Schorndorf

Schorndorf: Warum der Sozialdienst der Stadt Senioren zu Hause besuchen möchte

Alter
Der Sozialdienst der Stadt Schorndorf setzt auf Prävention und will künftig allen 75-Jährigen einen Hausbesuch abstatten. © Benjamin Büttner

Im Jahr 2020 war etwa ein Drittel der Schorndorfer Bevölkerung älter als 60 Jahre. Bis 2035 wird diese Zahl laut Demografiebericht noch einmal um 23 Prozent steigen. Die Gruppe der älteren Menschen wird also nicht nur immer größer, sondern der Bedarf an Unterstützung auch zwangsläufig steigen. Seit Oktober 2021 gibt es darum im Fachbereich Familie und Soziales einen Sozialdienst für ältere Menschen, der nicht nur die städtische Telefonkette reaktivieren, den Seniorenwegweiser überarbeiten und einen ehrenamtlichen Besuchsdienst für Menschen mit Demenz aufbauen will. Seit diesem Jahr machen die vier Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes auch präventive Hausbesuche bei den 75-Jährigen.

Wer keinen Hausbesuch möchte, muss aktiv absagen

Diese Senioren-Gruppe erhält – mit dem Gratulationsbrief des Oberbürgermeisters – fortan eine Besuchsankündigung. Außerdem sollen jedes Jahr in einem anderen Quartier oder Teilort alle Menschen über 75 Jahren angeschrieben werden – den Anfang macht in diesem Jahr Buhlbronn. Familienmitglieder oder andere Vertrauenspersonen können bei den Besuchen der Sozialdienst-Mitarbeiterinnen jederzeit dabei sein. Sollten Sprachbarrieren bestehen, ist Unterstützung von Ehrenamtlichen des Dolmetscherdienstes der Stadt möglich. Wer keinen Besuch vom städtischen Sozialdienst haben möchte, muss aktiv absagen. Grundsätzlich handelt es sich aber um ein freiwilliges und kostenfreies Angebot, das es bereits in größeren Städten wie Karlsruhe, Ulm oder Berlin gibt; im Rems-Murr-Kreis nach Informationen der Stadt Schorndorf bisher aber noch nicht.

Kontakt zum Fachbereich Familie und Soziales: Erst, wenn es brennt

Der Trend, das führte Beate Härer als Leiterin der Abteilung Soziales und Senioren in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses aus, gehe mittlerweile dahin: Die Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben und lieber ambulant als stationär gepflegt werden. Meist leben die Senioren in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten. Und noch etwas kann der Fachbereich Familie und Soziales beobachten: „Man kommt erst zu uns, wenn’s brennt.“ Mit den präventiven Hausbesuchen will die Stadt den Unterstützungsbedarf ermitteln und die Älteren stärken, „ihre Probleme in die Hand zu nehmen und selber zu lösen“.

Themenschwerpunkte in den Gesprächen sollen dann die gesundheitliche Situation sowie die medizinische und pflegerische Versorgung und die psychosoziale Situation sein. Außerdem sollen bei den Hausbesuchen Fragen nach hauswirtschaftlichen Hilfen, Wohnraumberatung sowie finanzielle Belange und Sozialleistungen angesprochen werden. Die Gespräche sollen im Schnitt 45 Minuten dauern. Mit Vor- und Nachbereitung sowie Anfahrt rechnet der Sozialdienst mit einem Zeitbedarf von etwa zwei Arbeitsstunden für jeden Hausbesuch. Werden im Jahr 2022 alle 75-Jährigen in Schorndorf – das sind 368 Personen – sowie die 84 über 75-Jährigen in Buhlbronn angeschrieben, sind das für jede Mitarbeiterin je 113 Hausbesuche, also zwei bis drei pro Woche.

Projekt für die kommenden zehn Jahre

Dass so zehn Jahre vergehen werden, bis der Sozialdienst in allen Quartieren und Teilorten einmal war, bemängelte SPD-Stadträtin Heidi Rapp in der Ausschusssitzung. Angesichts der personellen Situation im Sozialdienst ist das für Beate Härer aber nicht anders zu machen. Grundsätzlich stieß sie mit ihrer Konzeption aber auf große Begeisterung und in der Abstimmung im Ausschuss auf uneingeschränkte Zustimmung: Für CDU-Rätin Silvia Wolz ist es „ein sensationelles Projekt“, auch Julia Schilling (CDU) findet es „toll, dass so etwas ins Leben gerufen wird“. Für „wichtig“ hält es auch FDP/FW-Fraktionsvorsitzender Gerhard Nickel und Einzelstadträtin Andrea Sieber für „einen unbezahlbaren Dienst am Menschen“. Ob Ehrenamtliche oder FSJler den städtischen Sozialdienst unterstützen können – diese auch von Dr. Heinz-Jürgen Kopmann vom Seniorenforum vorgebrachte Anregung will Beate Härer in Zukunft aufgreifen. Zum Start sollten aber ausschließlich Hauptamtliche aktiv sein, „um ein Gefühl dafür zu bekommen“.

Erste Kontakte mit Senioren sucht die Stadt übrigens schon, wenn diese ins Rentenalter kommen: Fortan bekommen Senioren zum 65. Geburtstag einen Brief, in dem die Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements dargestellt werden und zu Beratungsgesprächen in die Fachstelle eingeladen wird.

Im Jahr 2020 war etwa ein Drittel der Schorndorfer Bevölkerung älter als 60 Jahre. Bis 2035 wird diese Zahl laut Demografiebericht noch einmal um 23 Prozent steigen. Die Gruppe der älteren Menschen wird also nicht nur immer größer, sondern der Bedarf an Unterstützung auch zwangsläufig steigen. Seit Oktober 2021 gibt es darum im Fachbereich Familie und Soziales einen Sozialdienst für ältere Menschen, der nicht nur die städtische Telefonkette reaktivieren, den Seniorenwegweiser überarbeiten

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