Schorndorf

Schorndorf: Mit Schal in den Gottesdienst? Kirchen drehen Heizung runter

Frieren in der Kirche
Nur noch mit Schal, Mantel, Handschuhe und Mütze in die Kirche? – In der Schorndorfer Stadtkirche soll keiner frieren, es werden beispielsweise bei Bedarf Decken verteilt. © Weirauch

Es ist das Gebot der Stunde, nicht nur in Schorndorf: Energiesparen. Wo auch immer man sich diesen Winter aufhält, man sollte warm angezogen sein. Auch in den Gotteshäusern ist es kühler geworden. Muss man in der Adventszeit und zu Heiligabend etwa in der Kirche frieren? „Wir fahren so langsam mit den Temperaturen zurück“, sagt Pfarrerin Dorothee Eisrich, evangelisches Pfarramt West der Stadtkirchengemeinde Schorndorf. Schon im Herbst habe man die Temperatur auf etwa 15 Grad Celsius gedrosselt. „Und nun stellen wir nach dem Kirchengemeinderatsbeschluss bis Silvester die Temperatur so um die zwölf Grad ein – also immerhin noch im zweistelligen Bereich.“

Das passt zur Anregung der evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg. Sie empfehlen Temperaturen zwischen zehn und zwölf Grad. Die Diözese Rottenburg Stuttgart gibt vor – übrigens auch zum Schutz der Orgel und des Inventars: Die Grundtemperatur sollte bei fünf Grad Celsius liegen, die Nutzungstemperatur bei etwa 13 Grad, und das „Auf- und Abheizen bei maximal ein Grad Celsius pro Stunde“.

„Menschen sind dankbar, dass Gottesdienste überhaupt stattfinden“

Aber was sagen die Kirchenbesucher? Gehen sie nur noch mit Mantel, Schal und Mütze in den Gottesdienst? Oder kommen sie womöglich gar nicht mehr ins Gotteshaus? „In größeren Kirchengebäuden ist es sowieso meist kühl, eine so große Umstellung ist das gar nicht. Sie wird einem nur bewusster gemacht, indem man es mehr als einmal kommuniziert, dass es in der Kirche kalt ist und die Heizung runtergedreht wird“, sagt eine Schorndorferin, die oft in den Gottesdienst geht.

„In der Stadtkirche war es schon immer kälter als in anderen Kirchen und der Mantel beziehungsweise die Jacke wurde anbehalten – im Gegensatz zur Versöhnungs- oder Pauluskirche, die ganz anders beheizt sind und wo man sich den Mantel auszieht“, sagt Ute Ott. Sie selbst ist regelmäßig in der Kirche und hat als Kirchengemeinderätin auch viel Kontakt zu den Gottesdienstbesuchern. „Die Menschen sind es gewohnt, dass es in der Kirche kalt ist – das war es früher auch.“ Die Kirchgänger würden es annehmen, wie es ist. Ott weiß: „Die Menschen, vor allem die älteren, sind dankbar, dass überhaupt Gottesdienste stattfinden – vor allem nach der Corona-Zeit.“

Stadtkirche Schorndorf setzt Heizstrahler ein

Und gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit werde Wert auf diesen „sakralen Raum“ gelegt.

„Wir fühlen uns verantwortlich, etwas zu tun. Es ist Zeit zu handeln“, fügt Dorothee Eisrich an. Ja, es sei eine Umstellung für jeden. Aber in der Kälte lässt die Pfarrerin niemanden sitzen: „Wer friert, bekommt eine Decke. Wir wollen ja, dass sich die Kirchenbesucher wohlfühlen und es soll auch keiner krank werden.“

Zudem gebe es im Vorderbereich der Stadtkirche Heizstrahler, die auch demenstprechend angepasst werden und gezielt wärmen, ohne den ganzen Kirchenraum zu beheizen. Auch wenn sich die Gesichtshaut etwas kalt anfühlen würde, „im vorderen Drittel sind die Bänke gut warm“, ergänzt Ute Ott.

Das Ulmer Münster hat gar keine Heizung

„Wir sind in diesem Punkt eigentlich gut dran – das Ulmer Münster beispielsweise hat gar keine Heizung.“ Was aber trotzallem schon etwas angepasst wurde, um zu verhindern, dass die Menschen zu Hause bleiben: Die Gottesdienstzeiten werden laut Eisrich etwas kürzer gehalten.

„Entsprechend den diözesanen Regelungen liegt die Grundtemperierung der Kirche bei zehn bis zwölf Grad. Zudem ist während der Gottesdienste eine Bankheizung eingeschaltet und es besteht die Empfehlung, sich etwas wärmer anzuziehen“, sagt auch Pfarrer Wolfgang Kessler, Seelsorgeeinheit Rems-Mitte (katholische Kirchengemeinde Heilig Geist).

Strom und Gas sparen: Kirche will sich beteiligen

Energiesparen – das sei immer sinnvoll, sagt Jürgen Schmidt. Für den 58-Jährigen ist es die logische Konsequenz, dass „wir als katholische Kirche Schorndorf beim Energiesparen mitmachen“. Auch unter dem Aspekt „Bewahrung der Schöpfung“ sei es unumgänglich. Schmidt: „Für mich wäre es befremdlich, wenn wir in der Kirche die Heizung nicht drosseln würden. Ich persönlich unterstütze das.“ Reduzieren heiße nicht abschalten: Viele Menschen reduzieren privat ihre Heizung; die Firmen senken die Bürotemperaturen ab. „Ich sehe keinen Grund, weshalb die Kirche sich herausnehmen sollte.“ Er selbst sei nicht „so verfroren“ und andere hätten vielleicht mal „nur kalte Hände“. Vielleicht friere man mehr, wenn der Winter strenger werden würde. Aber auch in der Heilig-Geist-Kirche sind die vorderen Bankreihen beheizt.

Dass in den kommenden Monaten vielleicht weniger Leute in die Kirche kommen, sei zwar nicht auszuschließen, aber derzeit nicht zu erkennen. Eine Akzeptanz sei doch mehr als erkennbar. „Ich glaube nicht, dass wegen der Heizdrosselung weniger Menschen in die Kirche kommen. Für den Weg zur Kirche zieht man sich ja auch wärmer an“, so Jürgen Schmidt.

Option: eine „Winterkirche“

Eine weitere Möglichkeit, um es etwas wärmer zu haben, wird ins Auge gefasst: Die evangelischen Landeskirchen schlagen unter anderem „Winterkirchen“ vor. Das bedeutet: Die Gottesdienste können statt in der Kirche in den besser beheizbaren Gemeindehäusern stattfinden. Auch das könnte ein Thema in Schorndorf sein, sagt Dorothee Eisrich. „Ob das für uns eine Option ist, werden wir im Dezember entscheiden.“

Es ist das Gebot der Stunde, nicht nur in Schorndorf: Energiesparen. Wo auch immer man sich diesen Winter aufhält, man sollte warm angezogen sein. Auch in den Gotteshäusern ist es kühler geworden. Muss man in der Adventszeit und zu Heiligabend etwa in der Kirche frieren? „Wir fahren so langsam mit den Temperaturen zurück“, sagt Pfarrerin Dorothee Eisrich, evangelisches Pfarramt West der Stadtkirchengemeinde Schorndorf. Schon im Herbst habe man die Temperatur auf etwa 15 Grad Celsius

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