Schorndorf

Schorndorf: Das plant die Stadt für den Klimaschutz

Manufaktur-Sanierung
Altbausanierungen und Dachdämmungen werden für den Klimaschutz immer wichtiger. © Gabriel Habermann

Die Stadt Schorndorf macht Ernst mit dem Klimaschutz. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat am Donnerstagabend grünes Licht für das weitere Vorgehen zur Klimaneutralität der Stadt bis 2035 gegeben. Aufbruchstimmung und die gemeinsame Überzeugung, ein gutes Konzept auf den Weg zu bringen, zogen sich durch die Stellungnahmen der Sprecher. Einzige Ausnahme: die AfD. „Dieser Tag wird als ein besonderer Tag in die Stadtgeschichte eingehen“, zeigte sich Friederike Köstlin (Grüne) überzeugt. Klar war bei aller Begeisterung aber auch, dass dabei keiner vergessen werden darf: „Klimaschutz ist auch eine soziale Frage“, sagte CDU-Chef Hermann Beutel. Oder wie es SPD-Chef Tim Schopf formulierte: „Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein. Grün muss man sich leisten können.“

Und das ist das weitere Vorgehen: Die Stadtverwaltung erarbeitet bis Herbst 2022 ein Klimakonzept und formuliert Leitlinien für eine adäquate Stadtentwicklung. Geschaffen wird die Stabsstelle „Klimaschutz und Mobilität“, die dem Oberbürgermeister direkt unterstellt ist. Außer der Stabsstellenleiterin gehören dazu ein Klimaschutzmanager, ein Radwegekoordinator, ein Mobilitätsbeauftragter sowie ein Assistent beziehungsweise eine Assistentin. Auf Antrag der CDU erarbeitet die Stadt einen Fahrplan für die klimaneutrale Verwaltung. Dem Antrag zufolge sollte der CO²-Ausstoß aus den Rathäusern ab 2022 durch Kompensationszahlungen an die Klimaschutzstiftung des Landes ausgeglichen werden – der Start wurde allerdings um ein Jahr verschoben. Beschlossen wurde zudem der Zutritt zum Klimaschutzpakt des Landes.

Der Initiative Klimaentscheid dankte Oberbürgermeister Matthias Klopfer für deren Bürgerantrag und die konstruktiven Gespräche. Im Zuge der Maßnahmen kündigte er eine Vielzahl von Beteiligungsmöglichkeiten an. So soll ein Bürgerrat aus 25 zufällig ausgewählten Personen ins Leben gerufen werden sowie ein beratender Klima-Beirat mit Mitgliedern aus Wissenschaft, Politik und Verbänden. Die Stadtverwaltung, die Stadtwerke und die Stadtbau haben für Klopfer Vorbildfunktion, das erwarte auch die Bevölkerung. „Geben Sie uns die Zeit für den Prozess und die Analyse“, warb der Oberbürgermeister für seinen Weg. Zuvor hatte Wilhelm Pesch vom Klimabündnis an die Stadt und den Gemeinderat appelliert, schnellstmöglich durchzustarten: „Wir können nicht bis nächstes Jahr warten“, sagte er. Die Verwaltung müsse noch dieses Jahr Fotovoltaik-Projekte auf den Weg bringen. „Hierbei bieten wir unsere Hilfe an.“

Zu tun gibt es auf jeden Fall genug. „Wir müssen uns als Stadt mit dem Thema befassen, weil wir eine Hauptverursacherin des CO²-Ausstoßes sind“, sagte Diana Gallego, die die Leitung der Stabsstelle übernehmen wird. Die Auswirkungen des Klimawandels, wie Extremwetterlagen, erlebten derzeit alle am eigenen Leib, das aber müsse nicht so bleiben. In Zukunft solle die Stadt in Sachen Klimaschutz ganzheitlich in den Blick genommen werden, alles solle auf Einsparmöglichkeiten und Effizienzsteigerungen geprüft werden. Bei all dem setzt die Stabstellenleiterin auf einen regen Austausch mit den Menschen: „Wir müssen in Kommunikation gehen, nicht nur vorgeben“, sagte sie.

Sonnenkollektoren auf dem dach der Stadtkirche?

Klar ist für die CDU, dass sich die Stadt damit auf dem richtigen Weg befindet. Allerdings seien noch sind nicht alle Menschen davon überzeugt, dass der Klimawandel von Menschen gemacht wird, sagte Hermann Beutel. Die Menschen müssten eingebunden und überzeugt werden. Aber auch für die, die bereits überzeugt sind, sei es nicht leicht, ihre Gewohnheiten aufzugeben. „Es wird schwer, man braucht Überzeugungsarbeit“, sagte Beutel. Eine Übergangslösung sind für ihn Kompensationszahlungen. Diese hätten nichts mit Freikaufen zu tun. Ob der Klimawandel gelingt, werde sich nicht in Deutschland entscheiden. Ärmere Länder müssten dabei unterstützt werden. Dass alle Bürger erreicht werden müssen, betonte Tim Schopf (SPD). Froh zeigte er sich, dass Schorndorf im Kampf gegen den Klimawandel bei den Zentralen Diensten bereits auf Experten zurückgreifen könne. FDP/FW-Chef Gerhard Nickel erinnerte in seinem Statement an den Lernprozess, den Fridays for Future ausgelöst habe. Angesichts der weltweiten Extremwetterlagen müsse Schorndorf sein Scherflein beitragen und bewusstseinsbildend wirken. Das Thema Windenergie müsse weiterverfolgt werden, keiner solle Angst vor neuem Denken haben. Sonnenkollektoren kann sich Nickel beispielsweise auch auf dem Dach der Stadtkirche vorstellen.

Klimaschutz darf sich nicht in Einzelmaßnahmen erschöpfen

Dass sich manche Diskussion im Gemeinderat ändern wird, davon zeigte sich Friederike Köstlin überzeugt. Ob sauberes Wasser, ein gesunder Wald oder intakte Auengebiete: „Vieles war bisher nicht eingepreist.“ Für den Klimaschutz sei nun höchste Zeit, wobei sich dieser nicht in Einzelmaßnahmen plus Kompensationen erschöpfen dürfe. Auf große Zustimmung stießen die Maßnahmen auch bei Miriam Müller (GLS), die ankündigte, alles im Bereich Klimaschutz unterstützen zu wollen.

Und die AfD? Die wies die meisten der Maßnahmen zurück, weil sie „in der Tradition einer Hysterie“ stünden. Die Pandemie zeige, dass der Mensch nicht in der Lage sei, die Gefahren zu beherrschen, sagte Ulrich Bußler. Das Klima lasse sich nicht beherrschen. Dies anzunehmen, sei eine Anmaßung. Zudem würden die Klimaschutzmaßnahmen viel Geld kosten, die neue Stabsstelle die Verwaltung um fünf Personalstellen aufblähen. Ein Statement von rechts war das, das nach Ansicht von Andrea Sieber völlig vorhersehbar war: Sie habe schon auf Begriffe wie Hysterie und Ideologie gewartet, sagte sie. Angesichts eines weiterhin angestrebten Einwohnerwachstums zeigte sich Andreas Schneider skeptisch, ob die Maßnahmen einschlagen werden. Gleichwohl bezeichnete er den Klimaschutz als alternativlos.

Am Ende stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit für die Maßnahmen, Handlungsfelder und das geplante Vorgehen. Wie gut das alles greifen wird, wird auch der European Energy Award zeigen, dem die Stadt beitreten wird. Der EEA ist ein internationales Instrument, das Klimaschutzaktivitäten zertifiziert und bewertet. Dabei werden die Erfolge von einem externen Auditor geprüft. Der Beitritt zum EEA ist für Herbst 2021 geplant.

Die Stadt Schorndorf macht Ernst mit dem Klimaschutz. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat am Donnerstagabend grünes Licht für das weitere Vorgehen zur Klimaneutralität der Stadt bis 2035 gegeben. Aufbruchstimmung und die gemeinsame Überzeugung, ein gutes Konzept auf den Weg zu bringen, zogen sich durch die Stellungnahmen der Sprecher. Einzige Ausnahme: die AfD. „Dieser Tag wird als ein besonderer Tag in die Stadtgeschichte eingehen“, zeigte sich Friederike Köstlin (Grüne) überzeugt. Klar

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