Schorndorf

Schorndorf: Künstler Valentin Vitanov zeigt Arbeiten in Galerie „Feuer & Flamme“

Valentin Vitanov
Der in Fellbach lebende Künstler Valentin Vitanov in der Galerie „Feuer & Flamme“. © privat

Dass die Kunst immer auch ein stark vermintes, politisches Kampfgebiet ist, das wird an Werk und Biografie von Valentin Vitanov exemplarisch anschaulich. Der 1949 in Kyustendil/Bulgarien geborene Künstler absolvierte eine klassische Ausbildung in Malerei und Grafik im damaligen „Ostblock“-Staat unter dem Diktat des „Sozialistischen Realismus“. Abstraktion wurde dort unter dem Verdikt eines westlich „dekadenten Formalismus“ geahndet - und verboten. Während spiegelbildlich im Westen figürliche Malerei im Ruch des Reaktionären stand. Realismus machte hier Angst. Man hatte schließlich eine Vergangenheit zu vergessen, die sehr „real“ war, und flüchtete sich in allzu oft dekorative Stimmungsbilder, deren Modernität das Kippbild von Verdrängung war.

Die Zumutung, etwas bedeuten zu müssen

Valentin Vitanov hat in seiner Künstlerlaufbahn beide Pole der artistischen Positionsbestimmung durchmessen. Er war durchaus nicht erfolglos in seinem Heimatland, war dort Preisträger bei Ausstellungen. Aber seit 1990 lebt und arbeitet er in Deutschland, wohnt in Fellbach und widmete sich zunächst der zuvor verbotenen Frucht der Abstraktion: dem Widerstand der Künste gegenüber der Zumutung, etwas abbilden und bedeuten zu müssen. Das hat bei ihm lange angehalten.

Dann aber, heißt es in der informativen Pressemitteilung zur Ausstellung in „Feuer & Flamme“ von Alex Schenk, trat für ihn eine erneute künstlerische Umkehr ein. „Nach gut zehn Jahren abstrakter Malerei spürte er eine Sehnsucht nach der figurativen, gegenständlichen Malerei und hat sich dem ‘Neo-Realismus’ oder dem ‘neu gefundenen Realismus’ gewidmet.“ Ja, was nun? Ist der Künstler nun ein Renegat und Opportunist des (westlichen) Marktes geworden? Was ist in der einmal mehr pointiert von Alex Schenk kuratierten Ausstellung zu sehen? Wir staunen. Zum Beispiel über prallfarbige Strand- und Meeresbilder von verstörender Kälte. Die Farbe „Rot“ bei Vitanov, die eigentlich für glühende Wärme stehen müsste, strotzt bei ihm mit abweisender Kälte. Seine Strandbilder, komponiert aus Fotografien, die inzwischen die spontanen Zeichnungen früherer Künstlergenerationen ersetzt haben, sind Stillleben mit zugeklappten Schirmen oder beziehungslos monadischen Badegästen, die dann doch in abstrahierenden Raumschlieren keinen realen Ort mehr behaupten können. Das Meer erscheint bei Vitanov als abweisendes Abstraktum, das keine Erfrischung verspricht. Kein Urlaubsbild, stattdessen ein abweisender Ort. Hier ist jeder für sich allein, gespiegelt und verloren im Wischen auf den glatten Surfwellen des Smartphones.

„Niemand kann dir die Freiheit nehmen“

Das Faszinierende an den neuen Arbeiten von Valentin Vitanov ist, dass er abstrahierende und realistische Mal-Gesten auf seinen Gemälden so zu überblenden weiß, dass sich die Frage der Körper in Raum und Zeit neu zu stellen vermag. Es wird der migrantischen Biografie des Künstlers geschuldet sein, dass er uns, die Betrachter, mit unserer eigenen Ort-Losigkeit in verstörenden Farb-Temperaturen konfrontiert.

Glühen wir noch? Oder sind wir schon kalte, totgeronnene Bilder unserer selbst? Realismus oder Abstraktion? Was für eine Gespenster-Frage! „Wir sind beschäftigt mit Vergangenheit und Zukunft“, klagt Vitanov, „aber die Gegenwart ist das Leben, wir leben nur in diesem Moment!“

„Ich wollte frei sein. Niemand kann dir die Freiheit geben oder nehmen. Du selbst bist zuständig“, sagt Valentin Vitanov. Die Ausstellung in „Feuer & Flamme“ lädt dazu ein, das zu überprüfen.

Dass die Kunst immer auch ein stark vermintes, politisches Kampfgebiet ist, das wird an Werk und Biografie von Valentin Vitanov exemplarisch anschaulich. Der 1949 in Kyustendil/Bulgarien geborene Künstler absolvierte eine klassische Ausbildung in Malerei und Grafik im damaligen „Ostblock“-Staat unter dem Diktat des „Sozialistischen Realismus“. Abstraktion wurde dort unter dem Verdikt eines westlich „dekadenten Formalismus“ geahndet - und verboten. Während spiegelbildlich im Westen figürliche

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper