Schorndorf

Schorndorf: Ideen für weniger Verkehr  und eine bessere Luft

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In Karlsruhe ist ein solcher Kleinbus, der bei Bedarf angefordert wird und von der Gruppe Klimaentscheid beantragt wird, bereits unterwegs © PaulGaertner

Fahrräder und E-Bikes, leise rollende Elektro-Autos und -Kleinbusse, neue Fußgängerzonen und breite Gehwege und dazwischen Autos alter Schule: Wie der Verkehr in Zukunft aussehen wird, ist ungewiss. Doch die Verkehrswende muss kommen, davon sind viele überzeugt. Im Zuge der Haushaltsberatungen hat die SPD deshalb einen Gesamtplan Verkehr beantragt. Um in Schorndorf mehr Lebensqualität zu erreichen, müsse der Verkehr neu gedacht werden, der zur Verfügung stehende Platz für Autos, Fahrräder, ÖPNV und Fußgänger neu geordnet werden, fordern die Sozialdemokraten. Viele Wege könnten gut mit dem Bus, dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden. Doch die Voraussetzungen für den Umstieg sind aus Sicht der SPD nicht optimal. Große, zum Teil nur wenig besetzte Busse, die durch die Straßen fahren, fehlende durchgehende Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen für Radfahrer und zu wenige verkehrsberuhigte Bereiche oder Shared Spaces: Zu tun gibt es nach Ansicht der SPD genug.

Gesamtplan vor den Einzelmaßnahmen 

Das meint auch die Stadtverwaltung. Zwar lehnt sie mangels personeller Kapazitäten die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans ab. Die war bisher für 2025 angedacht und soll nach Ansicht der Verwaltung auch nicht vorgezogen werden. Aus Sicht der Verwaltung soll aber ein Mobilitätskonzept erstellt werden, dessen Erkenntnisse dann in die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans einfließen. Hintergrund: Das Landes-Verkehrsministerium fördert dieses Jahr „Fachkonzepte für nachhaltige Mobilität“, womit 50 Prozent der Gesamtkosten gesponsert werden sollen. Die SPD zeigte sich damit zufrieden: „Gut, dass wir quasi die Zustimmung bekommen“, befand Jürgen Erdmann. Seiner Fraktion sei es wichtig, eine Gesamtplanung zu haben, bevor Einzelmaßnahmen beschlossen werden. Anträge zum ÖPNV, zum Rad- und Autoverkehr haben im Rahmen der Etatberatungen auch die anderen Fraktionen und Gruppen gestellt. Über alle Anträge wird im Gemeinderat final am 25. März entschieden. Unter anderem geht es darum:

  • Die Gruppe Klimaentscheid Schorndorf wünscht sich ein 365-Euro-Ticket im Schorndorfer Stadtgebiet, außerdem einen verdichteten Fahrplantakt und bessere Anbindungen. Mit dem Ticket sollen Bürger das ganze Schorndorfer Netz und wenn möglich das Netz darüber hinaus nutzen können. Um dies zu erreichen, sollen Verhandlungen mit dem Landkreis geführt werden. Nach Ansicht von Bürgermeister Thorsten Englert ist das Ticket „eine tolle Sache“, die aber an den Kosten scheitert. „Wir können es uns nicht leisten. Irgendwo müssen wir Prioritäten in der Stadt setzen“, sagte er – worauf sich Kirsten Katz (Grüne) empört zu Wort meldete: „Mir platzt schier der Kragen“, erklärte sie. Der ÖPNV müsse priorisiert und was anderes gekürzt werden. Dass das 365-Euro-Ticket in absehbarer Zeit kommen wird und kommen soll, meint auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Das Ticket sei Thema bei den Grünen, der SPD und der CDU im Land. Eine kommunale Aufgabe sieht Klopfer darin nicht, zuständig seien das Land und die Region. Sinnvoll findet er die Einführung eines Stadttickets: Dieses kostet drei Euro und gilt einen Tag und am Folgetag bis sieben Uhr im Stadtgebiet.
  • Die schlechte ÖPNV-Verbindung in Mannshaupten beklagt der Ortschaftsrat Schornbach. Während Mannshaupten vom ÖPNV abgekoppelt sei, sei aber relativ regelmäßig ein VW-Bus unterwegs, der die Schüler nach Schornbach bringt, wo sie in den Bus nach Schorndorf einsteigen. Weil im VW-Bus meist noch Platz sei, doch die Älteren von Mannshaupten laut Ortsvorsteherin Sandra Sachse gar nicht wegkommen, soll dem Antrag des Ortschaftsrats zufolge die Stadt beim Landratsamt die Genehmigung einholen, dass auch Nicht-Schüler mitfahren dürfen. Nach Angaben von Bürgermeister Thorsten Englert hat die Verwaltung bereits Kontakt aufgenommen. „Wir laden einen Vertreter des Landratsamts ein“, schlug er vor. „Einfach machen“, meinte dagegen CDU-Fraktionschef Hermann Beutel. „Das muss einfach umgesetzt werden, da spricht nichts dagegen.“
  • Deutlich weiter geht die Gruppe Klimaentscheid. Sie fordert, in den Stadtteilen abends und am Wochenende Kleinbusse einzusetzen, die nicht nach Fahrplan fahren, sondern bei Bedarf über eine App angefordert werden. In Karlsruhe sind solche „Busse on demand“ bereits im Einsatz. Fahren sollten sie in Schorndorf dem Antrag zufolge ab dem Fahrplanwechsel 2021/22. Die Verwaltung hat den Antrag aus Kostengründen zurückgewiesen: Ein Rufbussystem sei derzeit nicht finanzierbar. Zudem seien Apps zur Busanforderung vor allem bei älteren Bus-Nutzern unbeliebt.
  • Um die Auslastung der Bahn zu verbessern, will die CDU den Betrieb eines P&R-Parkhauses in der Heinkelstraße prüfen lassen. Angesichts der Debatte um Luftreinhaltung gewinne die Möglichkeit, das Auto abzustellen und in den ÖPNV einzusteigen, an Bedeutung, so die CDU in ihrem Antrag. Ein Parkhaus sei aber auch nötig, wenn autonome Fahrzeuge auf den Markt kommen, weil diese zum Laden der Akkus nachts abgestellt werden müssten. Zudem werde der Parkdruck durch die Bebauung des Pfleiderer-Areals zunehmen. „Die Hoffnung, dass viele Menschen aufs Fahrrad und Bus umsteigen, wird sich so schnell nicht erfüllen, da die Menschen ein hohes Bedürfnis nach individueller Mobilität haben“, so die CDU. Tatsächlich wäre nach Angaben der Stadtverwaltung der Bau eines Parkhauses an der Heinkelstraße mit 390 Parkplätzen möglich. Allerdings seien P&R-Parkhäuser mit den heutigen Förderbedingungen Zuschussbetriebe und könnten nicht profitabel betrieben werden. Und auch wenn die Garage kein reines P&R-Parkhaus, sondern auch eins für Kurzzeitparker werden würde: Eine schwarze Null, wie von Hermann Beutel erhofft, wird es nach Ansicht des Oberbürgermeisters nie geben. „Parken wird permanent subventioniert“, sagte er. Den Sinn des P&R-Parkhauses zog er generell in Zweifel: „Warum sollte man in Schorndorf Steuergelder ausgeben, die die Pendler aus Plüderhausen einladen?“

Fahrräder und E-Bikes, leise rollende Elektro-Autos und -Kleinbusse, neue Fußgängerzonen und breite Gehwege und dazwischen Autos alter Schule: Wie der Verkehr in Zukunft aussehen wird, ist ungewiss. Doch die Verkehrswende muss kommen, davon sind viele überzeugt. Im Zuge der Haushaltsberatungen hat die SPD deshalb einen Gesamtplan Verkehr beantragt. Um in Schorndorf mehr Lebensqualität zu erreichen, müsse der Verkehr neu gedacht werden, der zur Verfügung stehende Platz für

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