Schorndorf

Schorndorf will mobile Luftfilter - aber nur für schlecht belüftete Klassenzimmer

Symbolfotoschulecorona
Wie können Schulschließungen verhindert werden? © Gaby Schneider

Die Debatte um Luftfilter in Schulen und Kindergärten hat Eltern, Fraktionen und Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen stark bewegt. Nun hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einen Knopf daran gemacht und auf Vorschlag der Verwaltung einen Grundsatzbeschluss gefasst. Einstimmig beschlossen wurde die schnellstmögliche Anschaffung von bis zu 30 mobilen Luftfiltergeräten für Klassenzimmer und Kitaräume, in denen nicht ausreichend gelüftet werden kann. Die Kosten liegen bei rund 100.000 Euro, wobei ein Zuschuss von bis zu 50 Prozent erwartet wird. Bei Neubauten und größeren Umbauten in Schulen und Kitas sollen künftig grundsätzlich stationäre Lüftungsanlagen installiert werden. Konkret wird das in Kürze beim Neubau der Rainbrunnenschule und bei der Kita Uhlandstraße der Fall sein, wo die Geräte eingebaut werden. Auf Antrag der CDU wird auch die nachträgliche Installation in bestehende Gebäude geprüft.

Ausweichunterricht in Hallen?

Ebenfalls auf Antrag der CDU werden in Schulen und Kitas CO2-Ampeln aufgestellt. Zudem sollen für 300.000 Euro Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche für die Schul- bzw. Kita-Jahre 2021/2022 und 2022/2023 erweitert werden. In Absprache mit den Schulleitern wird geprüft, ob für Klassen und Kitagruppen auch Ausweichräume wie Turnhallen infrage kommen - ein Punkt, den die Verwaltung angesichts von 8000 Schülern in Schorndorf zwar sinnlos fand, für den sich aber besonders CDU-Rätin Julia Schilling mit großem Nachdruck eingesetzt hatte. Um die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen, die unter der Pandemie in der Schule, aber auch seelisch besonders gelitten haben, werden Fördermaßnahmen wie Sprachförderung, Schulsozialarbeit, mobile und offene Jugendarbeit und die ehrenamtliche Unterstützung der Schüler in und außerhalb der Schule ausgebaut.

Ein Schüler appelliert an den Gemeinderat

Auch wenn es sich viele Eltern anders gewünscht hätten: Räume, in denen gut gelüftet werden kann, werden keinen mobilen Luftfilter bekommen. Genau dafür hatte sich in der Bürgerfragestunde zu Beginn der Sitzung ein Schüler des Max-Planck-Gymnasiums starkgemacht und daran erinnert, dass mobile Luftfilter in verschiedenen Städten und Schulen bereits im Einsatz seien. „Ich fände es toll, wenn bis Ende der Sommerferien möglichst viele installiert werden würden“, sagte er. Auch momentan bei 26 Grad sei es schwierig, in den Klassenzimmern zu lüften. In einem Schreiben an den Rat hatte sich auch die Senioren-Union für mobile Luftfilter ausgesprochen.

Das Wichtigste für den Schutz der Kinder: Impfung der Eltern

Doch die Faktenlage ist unklar - darauf verwies Bürgermeister Thorsten Englert. „Es gibt eine Flut an Gutachten und Gegengutachten, die es uns schwergemacht haben“, sagte er. Auch von Bund und Land sei keine klare Vorgabe gekommen. Ein Problem sei die Lärmbelästigung, die von preisgünstigen Geräten ausgeht, leise arbeitende hochwertige Geräte kosteten aber 4500 Euro pro Stück. Außerdem: „Fenster öffnen und Masken tragen entfällt auch mit Luftfilter nicht“, erinnerte Englert. Im Gemeinderat stieß der Verwaltungsvorschlag auf grundsätzliche Zustimmung. „Wir sind uns einig, dass wir unsere Kinder besser schützen müssen, aber keiner hat alleinige die Lösung“, bekannte Jochen Schäfer (FDP/FW), dessen Fraktion das Thema im Gemeinderat angestoßen hatte. CDU-Rat Thorsten Leiter befürwortete die Debatte, erinnerte aber daran, dass es nicht die Luftfilter seien, die die Schulen offen halten könnten, sondern politische Entscheidungen. Zudem sei die Datenlage über die mobilen Geräte keineswegs eindeutig. Geändert habe sich aber die Lage in der Pandemie: Ein Großteil der Eltern und hoffentlich alle Lehrer seien geimpft, Testmöglichkeiten vorhanden. Stationäre Anlagen seien sinnvoll. „Das Wichtigste für den Schutz der Kinder ist aber die Impfung der Eltern.“

Zustimmung für den Vorschlag der Verwaltung kam auch von der SPD. Der Einbau stationärer Lüftungsanlagen sei auch außerhalb von Pandemiezeiten sinnvoll, weil dadurch in den Räumen bessere Luft erzeugt werde, sagte Sabine Reichle. Auch Ulrich Bußler (AfD), Andrea Sieber (fraktionslos) und Friederike Köstlin (Grüne) sahen den Vorschlag als gangbare Lösung. Für die Sicherheit der Kinder sei vor allem aber die Umsicht der Erwachsenen gefragt, betonte Friederike Köstlin und warb für Impfen, Masketragen und Lüften. Ansonsten freute sie sich wie Sabine Reichle sehr über die erweiterten Betreuungsangebote.

Die Debatte um Luftfilter in Schulen und Kindergärten hat Eltern, Fraktionen und Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen stark bewegt. Nun hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einen Knopf daran gemacht und auf Vorschlag der Verwaltung einen Grundsatzbeschluss gefasst. Einstimmig beschlossen wurde die schnellstmögliche Anschaffung von bis zu 30 mobilen Luftfiltergeräten für Klassenzimmer und Kitaräume, in denen nicht ausreichend gelüftet werden kann. Die Kosten

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