Schorndorf

Schorndorf: Was die Kirchen in der Corona-Krise tun können und was an Weihnachten möglich ist

Pfarrerin Dorothee Eisrich
Pfarrerin Dorothee Eisrich. © ALEXANDRA PALMIZI

Explodierende Infektionszahlen, existenzielle Ängste, die Menschen im Lockdown: Die schlechten Nachrichten in der Corona-Krise nehmen kein Ende. Pfarrerin Dorothee Eisrich beobachtet eine zunehmende Zerschlagenheit und Vereinsamung bei den Menschen: Viele seien unglaublich erschöpft. Ständig müsse Geplantes umgeworfen werden, andere Menschen würden als Bedrohung wahrgenommen. „Man zieht sich in den eigenen Dunstkreis zurück und glaubt, das ist das Leben.“ Was aber können die Kirchen in der Krise tun?

Nur ein Quintett darf Posaune spielen

Zunächst einmal das: „An Weihnachten die Leute zusammenbringen“, sagt die Pfarrerin. Dafür planen Mitglieder aller Kirchengemeinden seit Wochen – und das immer mit Blick auf die sich verschärfenden Bedingungen. Die gute Nachricht: Die Gottesdienste dürfen wirklich stattfinden, mit Abstand und Anmeldung natürlich, aber immerhin. Bei den ökumenischen Open-Air-Gottesdiensten am Heiligen Abend um 15 Uhr auf den Marktplatz, um 16.30 Uhr auf den Schulhof der Rainbrunnenschule und um 18 auf den Schulhof der Fuchshofschule sind statt der mal gedachten 500 nur noch je 200 Leute zugelassen. In den Kirchen variiert die Zahl nach der Größe der Gotteshäuser. Keine Beschränkung gibt es um 17.30 Uhr bei der Klanginstallation. Zwischen dem Marktplatz, Ochsenberg und dem Schlosspark werden 17 Lautsprecher aufgebaut, so dass die Menschen mit Abstand der Musik, der Weihnachtsgeschichte und Impulsen der Pfarrerin folgen können. Mit einer brennenden Kerze in der Hand, den dunklen Himmel über sich. Neuen Corona-Regeln zufolge darf nun doch nicht der ganze Posaunenchor spielen, sondern nur ein Quintett, auch Singen ist tabu. Und trotzdem: „Es macht was mit einem, wenn man da steht und sieht, du bist nicht allein“, ist Dorothee Eisrich überzeugt. Die Menschen suchten nach neuen Formen für die Inhalte, die ihnen guttun. Und an Weihnachten? Da soll den Menschen das Herz aufgehen, auch und gerade in Corona-Zeiten. In der Stadtkirche werden die Abstände auf den Kirchenbänken mit Blumen und Lichtern markiert, erzählt Dorothee Eisrich. Inniger seien die Gottesdienste geworden - auch wenn Maria und Josef beim Gottesdienst mit der Kinderkantorei Abstand halten müssen.

Am meisten leiden Menschen in den Kliniken, die keinen Besuch bekommen

Begegnung trotz Ferne und die Ahnung, dass es mehr gibt als das, was gerade um einen rum passiert, das brauchen die Menschen nach Ansicht der Pfarrerin dringend. „Das Leben in der Krise verarmt, das Lachen verstummt“, beobachtet sie. Die Gesellschaft drifte auseinander. Für Menschen mit einem Haus, einem geregelten Einkommen, Zeit und Geld könne auch die Weihnachtszeit in der Corona-Krise beschaulich sein. Aber was ist mit den alten Menschen, die vereinsamen und immer trauriger werden, mit den Vätern und Müttern, die neben dem Home-Office Kinder zu versorgen haben, mit den Flüchtlingen, die nicht Fuß fassen können und mit den Kindern, die wie kleine Erwachsene im Religionsunterricht sitzen und aussehen, als hätten sie das Lachen verlernt? „Die Angst ist ein großes Thema“, sagt die Pfarrerin. Die große Frage, mache ich alles richtig, verunsichere die Leute total. Am meisten litten aber die Menschen in den Krankenhäusern, die keinen Besuch bekommen dürften. „Es gibt Abschiede und Trauer hinter der Maske“, weiß die Pfarrerin. Weil das Feiern ausfällt, fehlen den Menschen die Kraftreserven. Dabei sei alles da, die Schönheit des Lebens nicht verschwunden. In diesem Advent, in dem die Menschen darauf sehnlich warten, die Krise zu durchstehen, erlebt sie die Menschen als dünnhäutig und gesprächsbereit: „Im Handumdrehen entstehen gute Gespräche über das Wesentliche.“ Die Leute hätten das Bedürfnis, zusammen zu feiern, aber auch, sich für andere einzubringen. So hätten viele beim Füllen der Weihnachtstüten mitgemacht, die denen zugutekommen sollen, die nicht aus dem Haus können. Und viele in der Stadt beteiligen sich an der ökumenischen Aktion „Hier findest du Weihnachten“: An einem Weihnachtsspazierweg 15 Stationen, an denen Familien in ihren Gärten, Vorgärten und Fenstern einen Impuls gestalten. Ein schönes Zeichen. „Das Virus“, sagt die Pfarrerin, „ist unberechenbar. Ich kann aber einen Sinn finden, wie wir mit der Herausforderung umgehen.“

Explodierende Infektionszahlen, existenzielle Ängste, die Menschen im Lockdown: Die schlechten Nachrichten in der Corona-Krise nehmen kein Ende. Pfarrerin Dorothee Eisrich beobachtet eine zunehmende Zerschlagenheit und Vereinsamung bei den Menschen: Viele seien unglaublich erschöpft. Ständig müsse Geplantes umgeworfen werden, andere Menschen würden als Bedrohung wahrgenommen. „Man zieht sich in den eigenen Dunstkreis zurück und glaubt, das ist das Leben.“ Was aber können die Kirchen in der

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