Schorndorf

Schorndorf: Warum Ex-Grünen-Kreisrätin Christel Brodersen gerne im Hochhaus lebt

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Christel Brodersen liebt die tolle Aussicht von ihrem Balkon. © Gabriel Habermann

Wer Christel Brodersen fragt, warum sie gerne in einem der Hochhäuser im Rehhaldenweg wohnt, bekommt von ihr viele Antworten. Ein Hochhaus sei ein sinnvoller Wohnort, was den Flächenverbrauch betrifft. Die wenigen Außenwände wirkten sich positiv auf die Heizkosten aus. Mit einem Hausmeister und dem Aufzug gebe es in ihrem Hochhaus einen tollen Service, Einkaufsmöglichkeiten und eine Bushaltestelle seien vor der Haustür. Das Beste aber ist für Christel Brodersen die Aussicht: „Ich liebe die Sicht. Sie ist genial“, sagt sie und strahlt: „Inzwischen lebe ich hier seit 20 Jahren. Und ich habe es noch keinen Tag bereut.“

Die Mietwohnung wurde alle zwei Jahre teurer

Als Christel Brodersen, die zehn Jahre für die Grünen im Kreistag saß, vor rund 20 Jahren eine neue Wohnung suchte, war sie alleinerziehende Mutter eines 17-jährigen Sohnes. Sie arbeitete im Sozialamt der Stadt Weinstadt, und sie hatte es satt, alle zwei Jahre fünf Prozent mehr Miete für ihre Wohnung in Großheppach zahlen zu müssen. Die neue Wohnung sollte groß genug sein für sie und ihren Sohn, aber klein genug, dass sie auch nach dem Auszug des Sohnes noch darin wohnen könnte.

Den Kauf der Wohnung hat sie nie bereut

Mehrere Wohnungen wurden von Mutter und Sohn besichtigt, die richtige war nicht darunter. Bis sie in der Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung im neunten Stock in einem der Hochhäuser im Rehhaldenweg standen: Die Wohnung schien perfekt und bot mit dem halben Zimmer, das für eine Essecke vorgesehen war, sogar noch Platz für einen Arbeitsbereich für Christel Brodersen. Eine kleine Erbschaft und günstige Zinsen machten den Kauf damals möglich – bis heute hat ihn die 69-Jährige nicht bereut.

Platz für Kreatives

Längst bewohnt sie die 96 Quadratmeter große Wohnung allein, nach dem Auszug ihres Sohnes wurde aus dessen Kinderzimmer ihr Arbeitszimmer. Dass in der Wohnung gearbeitet, gekocht, gebastelt und gelebt wird, zeigt sich in jedem Zimmer. In der Küche stehen Arbeitsgeräte und viele Gewürze parat, im Arbeitszimmer mit der schönen Aussicht finden sich außer einem Rechner Arbeits- und Bastelmaterialien. Auch wenn Christel Brodersen inzwischen im Ruhestand ist und auch nicht mehr für den Kreistag kandidiert hat: Ihr Büro ist ihr wichtig.

Noch immer ist sie Kassiererin im Vorstand der Schorndorfer Grünen und engagiert sich außerdem im Vorstand des VdK in Beutelsbach. Daneben genießt sie es aber auch, dass sie nun die Zeit hat, kreativ zu sein. Was im Alltag mit Familie, Beruf und Ehrenamt zu kurz kam: Jetzt ist es möglich. Sie bastelt gerne, näht und fertigt mit viel Freude kreative Halsketten an. Dazu braucht sie aber nicht nur Zeit, sondern auch Platz – und sie genießt es, beides zu haben.

Entscheidungen dauern in einem Hochhaus lange

1972 wurden die Hochhäuser im Rehhaldenweg gebaut. Wie in vielen älteren Häusern ist für die Bewohner aktuell die energetische Sanierung ein Thema. „Wir haben noch eine Ölheizung“, berichtet Christel Brodersen, „da müssen wir ran.“ Doch alle fünf Hochhäuser hängen ihren Worten zufolge an einem Heizsystem, weshalb 250 Eigentümer und Eigentümerinnen mitentscheiden. Für das Grünen-Mitglied Brodersen, die schon vor 15 Jahren gerne Solar-Module installiert hätte und in der Tiefgarage auf Strom-Anschlüsse für Elektro-Autos drängt, dauern diese Prozesse quälend lang. „Schnelle Entscheidungen gehen nicht“, bedauert sie. „Das ist der Wermutstropfen beim Leben im Hochhaus.“

Ein Nachteil freilich, mit dem sie angesichts der vielen Vorteile gut leben kann. „Man kann nicht alles haben“, sagt sie. Zumal ihr gerad auch die Kommunikation im Haus ansonsten gut gefällt. Wegen eines Päckchens müsse sie sich nie Gedanken machen – irgendeiner nehme es immer entgegen. Und als sie ihr Badezimmer renovieren ließ, konnte sie sogar Toilette und Dusche ihrer Nachbarin benutzen.

Aktuell hat sich Christel Brodersen vorgenommen, ihre Wohnung auszumisten und die Dinge um sich herum zu reduzieren. Denn auch wenn sie ihr Leben im Hochhaus in Schondorf genießt: „Ich gehe davon aus, dass ich nicht ewig hier bleibe.“ Viele ihrer Freunde lebten in Stuttgart, Herrenberg und Esslingen, Sohn und Schwiegertochter wohnen in Böblingen. „Ich möchte umziehen, wenn ich noch entscheiden kann, wohin ich ziehe und was ich mitnehme“, sagt sie.

In drei bis fünf Jahren soll der Umzug über die Bühne gehen, wobei sie schon heute weiß, dass die größte Herausforderung sein wird, für ihre kreativen Arbeiten wieder genügend Platz zu haben. Spannend findet sie die Aussicht durchaus, obwohl ihr der Umzug vermutlich schwerfallen wird: „Schon heute bereue ich es, wenn ich den Ausblick nicht mehr habe“, sagt sie. „Es ist eine Superlage und barrierefrei noch dazu.“

Info

Über das Leben in Tiny Houses haben wir mehrfach berichtet. In einer Miniserie stellen wir nun Menschen im Hochhaus vor.

Wer Christel Brodersen fragt, warum sie gerne in einem der Hochhäuser im Rehhaldenweg wohnt, bekommt von ihr viele Antworten. Ein Hochhaus sei ein sinnvoller Wohnort, was den Flächenverbrauch betrifft. Die wenigen Außenwände wirkten sich positiv auf die Heizkosten aus. Mit einem Hausmeister und dem Aufzug gebe es in ihrem Hochhaus einen tollen Service, Einkaufsmöglichkeiten und eine Bushaltestelle seien vor der Haustür. Das Beste aber ist für Christel Brodersen die Aussicht: „Ich liebe die

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