Schorndorf

Schorndorf: Modedesignerin Verena Daiß macht exklusive Mode für ein gutes Gefühl

Verena Daiß
Ihren Traum vom eigenen Modelabel hat sie sich erfüllt: Unternehmerin Verena Daiß (41). © Gabriel Habermann

Sie liebt natürliche Stoffe wie Leinen und Hanf, außerdem außergewöhnliche Materialien wie „gewaltfreie Seide“ oder veganes Weinleder, das aus den Schalen, Kernen und Stielen von Trauben besteht. Zeitloser Chic ist ihr Markenzeichen, Kleider, die sich nicht nur auf der Haut gut anfühlen, sondern auch mit gutem Gewissen getragen werden sollen. Dafür hat die Schorndorferin Verena Daiß ihren gut bezahlten Job in der Modeindustrie aufgegeben und sich mit einem eigenen Modelabel selbstständig gemacht. „Ich konnte das nicht mehr vertreten“, sagt die 41-Jährige. Im Dezember eröffnete sie in Haubersbronn unter dem Label Laurine ihre eigene Modelinie.

Mit den Freundinnen zum Privatshopping kommen

„Für mich war schon immer klar, dass ich mich selbstständig machen will“, erzählt Verena Daiß. In einer ruhigen Seitenstraße in Haubersbronn hat sie ihr Geschäft eröffnet, in die Innenstadt, sagt sie, habe sie nicht gewollt. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht bei ihr, auch keine Ladentür und keine Schaufenster. „Ich kenne viele, die Service und Individuelles suchen. Da hat sich etwas verändert.“ In kleinen Gruppen können Frauen nach Anmeldung zu ihr zum Privatshopping kommen, gemeinsam in entspannter Atmosphäre Oberteile und Jacken anprobieren, sich beraten lassen und dann die Teile bestellen. „Die Sachen werden dann für diese Person genäht“, erklärt Verena Daiß. Termine vergibt sie auf Anfrage. Infos und Kontaktdaten sind im Internet unter www.laurine.de zu finden.

Die Kollektion wird ständig erweitert

Schlicht und schnörkellos ist ihr Showroom, und genau so ist auch ihre Mode. „Klassisch-klar“ nennt sie ihren Stil selbst. Noch hängen nur etwa 20 ausgewählte Stücke auf den Stangen, doch die Kollektion wächst jeden Tag. Sie entwirft die Teile und die Schnitte, das Nähen übernimmt eine Damenschneiderin aus der Nachbarschaft in Haubersbronn.

Verena Daiß hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Schon als Kind war sie von Mode und Stoffen begeistert. „Ich habe mich verkleidet und mich aus dem Kleiderschrank meiner Mutter bedient“, erzählt sie lachend. Sie setzte sich an die Nähmaschine ihrer Mutter und schneiderte daraus erste Kleidungsstücke. Die Leidenschaft blieb. Nach der Modeschule studierte sie in Albstadt Bekleidungstechnik und fand dann als Ingenieurin Arbeit in der Modeindustrie. „Ich habe Abteilungen geleitet, war viel im Ausland“, erzählt sie.

Immer mehr, immer billiger: Das wollte sie nicht mehr

Heute empfindet sie das um sich greifende Outsourcing der Textilindustrie ins Ausland als nicht mehr tragbar. Als sie anfing, habe es noch mehrere Produktionsstätten im Inland gegeben, sagt sie, doch die Zahl dieser Unternehmen ging immer mehr zurück. Sie sah, dass immer billiger und zulasten der Umwelt produziert wurde – das war irgendwann nicht mehr ihr Ding. Zumal dabei aus ihrer Sicht auch das Know-how des Textilhandwerks verloren ging, das ihr besonders wichtig ist.

Das Material steht im Vordergrund

„Meine Idee: Das Material steht im Vordergrund. Ich versuche, die Ressourcen aus dem Umfeld zu aktivieren.“ So setzt sie für ihre Jacken auf Hanf und Zellulose, für Pullis auf Alpaka und Schurwolle von der Alb. Ihre Blusen verarbeitet sie aus „gewaltfreier Seide“, bei der die Bäume der Seidenraupe nicht mit Chemikalien behandelt werden und die Raupe aufgrund des speziellen Verfahrens nicht sterben muss. Statt getötet zu werden, können sich diese Raupen zu Schmetterlingen entwickeln. Bei ihren Blusen achtet sie auf ausgefallene Details wie feine Glasknöpfe, die in einer deutschen Glasmanufaktur hergestellt werden. Massenware in saisonal angesagten Farben und Formen wird man bei ihr vergeblich suchen – das hat seinen Preis. Rund 250 Euro kostet eine Bluse der Marke Laurine, die dafür aber nachhaltig produziert ist und als klassisch-zeitloses Stück lange getragen werden soll.

Was sie entwirft, trägt die Mutter einer Tochter auch selbst. Sie selbst setzt eigenen Worten zufolge lieber auf weniger, aber auf hochwertige Teile im Kleiderschrank. Bequem, zeitlos und langlebig soll ihre Mode sein. Und nicht wie so vieles aus Billigproduktionen nach kurzer Zeit im Kleidersack landen. Statt auf der einfachen Nähmaschine ihrer Mutter arbeitet Verena Daiß nun auf einer teuren Industrienähmaschine, an der sie die Prototypen anfertigt. Aktuell arbeitet sie an einer Hose, ein Kleid soll in Kürze folgen. Kein Wunder - liebt sie selbst doch schwingende Kleider ganz besonders.

Ein Start-up braucht einen langen Atem

In ihre Werkstatt und den Showroom hat sie viel investiert, auch die Materialien kosten „ein Heidengeld“. Dass sie einen langen Atem für ihr Start-up braucht, weiß sie genau. Aber irgendwann, ist sie überzeugt, werde sie von ihrem Label leben können.

Sie liebt natürliche Stoffe wie Leinen und Hanf, außerdem außergewöhnliche Materialien wie „gewaltfreie Seide“ oder veganes Weinleder, das aus den Schalen, Kernen und Stielen von Trauben besteht. Zeitloser Chic ist ihr Markenzeichen, Kleider, die sich nicht nur auf der Haut gut anfühlen, sondern auch mit gutem Gewissen getragen werden sollen. Dafür hat die Schorndorferin Verena Daiß ihren gut bezahlten Job in der Modeindustrie aufgegeben und sich mit einem eigenen Modelabel selbstständig

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