Schorndorf

Schorndorf leistet sich eine neue Stadtbücherei für 8,5 Millionen Euro

Neue Stadtbücherei
So soll die neue Bücherei – mit dem kubusförmigen Anbau – am Spitalhof von innen aussehen. Baubeginn ist für Frühjahr 2023 geplant, Einzug für Ende 2024. © Ippolito Fleitz Group Stuttgart

Die Entscheidung ist gefallen: Schorndorf leistet sich eine neue Stadtbibliothek. Als Generalübernehmer realisiert die Schatz Projectbau GmbH den Umbau in der ehemaligen Meierei am Spitalhof zu einem Festpreis von 8,5 Millionen Euro. Nach einem klaren Bekenntnis von Oberbürgermeister Bernd Hornikel und Erstem Bürgermeister Thorsten Englert, einer flammenden Rede von Büchereileiterin Marianne Seidel, vielen begeisterten Wortmeldungen, aber auch einiger Kritik vor allem an der Finanzierung des Projekts, hat der Gemeinderat in einer namentlichen Abstimmung für den Neubau votiert – mit 20 Ja-, acht Neinstimmen und zwei Enthaltungen. Die Stadträte Ulrich Bußler (AfD), Werner Neher (GLS) und Sissy Lamm (FDP/FW) haben bei der Sitzung entschuldigt gefehlt.

Ob die 80er-Jahre-Bücherei am Stadtpark einer Großen Kreisstadt noch würdig ist oder ob Schorndorf wirklich eine neue Bibliothek braucht, diese Diskussion wird schon seit Jahren geführt. 2016 hat der Gemeinderat den ersten Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefasst, 2019 sich auch das neu gewählte Gremium mehrheitlich für die neue Bücherei ausgesprochen – vorausgesetzt, die Stadtverwaltung kann garantieren, dass der Kostenrahmen von 11,4 Millionen Euro nicht überschritten wird. Diese Hausaufgabe, betonte Erster Bürgermeister Englert in der Sitzung am Donnerstagabend, habe die Stadtverwaltung geliefert.

Mehr Frequenz für die Innenstadt, Raumgewinn für die VHS

Doch es spricht für Englert noch viel mehr für den Neubau: So soll die Bücherei am Spitalhof nicht nur deutlich größer sein, sondern mehr Frequenz in die Innenstadt bringen und der Volkshochschule – in den jetzigen Räumen der Bücherei – weitere Kursräume verschaffen. Obendrein bekommt Schorndorf endlich eine zeitgemäße Bücherei, die aus Sicht von Büchereileiterin Marianne Seidel als „herausragender Ort den Menschen das Leben leichter, vielfältiger und interessanter machen soll“. Sie sieht in ihr einen Ort der Bildung, der Kultur und Teilhabe und einen Ort der Begegnung – vor allem für Familien mit Kindern, für Multiplikatoren aus Schulen und Kindergärten und künftig auch für Menschen ab 60, die bisher kaum Interesse an der in die Jahre gekommenen Bücherei gezeigt haben.

Ein Jahr lang hat sie mit ihrem Team an einer Konzeption gearbeitet, die zu Schorndorf passt. Davon hat sich nicht nur OB Hornikel, der im Wahlkampf noch unentschieden war, überzeugen lassen. Großes Lob für diese Arbeit gab es quer durch alle Fraktionen: Obwohl die CDU ihrem favorisierten Bücherei-Standort am Stadtpark noch hinterhertrauert, „als guter Demokrat“, betonte Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel, stimme er zu – auch wenn die Hälfte seiner Fraktion den Neubau in der Abstimmung nicht mittragen konnte. In einem aber sind sich alle Christdemokraten einig: Die Parkplätze auf dem Archivplatz müssen trotzdem erhalten bleiben.

Restlos begeistert von dem Büchereikonzept zeigte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Schopf – auch wenn seine Fraktion ursprünglich den Standort am Güterbahnhof favorisiert hatte. Auch Grünen-Chef Ulrich Kost sprach sich uneingeschränkt für die Neubaupläne aus, regte allenfalls an, dass eine Begrünung nicht nur dem würfelförmigen Anbau – „dem Affenfelsen“ – guttun würde, sondern auch der Innenstadt. Und FDP/FW-Fraktionsvorsitzender Gerhard Nickel zitiert sogar den italienischen Schriftsteller und Semiotiker Umberto Eco, um seiner Begeisterung für die neue Bibliothek Ausdruck zu verleihen.

Landeszuschuss bisher nur in Aussicht gestellt

Mit Lars Haise, dem fünften Fraktionsvorsitzenden in der Rednerliste, war’s dann vorbei mit den Lobeshymnen: Der AfD-Stadtrat, der mit seinem Fraktionskollegen Franz Laslo gegen den Neubau stimmte, vermisst nicht nur den Aspekt der Inklusion in der Büchereikonzeption (den Marianne Seidel aber schon in der alten Bücherei verwirklicht sieht), sondern kritisierte mangelnde Nachhaltigkeit – vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten. Dass Zuschüsse in Höhe von 5,3 Millionen Euro bisher nicht bewilligt, sondern vom Land nur in Aussicht gestellt sind, hält er – im Gegensatz zur Verwaltungsspitze – für ein nicht zu kalkulierendes Risiko. Ebenso die Tatsache, dass angesichts rasant steigender Baupreise mit dem Generalübernehmer ein Festpreis vereinbart wurde. Ein Risiko, das die Schatz Projectbau GmbH aber offenbar bereit ist, zu tragen: Die Verhandlungen mit dem Bestbieter, führte Dr. Frank Meininger als juristischer Berater der Stadt im Vergabeverfahren aus, seien nicht in den letzten Jahren, sondern aktuell geführt worden.

Angesichts der angespannten Finanzsituation und der Tatsache, dass Schorndorf bereits die Aufwendungen für den Unterhalt seiner bestehenden Gebäude um 50 Prozent reduziert hat, ist Alleinstadtrat Andreas Schneider überzeugt: Auch wenn ihm das Konzept der neuen Stadtbücherei gefällt, „wir können’s uns nicht leisten“. Gerade im Hinblick auf den Ukraine-Krieg hält er es für wichtiger, in den Bevölkerungsschutz und ins DRK zu investieren. Und noch etwas sieht Schneider kritisch und stimmte darum mit Nein: Die um 450.000 Euro höheren Personal- und Unterhaltskosten im Jahr für die neue Bücherei müssen anderswo eingespart werden. „Ich glaube nicht, dass wir weiterhin im Kulturbereich und in den Teilorten so großzügig bleiben können.“

Kritik an hohen Folgekosten und Angst vor wegfallenden Parkplätzen

Wegen der hohen Folgekosten, der noch nicht garantierten Fördersumme und weil er nicht daran glaubt, dass eine Bücherei den Einzelhandel in der Innenstadt retten kann, stimmte CDU-Stadtrat Manfred Bantel gegen die neue Bücherei. Wie sein Fraktionskollege Thomas Schaal, der mit Iris Greiner und Julia Schilling ebenfalls mit Nein stimmte, sieht Bantel die Parkplätze im Spitalhof in Gefahr. Ganz anders CDU-Rat Max Klinger, der sich in einer engagierten Bücherei-Rede gegen den Vorwurf verwehrte, hier würde Geld verblasen. Stattdessen kritisierte er den „populistischen Sparsamkeitsauftrag“ und die „kleinkrämerische Herummäkelei“ der Kritiker. Ins gleiche Horn stieß SPD-Rat Hans-Ulrich Schmid, der sich entschieden für eine neue Bücherei aussprach und überzeugt ist, dass die Investition in Bildung ums Zigfache zurückkommen wird: „Mit Erbsenzählern kommen wir in Schorndorf nicht weiter“. Sich derart beschimpfen zu lassen, dagegen verwehrte sich CDU-Rätin Julia Schilling und erinnerte daran, dass in einer Demokratie auch andere Meinungen gehört werden müssen (was zu einer kurzen Wallung zwischen rechter und linker Seite des Gremiums über eine respektvolle Debattenkultur führte).

Zuvor hatte FDP/FW-Rat Peter Schwan noch begründet, warum er sich der Stimme enthalten werde: Obwohl er grundsätzlich für die neue Bücherei ist, fehlt ihm im Konzept eine Fotovoltaikanlage – was das Denkmalamt nicht zulässt – und eine alternative Heizungsanlage. Entschieden gegen das Projekt stimmte indes Grünen-Rätin Kirsten Katz, weil sie nicht glaubt, dass Schorndorf sich die Folgekosten wird leisten können. Auf Katz’ Kritik, dass die Konzeption die jungen Erwachsenen und Berufstätigen als Zielgruppe völlig außer Acht lässt, entgegnete Büchereileiterin Marianne Seidel: „Die Bibliothek ist für alle da.“ Doch junge Erwachsene brauchen aus ihrer Sicht eben eher eine Hochschul- oder Spezialbibliothek für ihre Ausbildung als eine Stadtbücherei.

Die Entscheidung ist gefallen: Schorndorf leistet sich eine neue Stadtbibliothek. Als Generalübernehmer realisiert die Schatz Projectbau GmbH den Umbau in der ehemaligen Meierei am Spitalhof zu einem Festpreis von 8,5 Millionen Euro. Nach einem klaren Bekenntnis von Oberbürgermeister Bernd Hornikel und Erstem Bürgermeister Thorsten Englert, einer flammenden Rede von Büchereileiterin Marianne Seidel, vielen begeisterten Wortmeldungen, aber auch einiger Kritik vor allem an der Finanzierung des

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