Schorndorf

Schorndorfer Abfall-Hotspots: Der Sommer lockt die Müllsünder heraus

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Überfüllter Mülleimer am Kelterspielplatz © privat

Die letzten Tage waren ergiebig. Zumindest, was das Müllaufkommen im Schorndorfer Stadtgebiet betrifft. Etliche Leser haben uns mit Bildern versorgt, die sie in ihrem Ärger aufgenommen haben - schließlich es ist wirklich ein scheußlicher Anblick, der sich da rund um viele öffentliche Mülleimer immer wieder bietet.

Lockerung der Corona-Maßnahmen verstärkt die Probleme

Michael Kalischko von den Zentralen Diensten der Stadt Schorndorf kann davon ein Lied singen. „Seit der Corona-Pandemie hat sich das Müllaufkommen stark vergrößert“, weiß er. Die jüngsten Lockerungen der Schutzmaßnahmen vor dem Virus ziehen nun noch mehr Menschen nach draußen.

Und seit auch das Wetter (zumindest zwischen den vielen Regengüssen) besser geworden ist und es warm genug ist, um sich draußen zu verabreden, habe sich das Thema weiter verschärft.

„Sobald die Sonne rauskommt, werden die illegalen Partys und Grillfeste gefeiert.“ Weitere Stoßzeiten seien zu Ferienanfang und - ende. „Wir kommen schon gar nicht mehr rum“, beklagt Kalischko.

Vier Mitarbeiter sind täglich zwischen 6.45 und 16 Uhr damit beschäftigt, die öffentlichen Mülleimer zu leeren, drei weitere sind mit dem Straßenkehrfahrzeug unterwegs und sorgen für noch mehr Sauberkeit.

Weil derzeit so viel Müll zu beseitigen ist, wurden bereits zwei zweitere Mitarbeiter aus anderen Abteilungen rekrutiert. Am Wochenende gibt’s eine Sonderregelung. Da ist eine externe Firma unterwegs, um auch wochenends die Sauberkeit der Stadt zu gewährleisten.

Aber es gilt: Wenn die Arbeitszeit rum ist, wird noch beendet, was eben begonnen wurde. Überstunden sind aber im Grunde nicht geplant, schließlich gibt’s kaum Kapazitäten, sie abzubauen. „Dann wird eine Tonne, die vielleicht eigentlich zweimal pro Woche dran wäre, eben nur einmal geleert“, erklärt Michael Kalischko.

Die Mitarbeiter fahren ihre festgelegten Routen ab, werden aber immer wieder zu Spezialeinsätzen abgerufen, dann muss die Routinestrecke warten. Auf der Internetseite der Abfallwirtschaft Rems-Murr gibt es die Möglichkeit, überfüllte und vermüllte Container zu melden.

Renovierungswut im Lockdown fördert wildes Müllaufkommen

„Ich hab das Gefühl, dass seit Corona alles, was man zuvor jahrelang in den Kellern gehortet hat, jetzt vor Altpapiercontainern abgestellt wird“, ärgert sich Kalischko. Kaum zu glauben sei es, was da alles zu entdecken sei: alte Kühlschränke, unbrauchbar gewordene Betten und Hausmüll aller Art. Auch das Streben der Schorndorfer, in den Lockdowns das eigene Heim zu renovieren, habe Auswirkungen auf die Stadt.

„Seither sind sogar Tapetenreste und alte Teppiche zu finden.“ Auch die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) bestätigt, dass solche Müllhalden vor Altpapier-Containern seit Beginn der Corona-Pandemie häufiger vorkommen. Aber klar: Online-Einkäufe werden in einer Häufigkeit getätigt wie nie zuvor. Das Ergebnis sind riesige Mengen an Kartonagen. Und die landen zuletzt allzu häufig vor den Containern.

Ordnungswidrigkeit, die richtig teuer werden kann

Auf Verursacher größerer Müllablagerungen kommen Bußgelder in Höhe von 100 bis 500 Euro, je nach Menge des entsorgten Unrats, zu, heißt’s aus der Pressestelle des Landratsamtes. Schließlich handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Hinzu kommen die Kosten für den Transport des Mülls zu einer Deponie der Abfallwirtschaft Rems-Murr und die dortige Entsorgung.

Beobachten städtische Vollzugsdienste kleinere Müllsünden wie das Wegwerfen von Kaffeebechern oder Zigarettenkippen, erfolgt meist ein belehrendes Gespräch, nach dessen Abschluss es für einsichtige Müllsünder bei einer mündlichen Verwarnung bleibt.

Das Problem: Bei gravierenden, illegalen Müllentsorgungen sei meist nicht mehr nachzuvollziehen, wer den Müll abgelagert hat, weiß Kalischko. „Ganz sorgsam werden da die Briefköpfe rausgeschnitten.“ Und haben ab und an doch Nachbarn beobachtet, wer seinen Müll in den öffentlichen Raum pfeffert, wagten sie sich häufig nicht, den Täter zu identifizieren. Tatsächlich habe Kalischko als Begründung für diese Zurückhaltung schon häufig gehört, dass man Angst vor Rache-Aktionen am eigenen Haus durch die Identifizierten hätte.

Ein Problem sind auch die Mülltonnen in der Innenstadt. Die Bewohner deponieren ihre privaten Mülltonnen, wenn diese zur Abholung dran sind, häufig an den Stellen, an denen auch die städtischen Mülleimer stehen. Allerdings werde dann häufig auch Unrat abgelagert, den die abholende Firma Schäf nicht mitnimmt. Deren Mitarbeiter laden nur ein, wozu sie verpflichtet sind. Alles Übrige bleibt liegen. „Und dann sind wir dran“, erklärt Kalischko.

Pizzakartons blockieren sonst leere Abfalleimer

Weitere Müllschwerpunkte seien rund ums Schorndorfer Rathaus, in der Hetzelgasse sowie überall, wo’s Gastro und Fast Food gebe, aber auch vor Eisdielen. Zum Teil hat man an diesen Stellen inzwischen größere Tonnen aufgestellt. Ungeschickt sei, dass Passanten häufig ihren leeren Pizzakarton vorm Einwerfen in die Mülleimer nicht falteten, sondern ihn einfach quer in den Einwurfschlitz steckten, wo er dann liegen bleibt, so dass weiterer Müll nicht mehr eingeworfen werden kann.

Der werde dann leider allzu häufig einfach auf den Mülleimer gelegt, fällt herunter, sammelt sich neben den Tonnen an, so lange bis, Kalischkos Team anrückt.

All der eingesammelte Abfall wird zum Bauhof gebracht und dort in eine Presse geleert. Der passende Container fasst 20 Kubik und wird wöchentlich geleert und zur Halde nach Kottweil gebracht, wo der dann sortiert wird, bevor’s zu einer größeren Müllbeseitigungsanlage geht.

Die letzten Tage waren ergiebig. Zumindest, was das Müllaufkommen im Schorndorfer Stadtgebiet betrifft. Etliche Leser haben uns mit Bildern versorgt, die sie in ihrem Ärger aufgenommen haben - schließlich es ist wirklich ein scheußlicher Anblick, der sich da rund um viele öffentliche Mülleimer immer wieder bietet.

Lockerung der Corona-Maßnahmen verstärkt die Probleme

Michael Kalischko von den Zentralen Diensten der Stadt Schorndorf kann davon ein Lied singen. „Seit der

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