Schorndorf

Schorndorf: Hans Erhardt hat eine Schmiede bis ins kleinste Detail nachgebaut

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Modellhaus
Mit Keller- und Dachgeschoss: Hans Erhardts Miniatur-Fachwerkhaus mit Schmiede hat mittlerweile Deckenhöhe erreicht. © Gabriel Habermann
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Modellhaus Mini-Schmiede Miniaturhaus Schorndorf Weiler Mini-Fachwerkhaus
In der Schmiede wird gearbeitet. © Gabriel Habermann
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Der Pionierschraubstock in der Werkstatt, mit dessen Hilfe Flaschner früher Gewinde in Wasserrohre drehte, ist trotz seiner geringen Größe zusammenklappbar. © Gabriel Habermann
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Blick in die Waschküche des Miniatur-Fachwerkhauses. © Gabriel Habermann

28 Jahre lang lag der Mini-Amboss, den Hans Erhardt in seiner Mechaniker-Lehre bei AEG in Bad Cannstatt anfertigen musste, in der Schublade. Heute ist er das Herzstück einer Schmiede, an deren Auf- und Unterbau der 75-jährige Weilermer in den vergangenen Jahrzehnten so fleißig und ideenreich geschafft hat, dass er jetzt seine eigene Werkstatt aufstocken müsste, um weitermachen zu können: Vor fünf Jahren kamen zur Schmiede im Puppenhaus-Format zwei Stockwerke mit Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bodenkammer dazu. Weil der Schmied dringend einen Keller für seinen Most brauchte, hat Hans Erhardt sich noch einmal ins Zeug gelegt und auch ein Dachgeschoss gebaut, das bis unter die Zimmerdecke reicht.

Damit ist die natürliche Grenze erreicht. Doch Hans Erhardt wäre nicht Hans Erhardt, wenn er nicht noch ein paar Ideen auf Lager hätte: Ein paar Äpfel – aus Fimo-Modelliermasse und grünem Blumendraht – haben in der Hurde im Gewölbekeller sicher noch Platz, ein paar Karotten in der Sandkiste sowieso und auf der Bühne ist’s zwischen den selbst genähten und mit Familiennamen beschrifteten Mehlsäcken noch luftig genug für weiteres Gerümpel. Und ja, sagt Erhardt, „der Geselle könnte in seinem Schlafzimmer auch noch einen Ofen gebrauchen“. Sein Herzensprojekt aufgeben und sich an die Modelleisenbahn machen, die schon seit Jahren auf der Bühne auf ihn wartet, das kann der 75-Jährige noch nicht. Dafür verbindet er mit der Schmiede aber auch einfach zu viel.

Möbel und Werkzeuge: Selbst gemacht und voll funktionstüchtig

Hat doch überhaupt erst seine verstorbene Tochter Steffi den Anstoß für das ganze Projekt gegeben: Beim Anblick des Mini-Amboss’, erzählt Hans Erhardt, habe die damals Vierjährige deutlich mehr erwartet als nur ein blankes Metallstück, nämlich Holz, Hammer, Hufeisen und Zangen, mit denen der Schmied auch schaffen kann. Also hat Erhardt 25 Jahre lang – im Puppenhaus-Format – eine Schmiede mit allem Drum und Dran gebaut. Alle Werkzeuge und Möbelstücke sind – bis auf wenige Ausnahmen – selbst gemacht und voll funktionstüchtig: Hufbeschlagzange, Türen und Schubladen lassen sich öffnen. Die Mini-Sägen sind scharf, der Handbohrer dreht sich tatsächlich. Hätte der Schleifstein mehr Gewicht, er würde sich über das Mini-Pedal antreiben lassen. Der Pionierschraubstock in der Werkstatt, mit dessen Hilfe Flaschner früher Gewinde in Wasserrohre drehte, ist trotz seiner geringen Größe zusammenklappbar. Die Messingkanne und der Mostkrug in der Schmiede sind selbstverständlich wasserdicht. An der Wand lehnen Mini-Schaufel und -Besen. Es gibt einen Blecheimer mit echter Kohle, die in der Esse, rot beleuchtet, glüht. Und drüber, am Abzug, liegt ein Mini-Kreidestückchen bereit, damit der Schmied auch mitzählen kann, wie viele Hufeisen er schon gemacht hat.

Und so, wie auf Anregung seiner zweiten Tochter Sabine die darüberliegende Wohnung mit viel Liebe zum Detail ausgestattet ist, so hat Hans Erhardt in den Kellerräumen und der Bühne weitergemacht: Im Gewölbekeller ist der Boden mit echten Mini-Steinplatten ausgelegt, fürs Gewölbe hat der Tüftler grau bepinselte Styrodur-Steine verbaut. Es gibt eine Kellertreppe mit kunstvoll geschwungenem Handlauf. Und neben dem großen Mostfass steht noch ein kleines Sonntagsfässle für den guten Most, den sich der Schmied zur Feier des Tages auch unverdünnt schmecken lässt. An einem von der Decke baumelnden Holzgestell sind Brote vor hungrigen Mäusen in Sicherheit gebracht und auf dem Regal steht ein Glas mit eingedünsteten Mini-Kirschen aus Fimo.

In der Waschküche hängt eine Unterhose an der Leine

Nicht weniger detailverliebt geht’s nebenan in der Waschküche weiter, wo es nicht nur einen Waschkessel und ein Waschbrett gibt, sondern auch Mini-Seifenstückchen und winzig kleine Wäscheklammern aus Holz. Und auf der Leine hängt sogar noch eine Unterhose zum Trocknen. Ein echter Traumkeller also – in einem Haus, das wegen der Hochwassergefahr am Bronnbach ohne Keller gebaut wurde.

Für die Fachwerk-Fassade und fürs Dachgeschoss hat sich Hans Erhardt, der sich richtig reinfuchsen kann in seinen Bau und enorm viel Geduld aufbringt, aber fachliche Unterstützung geholt, vom Winterbacher Zimmermann Stefan Frey, den er vom Treckerclub kennt: Schließlich sollte nicht nur die Neigung der Holzbalken für die Gefache stimmen, sondern das Dach stabil genug sein für insgesamt 15 Meter verbautes Gebälk und 2384 Dachziegel, die Erhardt eigenhändig mit einer selbst gemachten Form aus roter Fimo-Modelliermasse ausgestochen hat. Rat hat er sich auch für die Beleuchtung in Schmiede, Wohnung und Keller geholt – bei LED-Experte Hans Engelmann aus Winterbach.

Ansonsten hat er sich auf sein Geschick und seine Erinnerungen verlassen: Wie es in einer alten Schmiede aussehen muss, das weiß der 75-Jährige auch deshalb so gut, weil sein Vater in Winterbach Schmied war. Wie dort geschafft wurde, wie die Menschen gelebt haben, das möchte Erhardt der heutigen Generation zeigen, die oft keinerlei Vorstellung von altem Handwerk und dem Leben hat, wie auch seine Großeltern es noch geführt haben. Zum Spielen eignet sich sein Puppenhaus nicht, dafür zum Bewundern umso mehr – durch die Glasscheibe, die Erhardt zum Schutz vor neugierigen Händen angebracht hat.

28 Jahre lang lag der Mini-Amboss, den Hans Erhardt in seiner Mechaniker-Lehre bei AEG in Bad Cannstatt anfertigen musste, in der Schublade. Heute ist er das Herzstück einer Schmiede, an deren Auf- und Unterbau der 75-jährige Weilermer in den vergangenen Jahrzehnten so fleißig und ideenreich geschafft hat, dass er jetzt seine eigene Werkstatt aufstocken müsste, um weitermachen zu können: Vor fünf Jahren kamen zur Schmiede im Puppenhaus-Format zwei Stockwerke mit Wohn- und Schlafzimmer, Küche

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