Schorndorf

Schorndorf: Wurden in der Corona-Zeit Fitnessstudio-Beiträge zurückgefordert?

CrossFit
In Schorndorfer Fitnessstudios gab es wenig bis gar keine Nachfragen wegen Beitragsrückzahlungen. © Benjamin Büttner

„Wir hatten in der damaligen Corona-Zeit als Vorstand von Monat zu Monat entschieden, wie wir mit den Beiträgen des Sportzentrums umgehen“, nimmt Benjamin Wahl, Geschäftsführender Vorstand der SG Schorndorf, Stellung zu Diskussionen über die Erstattung und Rückzahlungen der Mitgliedsbeiträge in Fitnessstudios.

Wegen der Corona-Krise hatten in einigen Städten viele Fitnessstudios die Verträge verlängert. Betroffene beschwerten sich hier und da, weil fristgerechte Kündigungen nicht akzeptiert oder Mitgliedsbeiträge einfach weiter erhoben wurden. Die können zurückgefordert werden, hat der Bundesgerichtshof im Mai entschieden. Wie einer Mitteilung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu entnehmen ist, hat jetzt das Landgericht Würzburg ebenfalls zugunsten eines Fitnessstudio-Besuchers entschieden.

Angebote und Alternativen dem Kunden unterbreitet

Zum Glück habe man solche Probleme nicht gehabt, sagt auch Christiane Enzelberger, PR- und Pressemanagerin der Fitnesskette „Clever fit“. Nach dem Franchise-Konzept wird auch ein „Clever fit“-Fitnessstudio in Schorndorf betrieben (Inhaber Norman und Michaela Kreuter). Enzelberger: „Grundsätzlich gilt für unsere Fitnesskette, dass wir in unseren Studios wegen Corona und den Schließungen, lange bevor irgendwelche Gerichtsurteile gefällt wurden, mit den Mitgliedern gesprochen und ihnen Angebote unterbreitet haben.“ Gerade während der Pandemie sei der Austausch mit den Mitgliedern ausschlaggebend und essenziell gewesen. „Die Franchise-Unternehmen haben nach Lösungen gesucht und diese auch gefunden, dass diese Probleme gleich gar nicht in dem Maße aufgekommen sind“, sagt die Pressemanagerin und lobt den Schorndorfer Studiobetreiber: „Norman Kreuter ist ein sehr guter Partner. Auch er hat den Mitgliedern Alternativen und Lösungen aufgezeigt.“

Die Rückmeldungen allgemein bei der Fitnesskette hätten gezeigt: Wenn ein Mitglied zufrieden ist und auch weiter seinem Studio die Treue halten will, „dann bleibt er auch“. Manche haben laut Enzelberger sogar gesagt: „Ich zahle meine Beiträge ganz normal weiter. Ich freue mich dann wieder, wenn ich ins Fitnessstudio gehen kann.“ Dass es Einzelfälle gegeben habe, dass Kunden ihre Mitgliedschaft während des Corona-Lockdowns ganz gekündigt haben oder auf die Alternativangebote nicht eingegangenen sind, bestreitet die Pressesprecherin nicht. „Und auch das ist völlig legitim und muss man akzeptieren.“

Im Fitnessstudio der SG Schorndorf hatte die Kommunikation mit den Mitgliedern ebenso höchste Priorität. Benjamin Wahl: „Als Sportverein waren wir sehr darauf bedacht, dass wir eine Lösung finden, welche Wahlmöglichkeiten offenlässt. Das heißt, dass wir zwar einige Monate eingezogen haben, aber dies immer vorher angefragt wurde, ob es auch in Ordnung ist.“ Das heißt, der Einzug ist sozusagen auf freiwilliger Basis erfolgt und die Mitglieder konnten jederzeit widersprechen. „Wir denken, dass dies ein sehr faires Vorgehen dargestellt hatte. Wir sind hier nach wie vor sehr dankbar für die damalige tolle Solidarität unserer Mitglieder gegenüber unserer SG“, so Wahl. Mit der Länge der Schließungen haben zunehmend mehr Menschen die SG gebeten, „nicht mehr einzuziehen, was wir dann entsprechend bei allen anstehenden Beitragseinzügen berücksichtigt haben“. Dies sei auch der Grund, so vermutet Benjamin Wahl, dass es nach der Urteilsverkündung im Mai wegen der Rückzahlungen so gut wie keine Rückfragen zu dieser Thematik gab. „Ich denke, hier spiegelt sich auch das faire Vorgehen des Vereins wider“, so der SG-Vorstand.

Der Fall vor dem Landgericht Würzburg: zugunsten des Verbrauchers entschieden

Im Fall, der am Landgericht Würzburg verhandelt wurde, hatte ein Verbraucher seinen Fitnessstudiovertrag fristgerecht gekündigt und den Betreiber des Fitnessstudios VK Bodyfit zur Rücküberweisung derjenigen Beträge aufgefordert, die er während des coronabedingten Lockdowns durchgehend gezahlt hatte (rund 200 Euro). Anstatt der vom Kunden gewünschten Erstattung verfolgte das Fitnessstudio jedoch die Geschäftspraxis, während der coronabedingten Schließzeiten gezahlte Beträge nicht zu erstatten, sondern in anderer Weise in ein „Konsumguthaben“ umzuwandeln. Nach einer „Varianten“-Lösung sollte ein Verbraucher die Wahl haben, das Guthaben zu verbrauchen, (nur) einen Teil davon erstattet zu erhalten oder die eingezogenen Beträge im Falle eines neu abzuschließenden Vertrags anrechnen zu lassen.

Das Recht der Kunden, eine volle Erstattung der Beiträge für die Schließzeit zu erhalten, verheimlichte das Studio. Selbst wenn das Studio mehrere Guthaben-Varianten anbietet, darf es nicht verschleiern, dass seine Kunden auch berechtigt sind, ohne jeden Nachteil die volle Erstattung der zu Unrecht eingezogenen Beiträge zu bekommen.

Weil der Anbieter uneinsichtig blieb, brachte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nach Abmahnung den Fall vor Gericht, nun gab ihr das Landgericht Würzburg recht. Bereits in ähnlichen Verfahren der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen Studiobetreiber entschieden die Gerichte jeweils zugunsten der Sporttreibenden.

„Wir hatten in der damaligen Corona-Zeit als Vorstand von Monat zu Monat entschieden, wie wir mit den Beiträgen des Sportzentrums umgehen“, nimmt Benjamin Wahl, Geschäftsführender Vorstand der SG Schorndorf, Stellung zu Diskussionen über die Erstattung und Rückzahlungen der Mitgliedsbeiträge in Fitnessstudios.

Wegen der Corona-Krise hatten in einigen Städten viele Fitnessstudios die Verträge verlängert. Betroffene beschwerten sich hier und da, weil fristgerechte Kündigungen nicht

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