Schorndorf

Schorndorf: Was für die neue Stadtbücherei spricht, warum sie wohl gebaut wird

PK Bücherei
In der ehemaligen Meierei des Schorndorfer Spitals soll die neue Stadtbücherei entstehen. An der Südseite des Gebäudes ist ein kubusartiger Anbau mit einer Faserzementfassade geplant. Damit bietet sie statt bisher 500 Quadratmeter Publikumsfläche 1200 Quadratmeter. © Gabriel Habermann

Dass Schorndorfs 80er-Jahre-Bücherei am Stadtpark einer Großen Kreis- und Bildungsstadt schon lange nicht mehr würdig ist, das ist eigentlich unbestritten. Dennoch zieht sich die Diskussion über einen Neubau schon seit Jahren hin und hat zuletzt im OB-Wahlkampf noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen: Und mag Oberbürgermeister Bernd Hornikel vor seiner Wahl noch eine zurückhaltende Position eingenommen haben, in einer eigens einberufenen Pressekonferenz zur bevorstehenden Bücherei-Entscheidung im Gemeinderat am Donnerstag, zeigte er sich vom Konzept, das Büchereileiterin Marianne Seidel mit ihrem Team erarbeitet hat, überzeugt. Nicht zuletzt, weil auch in Sachen Kostensicherheit – eine zentrale Voraussetzung für die mehrheitliche Zustimmung des Gemeinderats Ende 2019 – „die Hausaufgaben gemacht sind“.

Die Schatz projectbau GmbH Schorndorf, die in einem europaweiten Ausschreibungs- und Vergabeverfahren das beste Angebot abgegeben und darum im Februar 2022 den Zuschlag bekommen hat, soll die neue Bücherei am Spitalhof als Generalübernehmer für einen Höchstpreis von 8,5 Millionen Euro bauen. Und selbst wenn noch Planungskosten in Höhe von 400.000 Euro dazukommen: Da die Stadtbücherei in den vom Regierungspräsidium genehmigten Haushalts- und Finanzplanungen mit 11,4 Millionen Euro finanziert ist, sieht Erster Bürgermeister Thorsten Englert sogar noch eine Reserve für Unvorhergesehenes – auch wenn Gutachten zur Bodenbeschaffenheit und zum Zustand des historischen Gebäudes das für ihn nicht erwarten lassen: „Wir haben über kein Gebäude einen besseren Zustandsbericht.“

450.000 Euro mehr im Jahr für Personal und Gebäudeunterhalt

Da nicht nur die Firma Burger-Schlotz Sponsoringmittel in Höhe von 300.000 Euro in Aussicht gestellt hat, sondern auch das Land Sanierungsmittel in Höhe von 5,3 Millionen Euro – und diese nach einem Ja des Gemeinderats nach Einschätzung der Stadtverwaltung auch ausbezahlen wird – bleibt für die Stadt eine Investition zwischen 5,5 und 5,6 Millionen Euro für den Neubau. Für Ersten Bürgermeister Thorsten Englert ein guter Preis: „So billig wie heute bekommen wir die Bücherei nie mehr.“

Und doch ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, wie die um 450.000 Euro höher angesetzten Personal-, Sach-, Gebäudeunterhalts- und Abschreibungskosten im Ergebnishaushalt finanziert werden sollen und an welcher Stelle dieser Mehraufwand eingespart werden kann. Die schon mehrfach angekündigte Entscheidung über künftige Freiwilligkeits- und Pflichtaufgaben wird der Gemeinderat nach seiner Klausursitzung im Mai treffen. Mit dieser Aufgabenkritik, kündigt Englert im Pressegespräch an, sollen künftige Handlungsfelder herausgearbeitet werden. Letztendlich wird sich der Gemeinderat – „als Herr des Verfahrens“ – aus Englerts Sicht vor allem diese Frage stellen müssen: „Wo sind wir im Moment vielleicht zu großzügig?“

Von der neuen Bücherei verspricht sich die Stadt aber nicht nur einen Zugewinn für den Bildungsstandort, sondern sieht in ihr auch einen Beitrag zur Wirtschaftsförderung: In Konkurrenz mit anderen Städten im Umkreis und vor allem mit dem Online-Handel soll die Stadtbücherei Frequenzbringer für die Innenstadt werden. Kamen im Jahr 2019 insgesamt 65.000 Besucher in die Bücherei am Stadtpark, rechnet die Stadt an zentraler Lage am Spitalhof und mit erweiterten Öffnungszeiten mit mindestens 120.000 Besuchern im Jahr – also mit fast 500 Besuchern pro Öffnungstag statt bisher 270.

Bücherei als konsumfreier Ort der Begegnung, Bildung und Teilhabe

Überhaupt soll die neue Stadtbücherei mehr sein als ein Ort, an dem sich Bücher ausleihen lassen. Büchereileiterin Marianne Seidel sieht in einer modernen Bibliothek einen konsumfreien Ort der Begegnung, der Bildung, Kultur und Teilhabe – und in Verbindung mit dem Spitalkeller auch einen Veranstaltungsort. Drei Hauptzielgruppen sollen von der neuen Bücherei profitieren: Familien mit Kindern, Multiplikatoren in Kitas und Schulen sowie Menschen ab 60 Jahren.

Entscheidet sich der Gemeinderat – entgegen einer nichtöffentlichen Probeabstimmung im Vorfeld – am Donnerstag doch gegen eine neue Stadtbücherei im Spitalgebäude, hätte das weitreichende Folgen: Einen Plan B für das Gebäude Archivstraße 4 gibt es nicht; die technischen Ämter sind längst in das neue Stadtwerke-Gebäude umgezogen. Nicht zuletzt müsste auch in die jetzigen Büchereiräume kräftig investiert werden. Und: Für die Volkshochschule, die aus allen Nähten platzt, gäbe es keine Erweiterungsmöglichkeit.

Dass Schorndorfs 80er-Jahre-Bücherei am Stadtpark einer Großen Kreis- und Bildungsstadt schon lange nicht mehr würdig ist, das ist eigentlich unbestritten. Dennoch zieht sich die Diskussion über einen Neubau schon seit Jahren hin und hat zuletzt im OB-Wahlkampf noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen: Und mag Oberbürgermeister Bernd Hornikel vor seiner Wahl noch eine zurückhaltende Position eingenommen haben, in einer eigens einberufenen Pressekonferenz zur bevorstehenden Bücherei-Entscheidung

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