Schorndorf

Schorndorf: Ehrenamtliche Wohnberater gesucht

Wohnberater
Machen sich für die Wohnberatung stark: Die Wohnberater Wilhelm Pesch und Falk Dieter Widmaier, Beate Härer (Stadt Schorndorf, Abteilungsleiterin Soziales und Senioren) sowie Lothar Poloczek (AAL) und Waltraut Bühl (Vorsitzende Kreisseniorenrat) (von links). © Benjamin Büttner

Die überwiegende Mehrheit der Rentnergeneration ist mit ihrer Wohnsituation zufrieden und will langfristig in den eigenen vier Wänden bleiben. Das ist nicht neu, aber mit dem Älterwerden oder mit einer Behinderung und Krankheit gewinnt das Wohnen noch viel mehr an Bedeutung. Barrieren sind es dann oft, die den Verbleib in der vertrauten Wohnung schwer oder gar unmöglich machen. Stufen können fast nicht mehr überwunden werden, der Schritt über die zu hohe Kante der Duschwanne kann beschwerlich und gefährlich sein. Die Breite der Türen sind für Rollator oder Rollstuhl zu eng. Wenn eine Anpassung durch einen Umbau nicht möglich ist, bleibt ein Auszug unvermeidbar. Was ist zu tun?

Neuer Ausbildungskurs im Herbst

Und genau hier soll das Angebot der Wohnberatung greifen. Das Motto der Wohnberatung lautet: „Wir passen die Wohnung den Menschen an und nicht den Menschen an die Wohnung.“ Zwei zentrale Dinge seien es, die Beate Härer (Abteilungsleitung Soziales und Senioren Schorndorf) am Herzen liegen: „Zum einen ist es mir wichtig, dass wir das Angebot der Wohnungsberater bekannter machen und aufklären, was diese Ehrenamtlichen machen, und zum anderen möchten wir gerne weitere Wohnberater akquirieren. Im Herbst wird wieder ein Ausbildungskurs angeboten.“ (Dieser findet an fünf Tagen voraussichtlich in Sindelfingen statt, organisiert vom DRK Böblingen.)

Beratung und Informationen bieten die Wohnberater des Seniorenforums Schorndorf – Stadtseniorenrat – und des Kreisseniorenrates Rems-Murr. Dabei kann es für die Betroffenen um technische und praktische Hilfsmittel und Alltagshelfer gehen, über Kosten- und Finanzierungsmöglichkeiten oder den Umbau der Wohnung – wenn nötig und machbar.

Betroffene wissen nicht, was alles machbar ist

Derzeit sind mit Falk Dieter Widmaier und Wilhelm Pesch nur zwei Wohnberater der Stadt Schorndorf tätig. Die Vorsitzende des Kreisseniorenrates, Waltraut Bühl, hofft auf Ehrenamtliche, die man aktivieren kann und die sich flächendeckend engagieren. „Viele Betroffene wissen gar nicht, was alles über die Pflegekasse möglich ist“, sagt Bühl. Aktuell sind zwölf Kommunen im Rems-Murr-Kreis für dieses Angebot ausgebildet – dies sei coronabedingt „leider auch etwas geschrumpft“. Aber in Backnang habe man kürzlich „auf einen Schlag vier neue Wohnberater hinzugewinnen können“, freut sich Waltraut Bühl. Sie weiß aus Erfahrung, dass immer mehr Menschen so lange zu Hause alt werden wollen, wie nur irgend möglich. „Aber“, wirft sie ein, „es geht nicht nur um die Senioren. Es gibt zwischenzeitlich viele Eltern, die für ihre behinderten Kinder eine wohngerechte Umgebung schaffen wollen, oder auch junge Menschen, die eigentlich mitten im Leben stehen und dann beispielsweise durch einen Autounfall querschnittsgelähmt sind.“ Auch da gebe es viele Möglichkeiten zu handeln.

Es mag sich banal anhören, aber kleinste Auffälligkeiten sind dem Wohnberater wichtig: „Sei es die fehlende Hausnummer, die relevant für einen Notfalleinsatz ist, oder ein Vordach, damit der Rollstuhlfahrer nicht im Regen steht, wenn er seinen Schlüssel in der Tasche sucht“, nennt Falk Dieter Widmaier Beispiele. Er ist seit 2007 als Wohnberater engagiert. Der gelernte Architekt hat ein Auge dafür, worauf es ankommt. „In den vergangenen zwei Jahren hatte ich 22 Beratungen“, sagt er. Das klinge nicht nach viel, sei aber eventuell dessen geschuldet, dass das Angebot wenigen bekannt ist. Wilhelm Pesch hat sich 2016 zum Wohnberater ausbilden lassen und bis dato etwa zehn Beratungen gehabt. Während der Pandemie konnte man natürlich auch keine Vor-Ort-Besichtigungen machen – aber solch ein Hausbesuch ist nun mal relevant für die Einschätzung. Für eine Beratung wird eine Aufwandsentschädigung zwischen 15 und 30 Euro erhoben.

Musterwohnung kann besichtigt werden

Seit diesem Jahr werden über den Digital Kompass (Standort Schorndorf im Seniorenforum) auch sogenannte „Alltagsunterstützende Assistenzlösungen“ kurz AAL angeboten. „Wir sehen uns als Ergänzung zur Wohnberatung“, sagt Lothar Poloczek, und erläutert kurz die technischen Unterstützungsmöglichkeiten. „Beispielsweise können Sprachsteuerungen den Alltag sehr erleichtern. Bewegungs- und Präsenzmelder geben Sicherheit. Eine Türsprechanlage mit Videokamera kann für Rollstuhlfahrer von Vorteil sein, damit sie sofort sehen, wer da vor der Tür steht“, zählt Poloczek auf. Im Großraum Stuttgart gibt es mehrere Musterwohnungen, in denen Interessierte Assistenzlösungen anschauen und testen können. Man stünde hier hilfreich zur Seite und führe gerne durch die AAL-Musterwohnung der GSW Sigmaringen (Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg) in Waiblingen.

Die überwiegende Mehrheit der Rentnergeneration ist mit ihrer Wohnsituation zufrieden und will langfristig in den eigenen vier Wänden bleiben. Das ist nicht neu, aber mit dem Älterwerden oder mit einer Behinderung und Krankheit gewinnt das Wohnen noch viel mehr an Bedeutung. Barrieren sind es dann oft, die den Verbleib in der vertrauten Wohnung schwer oder gar unmöglich machen. Stufen können fast nicht mehr überwunden werden, der Schritt über die zu hohe Kante der Duschwanne kann

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