Schorndorf

Schorndorf: Stress und Verwirrung wegen neuer Regeln für Corona-Test

Coronatestkation
Für die Tests werden Bürger und Bürgerinnen künftig zur Kasse gebeten. © Gaby Schneider

Die kostenlosen Schnelltests waren lange Zeit ein wesentliches Mittel, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen – das ist nun vorbei. Weil die Tests den Bund laut Gesundheitsminister Karl Lauterbach zuletzt eine Milliarde Euro im Monat gekostet haben, müssen die Bürgerinnen und Bürger seit 30. Juni selbst dafür bezahlen: allerdings nicht alle und nicht alle gleich viel. Ein heilloses Durcheinander befürchtet der Schorndorfer Apotheker Thorsten Leiter angesichts der verworrenen Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium. Schon jetzt würden die Apotheken beim Corona-Schutz als „universelle Auskunftsstellen“ genutzt. „Wir werden zum Beispiel gefragt, welcher Test für einen Flug mit Singapur Airlines nötig ist“, sagt er. Gut möglich, dass der Infobedarf in Sachen Corona-Tests in nächster Zeit steil ansteigen wird. Denn die Verwirrung ist groß: „Es gibt so viele Untergruppen“, klagt Leiter. „Manche Leute zahlen den Test ganz, manche drei Euro, für manche ist er komplett gratis. Und jeder muss einen Nachweis erbringen.“ Doch welchen? Und woher? Das stresst die Bürger. Und nervt die Apotheker und ihre Mitarbeiter, die das ganze Regelwerk auch erst mal verstehen müssen.

Was sind nochmals die neuen Regeln?

Generell gilt: Wer sich ohne Anlass testen lassen will, muss für den Test bezahlen. Doch für „vulnerable Gruppen“ bleibt er kostenlos. Dazu gehören Kinder bis fünf Jahren; Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können; Menschen, die nach einer Infektion einen negativen Beleg brauchen; Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel; Besucher von Krankenhäusern und Pflegeheimen; Haushaltsangehörige von Infizierten; Menschen, die zu Hause gepflegt werden; pflegende Angehörige und Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe.

Nachweise sind nötig

Wer einen Gratistest möchte, muss das nachweisen können. Am besten mit offiziellen Dokumenten wie einem Mutterpass oder Attest. Doch noch, sagt Thorsten Leiter, müssten sich seine Mitarbeiterinnen oft auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen. Denn wer kann zum Beispiel spontan nachweisen, dass er zu Hause seinen alten Vater betreut oder am Abend die Oma im Pflegeheim besuchen möchte? Im Moment, sagt der Apotheker, müsse in solchen Fällen eine glaubhafte Versicherung des Kunden einfach reichen.

Und wer zahlt drei Euro für den Corona-Test?

Leichter haben es da Menschen, die mit einer roten Warnung auf ihrer Corona-App in die Apotheke kommen. Der Nachweis ist klar, den Test bekommen sie für drei Euro. Dasselbe zahlen Personen, die an einer Veranstaltung im Innenraum teilnehmen oder Personen über 60 Jahren besuchen wollen. Für beides reicht wiederum eine Selbstauskunft.

"Ein politischer Kompromiss"

Klingt kompliziert und ist es auch. „Es macht Mitarbeitern und Kunden keinen Spaß“, ärgert sich Leiter, für den die Neuregelung ein typischer politischer Kompromiss ist. „Das kannst du bald nicht mehr leisten“, sagt er. Besonders deprimierend findet er es, dass die Neuregelung nur einen Tag vor Inkrafttreten bekanntgemacht worden ist und es für die Apotheken keine Vorlaufzeit gab. „Mit mehr Spielraum hätten wir mehr Zeit gehabt, unsere Kunden zu informieren.“ Gerne hätte er zum Beispiel Menschen informiert, die ihre Angehörigen im Pflegeheim besuchen wollen und sich das vom Heim auf einem Formblatt bestätigen lassen können. Dazu müssten sie die Regelung aber kennen. „Ich verstehe, dass man Kosten sparen und mehr Kontrolle will, weil manche Teststellen betrogen haben“, sagt Leiter. Doch diese Neuregelung sei einfach nur „Wahnsinn“. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, es bei der alten Regelung zu belassen oder die kostenlosen Tests ganz abzuschaffen: „Jetzt ist es ein fauler Kompromiss.“

Auch vom Apothekerverband wird das Konzept scharf kritisiert. Die Apotheker befürchten, dass sich viele Menschen aufgrund der ohnehin durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasteten Geldbörsen gar nicht mehr testen lassen. In den Apotheken werde die Nachfrage deutlich sinken. Gleichzeitig müssten jede Menge zusätzliche Kontroll- und Dokumentationsaufgaben geleistet werden, um die Berechtigten von den Nicht-Berechtigten, die Selbstzahler von den Eigenbeteiligungszahlern und den Nicht-Zahlern zu unterscheiden. „Dafür gibt es gleichzeitig weniger Geld“, kritisiert Verbandspräsidentin Tatjana Zambo.

Die kostenlosen Schnelltests waren lange Zeit ein wesentliches Mittel, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen – das ist nun vorbei. Weil die Tests den Bund laut Gesundheitsminister Karl Lauterbach zuletzt eine Milliarde Euro im Monat gekostet haben, müssen die Bürgerinnen und Bürger seit 30. Juni selbst dafür bezahlen: allerdings nicht alle und nicht alle gleich viel. Ein heilloses Durcheinander befürchtet der Schorndorfer Apotheker Thorsten Leiter angesichts der verworrenen

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