Schorndorf

Schorndorf: Wie Corona den Ablauf in Fahrschulen derzeit beeinflusst

Schild Fahrschule
Seit nun mehr zwei Jahren hat auch die Fahrschulbranche mit einem verwirrenden Corona-Regelwerk zu kämpfen. © Benjamin Büttner

„Der normale Fahrschulablauf wird überschattet von Überprüfung und Überwachung der Impf-, Genesen- oder der Getestet-Zertifikate und Nachweise“, sagt Marcus Fritz, Inhaber der Fahrschule Bischof in Welzheim und Vorsitzender des Kreisvereins Rems-Murr-Kreis im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg sowie Mitglied im Fahrlehrerprüfungsausschuss Baden-Württemberg. Das Überprüfen koste Zeit, und vieles sei auch nicht mehr nachvollziehbar, ergänzt Fahrlehrer Thomas Schaal von der Schorndorfer Fahrschule Banane.

Welche Regeln gelten denn nun aktuell? Ein Blick zeigt sofort: Es ist unübersichtlich. Beispiel Bayern: Ungeimpfte junge Menschen, die während der Corona-Pandemie den Führerschein machen möchten, haben schlechte Karten. Denn für Fahrschulen im Freistaat gilt aktuell 2G: Wer Theorie- oder Fahrstunden absolvieren will, muss geimpft oder genesen sein.

Welche Maske muss getragen werden?

Marcus Fritz ergänzt: „Es gibt tatsächlich unterschiedliche Regelungen für unterschiedliche Bereiche in der Fahrschule.“ In der klassischen Klasse B (Pkw) gelte aktuell die 3G-Regel – gefahren werden darf nur mit FFP2-Maske, wenn der Fahrschüler bereits 18 Jahre alt ist. Ist der Fahrschüler jünger, reiche für den Fahrschüler auch eine normale medizinische Maske. „Kann der Mindestabstand eingehalten werden, kann auf eine Maske sogar wieder verzichtet werden. Dies ist eventuell im Bus- und Lastwagenbereich möglich.“ Bei beruflichen Ausbildungen (Lkw/Bus) kann es sein, dass es dann die 2G-Regel ist. Da komme es aber darauf an, wer als Kostenträger fungiert (Firmen oder eventuell das Arbeitsamt).

Völlig „diffus und einen völligen Quatsch“ nennt Rainer Ostertag von der gleichnamigen Fahrschule den Masken-Irrsinn. „Viele Regelungen sind absolut nicht mehr nachvollziehbar und variieren ständig“, sagt auch Thomas Schaal kopfschüttelnd. Mit Fahrschülern, mit Eltern, mit dem Tüv und mit dem Landratsamt habe man häufig zu tun: „Manchmal sind wir schon eher Therapeuten als Fahrlehrer.“ Einen ständigen Austausch mit den Fahrschülern bestätigt auch Fritz: „Es kommen oft die Fragen nach den Regeln, da gibt es eine gewisse Unsicherheit.“

Auf das Tragen der FFP2-Maske legt Thomas Schaal großen Wert: „Wer bei mir in die Fahrstunde kommt, muss getestet sein – das kann man zu Hause machen oder auch direkt bei mir. Ich kann mir eine Quarantäne nicht erlauben.“ Das Tragen der Maske sei weder für ihn noch für seine Fahrschüler ein Problem: „Wenn es mal unangenehm wird, kann man aussteigen, mal ums Auto laufen und frische Luft atmen.“ Bei seinen Fahrschülern sei durchweg eine Akzeptanz der Regelungen zu bemerken. „Ich diskutiere da auch nicht“, betont Schaal.

Im Theorieunterricht gibt es auch verschiedene Möglichkeiten

Auf die Frage, was den Fahrschulbetreiber am meisten nerve, zählt Marcus Fritz auf: „Testungen und Überprüfung der Kunden und auch teilweise der Mitarbeiter, Ausfälle durch Quarantäne.“

Während der Corona-Krise stellt der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg wesentliche und wichtige Informationen zum Thema immer aktuell gebündelt auf die Homepage. „Manche Vorgaben vom Regierungspräsidium haben mit der Praxis überhaupt nichts zu tun und sind auch nicht anwendbar“, fügt Thomas Schaal an. Auch im Bereich des Theorieunterrichts gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Marcus Fritz: „Präsenz ist erlaubt mit Beachtung der Corona-Regeln. Der Onlineunterricht ist durch eine derzeitige Ausnahme von geltendem Recht weit verbreitet und wird auch angenommen. Mal sehen, was passiert, wenn die Ausnahme vorbei ist. Generell wäre dann kein Onlineunterricht mehr in Fahrschulen zulässig. Auch eine Form von Theorieunterricht ist derzeit der sogenannte Hybridunterricht. Dies ist eine Kombination aus Präsenz- und Onlineunterricht zur gleichen Zeit.“ Einen Onlineunterricht abzuhalten sei schon einschneidend, so Thomas Schaal. „Präsenz ist so wichtig in diesem Fall, Mimik und Reaktionen spielen ja bei uns auch eine Rolle im Unterricht.“

Ein weiteres Ärgernis spricht der Fahrschulbetreiber an, das ihn und seine Kollegen im vergangenen Jahr umtrieb: Prüfer waren nicht zu bekommen, Fahrschüler warteten monatelang auf ihre Prüfungstermine vom Tüv (wir berichteten). Die Forderung vor einigen Monaten lautete schon: Das Landratsamt müsse die Anträge für die Führerscheine rascher bearbeiten, der Tüv schneller und unkomplizierter Prüfungstermine anbieten. Schon vor der Corona-Krise sei der Mangel an Prüfungsterminen ein Problem gewesen, nachdem ein neues Online-System zur Anmeldung eingeführt worden war. Doch der Lockdown hatte den Mangel noch verschärft, weshalb das Problem ein Ärgernis ist. Schon in dieser Zeit hatte Schaal angemahnt, dass es einen „Stau von Leuten gebe“, die 2020 mit dem Führerschein angefangen haben und im Juni 2021 noch nicht wussten, wann sie ihre Prüfung haben. Doch nicht der Tüv oder das Landratsamt, bei dem sich die Anträge stauen, bekommen den Frust der Fahrschüler und deren Eltern ab, sondern die Fahrschulen selbst. Zur Not mit dem Tüv kommen die Engpässe im Landratsamt, die unverhältnismäßig lange Bearbeitungszeiten nach sich ziehen.

Keine Probleme bei den Prüfungen

Probleme bei den Prüfungen als solche gebe es nicht: „Aktuell ist die Lage aus der Sicht von uns als Fahrschule Bischof entspannt. Dies liegt allerdings auch an der Jahreszeit, in der keine Zweiradprüfungen stattfinden und somit mehr Kapazitäten für alle anderen Klassen zur Verfügung stehen. Das ändert sich aber sicher wieder mit dem Umschwung in den Frühling.“

Ob in der Pandemie mehr Prüflinge durchgefallen sind? Das könne man nur „schwer bis gar nicht sagen“. Marcus Fritz sieht da keinen Zusammenhang, ebenso wie Rainer Ostertag. Thomas Schaal stimmt zu: „Wer durch die Theorieprüfung fliegt, hat schlichtweg nicht gelernt. Das hat mit Corona nichts zu tun.“ Rainer Ostertag hat noch mit ganz anderen Dingen zu kämpfen: „Eigentlich wären alle Fahrlehrer bei uns ausgelastet, durch kurzfristige Absagen der Fahrschüler überlegen wir jetzt schon, ob wir in Kurzarbeit gehen müssen.“ Der Krankheitszustand der Fahrschüler nehme zu. Die Gründe: Quarantäne, Verdacht auf Corona, Corona-Erkrankung oder die Angst vor dem Virus. Ostertag: „Das ist alles sehr schwierig für uns.“

Unterricht lebt von Interaktion

Die Einhaltung der Hygieneregeln und die Überprüfung der 3G-Regelung bedeuten auch für Wolfram Trissler von der gleichnamigen Fahrschule einen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand: „Da wir aber wissen, dass es notwendig ist, können ich und meine Mitarbeitenden es händeln.“ Für ihn gebe es zwei problematische Bereiche. Zum einen seien die Fahrschüler durch das Tragen der Maske bei der Ausbildung und speziell bei der Prüfung einer deutlichen Mehrbelastung ausgesetzt. „Das verschärft sich noch durch die seit 1. Januar 2021 vom Tüv praktizierte Prüfzeitverlängerung bei der praktischen Prüfung um zehn Minuten bei der Klasse B. Dadurch ist vom Schüler ein höheres Leistungspotenzial erforderlich, um die Chancen auf ein positives Ergebnis zu erhalten.“ Die andere Problematik liege bei der eingeschränkten Belegung des Unterrichtsraums. Trissler: „Ein wirtschaftliches Problem, da durch die 1,5-Meter-Abstandsregel nur wenige Schüler im Unterrichtsraum Platz finden.“ Wolfram Trissler hat dieses Problem gelöst und „durch eine größere Investition in die Unterrichts-Hardware behoben“. Deshalb kann er „dual Präsenz- und Onlineunterricht anbieten“. Er hat schon vor einem Jahr vorm PC gesessen und unterrichtet. „Am Anfang war es schon komisch, zu unterrichten, ohne die Schüler zu sehen“, erzählte er da. Immerhin – Unterricht lebt eben auch von Interaktionen. Trotzdem – besser als kein Unterricht ist’s allemal. Trisslers größtes Ärgernis: „Der groß angekündigte Zuschuss bei Digitalisierungsmaßnahmen wird scheinbar im Losverfahren vergeben.“

„Der normale Fahrschulablauf wird überschattet von Überprüfung und Überwachung der Impf-, Genesen- oder der Getestet-Zertifikate und Nachweise“, sagt Marcus Fritz, Inhaber der Fahrschule Bischof in Welzheim und Vorsitzender des Kreisvereins Rems-Murr-Kreis im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg sowie Mitglied im Fahrlehrerprüfungsausschuss Baden-Württemberg. Das Überprüfen koste Zeit, und vieles sei auch nicht mehr nachvollziehbar, ergänzt Fahrlehrer Thomas Schaal von der Schorndorfer

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