Schorndorf

Schorndorf hält an Hort-Schließung fest

Schule Symbol_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Weil sie die von der Stadt in Aussicht gestellten adäquaten Alternativen bei der Schulkindbetreuung für die bislang im Hort der Kita Wirbelwind betreuten Kinder zum kommenden Schuljahr nicht gewährleistet sehen, verlangen die Eltern der Hortkinder eine zeitliche Verschiebung der Schließung um mindestens ein weiteres Jahr. Der Verwaltungs- und Sozialausschuss empfiehlt dem Gemeinderat einstimmig, an der Hortschließung zum Schuljahresende 2018/19 festzuhalten.

Dass die Stadt selber mittlerweile nicht mehr von Ganztagesbetreuung und schon gar nicht mehr von Ganztagesschulen mit einheitlichen Strukturen und Vorgaben spricht, sondern davon, dass es analog zur Kindergartenbedarfsplanung eine schulische Betreuungs-Bedarfsplanung mit möglichst passgenauen Angeboten für jede Schule braucht, lässt zumindest SPD-Stadtrat Tim Schopf ins Grübeln kommen: „Hätte ich damals gewusst, wie sich die Ganztagesschule entwickelt, hätte ich vielleicht anders abgestimmt“, sagte er mit Blick auf die bevorstehende und seit zwei Jahren endgültig beschlossene Hortschließung. Jetzt gelte es, die von den Eltern in einer schriftlichen Stellungnahme beschriebenen Härtefälle aufzufangen und zu begleiten, meinte Schopf, für den auch eine zuvor abgegebene Stellungnahme des Ersten Bürgermeisters Edgar Hemmerich zum Schreiben des Elternbeirats eher ein Plädoyer gegen eine Hortschließung war, obwohl Hemmerich natürlich genau das Gegenteil bezweckt hatte.

Hemmerich: keine Minihorte

„Es gibt keine Ganztagesbetreuung auf Hortniveau“, hatte Hemmerich eingeräumt, es gleichzeitig aber abgelehnt, eine Angebotskonkurrenz zwischen Hort- und Ganztagesbetreuung aufrechtzuerhalten, weil es nicht sein könne, dass es im eigenen Haus eine Betreuung erster und zweiter Klasse gebe. Bei mehr als 800 Kindern, die mittlerweile in der Ganztagesbetreuung seien, gelte es, das Angebot am allgemeinen Bedarf auszurichten, meinte der Erste Bürgermeister und stellte fest: „Individualisierte Angebote sind nicht möglich, wir können keine Minihorte einrichten.“ Ganz davon abgesehen, dass auch die geplanten Umbaumaßnahmen innerhalb der Kita Wirbelwind keinen Aufschub duldeten. Im Übrigen, so Hemmerich, müsse er die Unterstellung der Hort-Eltern, dass die weitgehend auf Freizeitpädagogik ausgerichtete Ganztagesbetreuung per se eine schlechte Betreuungsform sei, zurückweisen. Demgegenüber hatten die Eltern der Stadt zwar „Ansätze, sich mit dem wachsenden Feld der Schuldkindbetreuung auseinanderzusetzen“, attestiert, gleichzeitig aber zu bedenken gegeben, dass sich eine quantitative und vor allem qualitative Verbesserung der Angebote nicht ad hoc und ganz konkret auch nicht bis zum kommenden Schuljahr umsetzen lasse. Was sich zum Beispiel an der Ferienbetreuung zeige. Dass in diesem Zusammenhang immer wieder kritisiert wird, dass die Angebote der SG und der AWO als zu teuer kritisiert werden, kritisierte seinerseits Tim Schopf: „Da unterschätzen manche die Arbeit, die da geleistet wird.“

„Wer A sagt, muss auch B sagen“

In drei Schritten – aktuelle Korrekturen bei der Schulkindbetreuung, Erarbeitung einer Ganztageskonzeption und Umsetzung einer Ganztageskonzeption – will die Stadt den Ausbau der Ganztagesbetreuung beziehungsweise des Ganztagesschulangebots gestalten. „Ich fühle, dass wir mit Ihnen da auf einem guten Weg sind“, bewertete Grünen-Stadtrat Werner Neher im Ausschuss den Verwaltungsvorschlag, der auch von den Fraktionsvorsitzenden Hermann Beutel (CDU) und Gerhard Nickel (FDP/FW), der hofft, dass auch das Land seine Hausaufgaben macht und es im Einvernehmen mit den kommunalen Landesverbänden zu einer neuen gesetzlichen Grundlage für Ganztagesschulen und Betreuungsleistungen an Schulen kommt. Und was den Hort in der Kita Wirbelwind angeht, so könnte man aus Sicht von Nickel „keinen größeren Fehler machen, als die Schließung noch einmal auf den Prüfstand zu stellen“. Eine Verzögerung wäre auch im Hinblick auf die tatsächlichen Auswirkungen nicht gerechtfertigt, meinte der FDP/FW-Fraktionsvorsitzende. CDU-Stadtrat Matthias Härer dankte dem Ersten Bürgermeister ausdrücklich für seine klärenden Worte zum Elternbrief, ohne deshalb in Abrede stellen wollen, dass es durch die Schließung zu Härtefällen kommen kann, die sich vielleicht durch eine bessere Kommunikation zwischen den Beteiligten abmildern oder gar lösen ließen. Bürgermeister Thorsten Englert machte mit Blick auf das, was in Sachen Schulkindbetreuung auf die Stadt zukommt, deutlich: „Wer A zu den Maßnahmen sagt, muss auch B beim Haushalt 2020 sagen.“


Was geplant ist

Zum Schuljahr 2019/20 sollen die Betreuungszeiten an der Schlosswall- und der Künkelin-Schule von Montag bis Freitag durchgängig von 7 bis 17 Uhr ausgedehnt werden.

An der Gottlieb-Daimler-Realschule wird im Anschluss an den Ganztageskorridor von Montag bis Freitag ein nachmittägliches Betreuungsangebot bis 17 Uhr eingerichtet. Das Angebot können auch Schüler des Max-Planck-Gymnasiums nutzen. Alle diese Angebote sind entgeldpflichtig.

Die Ferienbetreuung wird ab 2020 in den Sommerferien von derzeit drei auf vier bis maximal fünf Wochen ausgedehnt. Bereits von 2019 an werden die Kapazitäten bedarfsorientiert von 30 auf 45 Kinder erhöht.

Es soll ein Arbeitskreis Ganztagesschulen gegründet werden. Ziel ist es, dass die Stadt als Schulträger und die Schulleitungen Parameter für die Ganztagesschule entwickeln.