Schorndorf

Schorndorf: Thorsten Englert hat seine Traumstelle bekommen

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Thorsten Englert bei seiner Bewerbungsrede um das Amt des Ersten Beigeordneten. © Gaby Schneider

Mit einer leidenschaftlichen Rede hat sich Bürgermeister Thorsten Englert am Donnerstagabend um das Amt des Ersten Beigeordneten in Schorndorf beworben – und damit den Gemeinderat überzeugt: 31 von 32 Stimmen entfielen auf den 48-Jährigen, der mit gutem Rückenwind in sein neues Amt starten kann. „Ich brenne für unsere Stadt“, hatte Englert am Anfang seiner Rede bekannt und die Stelle als „absolute Traumstelle und langgehegten Wunsch“ bezeichnet. Schorndorf sei für ihn seine zweite Heimat geworden, weshalb er nicht einfach nur Erster Bürgermeister, sondern Erster Bürgermeister in Schorndorf werden wolle. Als bürgernah, krisenfest und kommunikativ charakterisierte sich der 48-jährige Vater zweier Kinder. Er denke und handle überparteilich. „Wichtig ist mir, mit allen im Gespräch zu sein“, betonte er. Der Gemeinderat könne sich darauf verlassen, dass er sich zeitnah um die kleinen und großen Dinge kümmere: Beigeordnete würden direkt vom Gemeinderat gewählt und seien ihm deshalb besonders verpflichtet. Vertrauen, Wertschätzung und ein gutes Miteinander spielten eine wichtige Rolle.

In seiner Bilanz der vergangenen Jahre verwies Englert auf Investitionen in Höhe von 300 Millionen und Haushalte mit Umsätzen von mehr als zwei Milliarden Euro. Investiert wurde unter anderem in Schulen, Kitas, Spielplätze, aber auch in bezahlbaren Wohnraum und Digitalisierung. 75 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter hätten die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, IT-Projekte seien vorangetrieben worden, Schorndorf sei auf dem Weg zur Smart City. Bis 2030 soll der ganze Fuhrpark elektrisch werden, durch mobiles Arbeiten innerhalb der Rathäuser auf jeden zehnten Schreibtisch verzichtet werden. Im Gemeinderat war der Schuldenstand der Stadt immer wieder ein Streitthema. Thorsten Englert versprach, solide zu wirtschaften, und „nur das zu planen, was finanziell machbar“ sei.

Eine Stadt mit starken Quartieren und vitalen Ortsteilen

Im Zuge der Stadtentwicklung will der neue Erste Bürgermeister Schorndorf zu einer Stadt der kurzen Wege mit starken Quartieren und vitalen Ortsteilen weiterentwickeln. Ein gesunder Mix der Angebote soll für mehr Umtrieb in der Stadt sorgen, das Auto aus der Innenstadt nicht verschwinden, an Stellenwert aber verlieren. „Die menschengerechte Innenstadt mit Auto“ ist für Englert der richtige Weg. In den Ortschaften will er bis 2030 altersgerechtes Wohnen umgesetzt haben, um älteren Menschen die Chance zu bieten, da zu bleiben, wo ihre Familien und Freunde sind. Daueraufgaben bleiben für Englert der Ausbau der Kinderbetreuung und modern ausgestattete Schulen. Und die Finanzen? Er könne weder eine unerschöpfliche Geldquelle versprechen, noch werde er es schaffen, es allen recht zu machen, sagte er. „Aber ich versichere Ihnen, dass ich alles dafür tun werde, um unsere Finanzen im Lot zu halten, und die Aufgaben als Erster Beigeordneter genauso leidenschaftlich wahrnehmen wie mein Amt als Bürgermeister in den vergangenen Jahren.“

Die Fraktionen hatten Englert schon im Vorfeld viel Zuspruch signalisiert und entsprechend wohlwollend waren die Reaktionen nach Englerts Rede. Die Tatsache, dass sich niemand außer Englert um die Stelle beworben habe, zeige dessen guten Ruf, meinte etwa CDU-Sprecher Hermann Beutel. Und betonte: „Sie haben uns in der Fraktion überzeugt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“ Thematisch gut aufgestellt und ein absoluter Profi, der bereit ist, Entscheidungen zu treffen, ist Englert für SPD-Chef Tim Schopf. Die Fraktion freue sich, dass sich Englert der neuen Aufgabe stelle, sagte der SPD-Rat und versprach: „Wir stehen hinter Ihnen.“ Das betonte auch Gerhard Nickel im Namen der FDP-FW. Nickel verwies auf den in den Startlöchern stehenden Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der über den Schurwald abwandern wolle. Wie berichtet, bewirbt sich Klopfer derzeit um das Amt des Oberbürgermeisters in Esslingen. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin muss gefunden werden. „Es wird Ihre Aufgabe sein, dass wir in Schorndorf gut dastehen und ein gutes Bewerberfeld bekommen“, sagte Nickel.

Selbst die AfD findet kein Haar in der Suppe

Grünen-Sprecher Ulrich Kost wünschte Englert die Kraft, Mensch zu bleiben, und versprach ihm die wohlwollende Begleitung seiner Fraktion. Unterstützung sagte ihm auch Werner Neher (GLS) zu, und sogar AfD-Sprecher Lars Haise hatte bei Englert nach eigener Aussage „kein Haar in der Suppe“ gefunden: „Dass Sie für Schorndorf brennen, haben wir nicht erst heute gemerkt. Uns gefällt, dass Sie ein offenes Ohr für alle Gremiumsmitglieder haben“, sagte er. Ein bisschen Kritik konnte sich lediglich Andreas Schneider nicht verkneifen, und zwar wegen Englerts Begeisterung für Wachstum und für Smart City. Ansonsten lobte er ihn aber als „immer ansprechbar, dienstleistungsorientiert und aufrichtig an Dialog interessiert“. Am Ende dankte dann noch Andrea Sieber für Englerts leidenschaftliche Rede und die Leidenschaft der vergangenen Jahre: „Sie wollen der Erste Bürgermeister unserer Stadt werden“, resümierte sie: „Zu dieser Stadt gehören Sie einfach dazu.“

Und Oberbürgermeister Klopfer? Der konnte ein wenig Wehmut nicht unterdrücken. Vertrauensvoll, kooperativ und freundschaftlich sei ihr persönliches Verhältnis gewesen, für Schorndorf sei Thorsten Englert ein Glücksfall: „Sie sind ein Teamplayer, scheuen sich aber auch nicht vor Herausforderungen“, bescheinigte er ihm. Angesichts von so viel Lob war es kein Wunder, dass sich Thorsten Englert überwältigt und dankbar für den Vertrauensvorschuss zeigte. „Das Ergebnis ist die Verpflichtung für mich“, versprach er: „Jetzt erst recht.“

Die Amtszeit von Vorgänger Edgar Hemmerich endet am 31. Juli

Am 1. August wird Thorsten Englert auf Wunsch des Gemeinderats nicht nur der Erste, sondern auch der einzige Beigeordnete der Stadt Schorndorf und ständiger Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Die Amtszeit des bisherigen Amtsinhabers Edgar Hemmerich endet am 31. Juli. Dass die Zahl der Beigeordneten von zwei auf einen reduziert wird, dadurch viel Geld gespart wird und in der Stadt ein Führungsduo bestimmen soll, hatte der Gemeinderat bereits im Juli 2020 beschlossen – damals freilich noch ohne zu wissen, dass Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Wahl zum Schorndorfer Stadtchef 2022 nicht mehr antreten wird. Mit der Wahl zum Ersten Beigeordneten bekommt Englert nicht nur seine Traumstelle. Auch eine Menge Arbeit kommt auf ihn zu, da auch die Zuständigkeiten neu geordnet werden. Künftig ist er für Finanzen ebenso zuständig wie für Schulen und Vereine, Kindertagesstätten, Stadtentwicklung und Baurecht, Infrastruktur, Digitalisierung, außerdem unter anderem auch noch für die Stadtwerke und die Stadtbau.

2016 war der damalige Kämmerer Englert zum Beigeordneten und Finanzbürgermeister gewählt worden. Wie bei seiner Wahl zum Ersten Beigeordneten am Donnerstag war Englert damals der einzige Bewerber – und Wunschkandidat des Oberbürgermeisters, der schon 2013 dessen Wahl zum Ersten Bürgermeister forciert hatte. 2013 war Englert Hemmerich unterlegen.

Mit einer leidenschaftlichen Rede hat sich Bürgermeister Thorsten Englert am Donnerstagabend um das Amt des Ersten Beigeordneten in Schorndorf beworben – und damit den Gemeinderat überzeugt: 31 von 32 Stimmen entfielen auf den 48-Jährigen, der mit gutem Rückenwind in sein neues Amt starten kann. „Ich brenne für unsere Stadt“, hatte Englert am Anfang seiner Rede bekannt und die Stelle als „absolute Traumstelle und langgehegten Wunsch“ bezeichnet. Schorndorf sei für ihn seine zweite Heimat

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