Schorndorf

Schorndorf: Wie "Mission Happy Kids" Kinder in Rumänien glücklich macht

Mission Happy Kids
Der Ansturm sei kaum zu bewältigen gewesen. Aber dank vieler Helfer und Mitstreiter vor Ort ging keines der Kinder leer aus. Auffallend: Die Security trägt eine Mund-Nasen-Maske, die rumänischen Kinder und ihre Angehörigen nicht. Daniela Pachner bezeichnet die Corona-Lage vor Ort als „entspannt“, meist herrsche die Maskenpflicht nur in den Innenräumen. © privat

Für viele Kinder in der rumänischen Gemeinde Rodna wird der 28. Dezember noch lange in Erinnerung bleiben: An diesem Tag haben Daniela und Armin Pachner vom Schorndorfer Verein „Mission Happy Kids“ sowie viele Mitstreiter in Rumänien liebevoll verpackte „Schuhkartons mit Weihnachtsgeschenken“ von Schorndorfer Familien und Spendern an die Vereins-Patenkinder und an mehr als 800 Kinder übergeben.

„Entspannte“ Corona-Lage in Rumänien

Es ist die zweite Weihnachtsaktion, die der Verein organisiert hat – allerdings im Jahr 2021 mit einer „irren Herausforderung“ vor Ort, berichten Vereinsvorstand Armin Pachner (47) und seine Frau Daniela (47). Ausschließlich habe man sich auf die Gemeinde Rodna konzentriert – 2020 hatten die Vereinsgründer drei Stationen angefahren (wir berichteten). „Diesmal haben wir uns auf Rodna fokussiert. Zum einen, weil dort unsere zehn Patenkinder leben, zum anderen, weil es eine der ärmsten Gemeinden Rumäniens ist und wir intensiv mit dem Bürgermeister kommunizieren und große Unterstützung erfahren.“

Wie sieht die Corona-Lage im Land aus? Daniela Pachner bezeichnet sie als „entspannt“. Aktuell seien etwa 36 Prozent der Rumänen geimpft, die Sterberate sei nicht höher als früher. Bedenken, in das Land einzureisen, habe das Ehepaar nicht gehabt: „Es ist kein Risikogebiet und gehört auch nicht zu den sogenannten Hotspots.“

Hiobsbotschaft des Bürgermeisters: Aktion darf nicht stattfinden

Sei man bei der ersten Weihnachtsaktion noch mit Transportern nach Rumänien gefahren, haben Daniela und Armin Pachner sowie ihre beiden Kinder Ende Dezember 2021 den Flieger genommen: „Wir hatten so viele Pakete – die hätten wir nicht von Hand alle in Lastwagen packen können“, erzählt die 47-Jährige. Also habe man 17 Paletten mit Geschenken gebündelt und diese mit einem Speditionsunternehmen Mitte Dezember nach Rodna bringen lassen.

Als Familie Pachner in der Gemeinde ankommt, erfolgt ein erstes Telefonat mit dem Bürgermeister. Die Hiobsbotschaft: Die Aktion dürfe nicht stattfinden, da die Gemeinde keine weiteren Spenden von anderen Organisationen erhalten hätte und man mit der alleinigen Anzahl der Weihnachtskartons des Schorndorfer Vereins nicht alle 830 Kinder des Ortes beschenken könnte. Pachner: „Der Bürgermeister befürchtete Tumulte und Schlägereien, wenn wir zu wenig Geschenke hätten.“

Das Fazit: Nichts war organisiert, keiner zur „Geschenke-Übergabe“ eingeladen. Familie Pachner stand da – vor Ort mit allen Spenden und Weihnachtskartons: „Für uns war klar: Wir machen die Aktion, die Frage war nur, wie.“ In Eigeninitiative haben die Pachners entschieden, ihre Geschenke zu übergeben und – wenn Unfrieden aufkomme – zu erklären, warum das so ist. Kurzerhand sprach man die Einladung am 28. Dezember aus – um 14.30 Uhr sollte man zu einer großen Garage kommen, die der Bürgermeister zur Verfügung stellte und in der die Paletten mit Geschenken aufgestapelt waren. „Schon lange vor Beginn sind 50 Kinder da gewesen, und es wurden dann immer mehr“, erinnert sich Daniela Pachner. „Plötzlich sah man sich rund 1000 Menschen gegenüber.“ Viele Mitstreiter der Gemeinde sowie zwei Polizisten, die der Bürgermeister kontaktiert hatte, arbeiteten im Hintergrund mit und sorgten dafür, dass „wir alles bewältigen konnten“.

Dankbar und überwältigt ist Daniela Pachner immer wieder, wenn sie sieht, wie liebevoll die Schorndorfer die Weihnachtspakete für die Kinder verpacken. Hilfe habe man von vielen Seiten erfahren, nicht nur Tamara Ziesel, die Pachner explizit nennt, sei man für ihre Unterstützung und ihr Netzwerk mehr als dankbar. Unter anderem hatten auch die evangelische Kirchengemeinde Miedelsbach, die Kita Schornbach, die Hohbergschule Plüderhausen und viele Schorndorfer Schulen ihre Unterstützung angeboten und zugesagt. „Das ist so schön und macht einen sprachlos“, freuen sich die Vereinsvorsitzenden.

Genähte Stofftaschen des DRK Winterbach als weiteres Geschenk

Der Inhalt der Kartons: gebrauchtes, gut erhaltenes Spielzeug, Süßigkeiten, Schulmaterial und Ähnliches. Jeder Schuhkarton wurde gekennzeichnet: „Da stand dann beispielsweise: Für einen Jungen im Alter von 4 bis 6 Jahren oder für ein Mädchen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren“, erklärt Armin Pachner. So habe man im Vorfeld die Geschenke gut sortieren können. Allgemeine Spenden, wie beispielsweise Kleidung, hatten die Pachners ebenfalls im Gepäck. Diese wurden dem Bürgermeister und dem Pfarrer der orthodoxen Gemeinde zur Verteilung zur Verfügung gestellt.

Die Sorge des Bürgermeisters, dass mehr Kinder kommen, als es Geschenke gibt, habe sich bewahrheitet. Aber: Keines der Kinder ging leer aus. Daniela und Armin Pachner hatten vorgebaut: „Zum Glück hatten wir Reservepakete dabei.“ So hielt man manches bis zum Schluss zurück, beispielsweise die genähten Stofftaschen – gefüllt mit Zahnbürste, Zahnpasta und Hygieneartikeln – , die das DRK Winterbach an den Verein spendete (wir berichteten). Außerdem hatte man noch einen „riesig gefüllten Karton vom Wühli und einige Tassen dabei“. Das sei ihr Glück gewesen, um tatsächlich jedem Kind und jeder Familie, die erschienen ist, eine Freude zu machen. „Der Bürgermeister konnte es kaum glauben, dass wir alles bewältigt haben, und er war glücklich, dass es keine Beschwerden im Nachhinein gab“, fügt Armin Pachner an.

Berührende Begegnungen bleiben dem Ehepaar wieder in Erinnerung: Da ist ein kleines Mädchen, das mit seiner Familie in einem Randbezirk in einer „Ein-Raum-Wohnung“ in einer Holzhütte lebt. „Ein Sonnenschein – sie hat die Tür aufgemacht und bis über beide Ohren gestrahlt“, erzählt Daniela Pachner. Ein Lächeln, das die zweifache Mutter im Innersten berührt.

Trauriges Schicksal

Das traurige Schicksal von Valentina (10) ist ein weiteres, das ins Mark trifft: „Die Mutter ist tot, der Vater im Gefängnis. Sie und ihr jüngerer Bruder leben bei der Tante, die die beiden aufgenommen hat und wie ihre eigenen Kinder behandelt. Sie selbst hat auch zwei“, erzählt Daniela Pachner und weiter: „Valentina und ihr Bruder sind fröhliche und lebenslustige Kinder – trotz allem. Wie wir erfahren haben, hat der Vater die Mutter totgeschlagen und Valentina hat das als Kleinkind mitbekommen.“ Daniela Pachner stockt. Man merkt ihr an, dass ihr solche Geschichten ans Herz gehen. „Umso schöner ist es, wenn wir das Lächeln und die Freude der Kinder sehen.“ Ihr Mann ergänzt: „Wir sind eine der wenigen Organisationen, die sich um die Spendenübergabe selbst kümmern. Bei uns kann man sich darauf verlassen, dass die Spenden direkt ankommen. Der Kontakt und die Verbindung zu den Menschen dort wird immer intensiver – vor allem deshalb, weil sie unsere Gesichter sehen und wissen, wir kommen immer wieder.“

Sommercamp für Patenkinder

Die nächste Weihnachtsaktion wird auch 2022 stattfinden – „und dann gleich mit mehr als 800 Geschenken, damit es für alle reicht“, lacht Daniela Pachner. Als größeres Projekt fasst der Verein im Sommer etwas Besonderes ins Auge: „Wir wollen unsere zehn Patenkinder nach Deutschland in deren Ferien einladen.“ Dafür wolle man in der ersten oder zweiten Juliwoche ein „Sommercamp“ organisieren, ein Freizeitheim anmieten, den Kindern „das deutsche Schulsystem zeigen und einige Ausflüge unternehmen“. Der Wunsch: „Hoffen wir, dass wir das hinbekommen, ohne dass uns Corona einen Strich durch die Rechnung macht“, so das Ehepaar Pachner.

Für viele Kinder in der rumänischen Gemeinde Rodna wird der 28. Dezember noch lange in Erinnerung bleiben: An diesem Tag haben Daniela und Armin Pachner vom Schorndorfer Verein „Mission Happy Kids“ sowie viele Mitstreiter in Rumänien liebevoll verpackte „Schuhkartons mit Weihnachtsgeschenken“ von Schorndorfer Familien und Spendern an die Vereins-Patenkinder und an mehr als 800 Kinder übergeben.

„Entspannte“ Corona-Lage in Rumänien

Es ist die zweite Weihnachtsaktion, die der

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