nicht testen lassen – anderenfalls riskieren sie, am Tag der Prüfung direkt zum PCR-Test und dann nach Hause geschickt zu werden.

Insgesamt 77 Jugendliche treten am Burg-Gymnasium dieses Jahr an. 35 starteten an diesem Dienstag mit dem Deutsch-Abitur. Von diesen schrieben nach Angaben des Schulleiters 27 die Klausur ohne Corona-Test, acht starteten laut Hohloch mit einem frischen Test ins Abitur. Beide Gruppen schrieben in zwei Räumen im dritten Stock im Neubau. Dass die Schulen die Abiturienten mit und ohne Tests getrennt unterbringen müssen, war für viele Schulleiter nicht einfach, zumal die Schülerzahlen je nach Fach täglich variieren. „Die Organisation ist jeden Tag ein neues Puzzle“, sagt Jürgen Hohloch, wobei es am kompliziertesten in den Fächern wird, in denen die Abiturienten des Burg-Gymnasiums und des Max-Planck-Gymnasiums zusammen schreiben. Das ist in den Fächern Kunst, Gemeinschaftskunde und Geschichte der Fall: Hier wären die Kurse an einer Schule zu klein gewesen, weshalb für beide Schulen gemeinsame Kurse angeboten wurden.

69 Abiturienten gibt es dieses Jahr am Max-Planck-Gymnasium. Maximal zehn Schüler und Schülerinnen schreiben in einem Klassenzimmer mit Abstand, Maske und Lüften – und mit mehr Lehrern als Aufsicht als je zuvor. Schulleiter Markus Wasserfall hätte sich im Vorfeld bei den diversen Änderungen einen etwas größeren Vorlauf gewünscht. „Aber“, sagt er, „das betrifft ja im Angesicht der Pandemie alle Lebensbereiche.“ 33 Abiturienten sind in Deutsch angetreten, alle ungetestet, alle in einem Raum. Im Vorfeld hätten sich die Schüler gut informiert und lange darüber unterhalten, sagt Nicole Lüber, Deutsch-Lehrerin und Fachschaftssprecherin am Max-Planck-Gymnasium. Auch wenn die Jugendlichen die an der Schule angebotenen Schnelltests in den vergangenen Wochen gerne angenommen hätten: „Am Ende haben sie abgewogen und entschieden, sich lieber zu isolieren und das Abitur ohne Tests zu schreiben.“

Fest steht: Es ist ein besonderer Abiturjahrgang, der an diesem Dienstag in die Prüfung startet. Seit vielen Monaten waren die Jugendlichen nur sporadisch in der Schule, ihre Mitschüler haben sie nur wenig gesehen und auf Studienfahrten, Feiern und das Gemeinschaftsgefühl in der Klasse weitgehend verzichten müssen. Die Klausuren, sagt Jürgen Hohloch, hätten stattgefunden, ansonsten sei den Jugendlichen bei der Vorbereitung viel Eigenverantwortung abverlangt worden. „Dieses Abitur muss man mit Augenmaß korrigieren“, sagt er deshalb. Die Prüfung sei kein Notabitur, die Leistungen der Schüler müssten auch in diesem Jahr den Standards entsprechen. Aber im Zweifelsfall müsse man für und nicht gegen die Schüler korrigieren.

Mit den Prüfungsaufgaben in diesem Jahr ist Noreen Aehlich, Abteilungsleiterin Deutsch und Oberstufenberaterin am Burg-Gymnasium, jedenfalls zufrieden. Unter sechs Aufgaben aus drei Bereichen, die vom Land vorgegeben waren, konnten die Kurslehrer für ihre Kurse drei auswählen, aus jedem Bereich eine. Ein Prozedere, das den besonderen Umständen der Corona-Pandemie geschuldet war. Die Lehrer hätten sich danach richten können, wo im Schuljahr die Schwerpunkte gesetzt wurden. Reiner Zufall  war’s, dass sich die beiden Deutschkurslehrer am Burg-Gymnasium für dieselben Themen entschieden haben.

„Faire und gut machbare Themen“

Erstes Thema am Burg-Gymnasium war ein Werksvergleich der Werke „Der goldene Topf“ von E.T.A Hoffmann und von Hermann Hesses „Steppenwolf" unter dem besonderen Aspekt der Selbstbestimmung der Protagonisten. Die zweite Aufgabe war eine Interpretation der Gedichte „Der Wanderer“ von Friedrich Schlegel und „Fahrten“ von Stefan Zweig. Bei der dritten Aufgabe musste ein Kommentar zum Thema geschlechtergerechte Sprache geschrieben werden. „Die ausgewählten Themen sind gut machbar und fair“, meint Deutschlehrerin Noreen Aehlich: „Jetzt müssen die Schüler was daraus machen.“

Auch Nicole Lüber am Max-Planck-Gymnasium ist mit den Aufgaben zufrieden, auch wenn sie sich beim Kommentarthema ein weniger sperriges Thema gewünscht hätte. Zur Auswahl stand am Max-Planck-Gymnasium ebenfalls der Werksvergleich von Hoffmann und Hesse. Beim dritten Thema gab es in den beiden Kursen unterschiedliche Aufgaben: Für den einen Deutschkurs die Gedichtinterpretationen, für den anderen Kurs die Interpretation von Kurzprosa von Thomas Bernhard.

Richtig froh war die Deutsch-Lehrerin, dass am Morgen alle Abiturienten vollständig  in die Schule kamen. „Ich freue mich, dass sie da sind“, sagt sie. „Dieses Abitur ist besonders anstrengend.“

Weniger Unterricht, Quarantäne und Wechselbetrieb, dafür ganz schön viel Stress: So hat der Alltag vieler Abiturienten in den vergangenen Monaten ausgesehen. An diesem Dienstag, Punkt neun Uhr, haben die Abiturprüfungen begonnen. Das erste Fach war wie immer Deutsch, die letzte Prüfung findet am 19. Mai in Biologie statt. Zeit hatten die Abiturienten coronabedingt bis 14.45 Uhr, eine halbe Stunde länger als in anderen Jahren. „Mit Maske schreiben zu müssen ist belastender“, sagt Jürgen

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