Schorndorf

Schorndorfer Allergologe Rainer Reiber gibt Tipps bei Heuschnupfen

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Rainer Reibers Praxis ist in Süddeutschland führend in der Allergologie. © Ralph Steinemann Pressefoto

Die Pollenflug-Saison hat begonnen. Für viele Allergiker bedeutet das eine laufende Nase, juckende Haut oder tränende Augen. Der Allergologe Rainer Reiber berichtet über die vielfältigen Ursachen und effektive Behandlungsmethoden.

Einige Pollenallergiker werden es mit Sicherheit schon bemerkt haben: Die Frühblüher schlagen aus und markieren für viele den Beginn einer Leidenszeit. Wie Rainer Reiber erklärt, gibt es mittlerweile keine richtige Allergie-Hoch-Zeit mehr, auch wenn die meisten Menschen im Frühjahr betroffen sind: „In der Zwischenzeit geht diese eigentlich 365 Tage lang. Im schlimmsten Fall gibt es für einige Allergiker gar keine Erholungszeit mehr.“

Denn neben den im Frühjahr und Sommer fliegenden Pollen und Gräsern sorgen im Herbst im Laub auftretende Schimmelpilzsporen für allergische Reaktionen. Hausstauballergiker haben ohnehin das gesamte Jahr über zu kämpfen. Reiber ergänzt: „Heutzutage gibt es fast keine klassischen Einzelallergiker mehr. Wenn, dann reagieren die Menschen gleich auf mehrere Allergene.“

Begründungen dafür gebe es verschiedene: Zum einen sehen einige Studien Umweltveränderungen als Hauptursache, wie Reiber sagt. Er fügt an: „Meine persönliche Meinung ist, dass wir in den meisten Fällen zu spät reagieren. Wir behandeln oft nur die Symptome, jedoch nicht die Ursachen einer Allergie. So können sich Allergien in aller Ruhe ausbreiten.“ Die abwartende, inkonsequente Haltung von Ärzten und Patienten wirkt nämlich alles andere als präventiv.

Das Problem liegt vor allem am hohen, individuellen Aufwand für beide Seiten, wie der Experte sagt. Immerhin dauert eine ordentliche Therapie drei bis fünf Jahre. Ein Viertel der Patienten würde die Behandlung nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand zu früh beenden. Bürokratie-Probleme seien an der Tagesordnung.

Um sich effektiv behandeln zu lassen, rät der Allergologe zu einer Behandlung außerhalb der Pollensaison. „Im März ist es schon zu spät, um diese Zeit können wir lediglich die Symptome versuchen zu lindern“, sagt er. Das funktioniert in den allermeisten Fällen mit Antiallergika, wie beispielsweise Cetirizin. Diese, erklärt der Facharzt, weisen eine Erfolgsquote von über 80 Prozent auf.

Er empfiehlt Medikamente der zweiten Generation. Laut Reiber machen sie weniger müde, und Patienten vertragen sie grundsätzlich besser, auch wenn sich Nebenwirkungen von Mensch zu Mensch unterscheiden können. Trotzdem wirken diese Medikamente nur zeitlich begrenzt und bekämpfen die Ursache nicht.

Die intravenöse Verabreichung von Kortison, wie man es von früher kennt, werde nur noch in Notfällen eingesetzt. Wer seine Allergien an der Wurzel packen will, sollte nach Reibers Empfehlung bereits im Herbst oder Winter einen Experten aufsuchen. Er sagt: „Eine Allergie hat man lebenslang, die Symptome aber nicht. Das Ziel ist immer, dass der Patient seine Beschwerden unter Kontrolle bekommt.“

Allergie oder Corona?

Doch was tun, wenn sich die Pollenallergie in Atembeschwerden und anderen Erkältungssymptomen äußert? Immerhin sind diese für die Betroffenen nicht von denen des Coronavirus zu unterscheiden. Rainer Reiber hat eine klare Meinung dazu: „Das Virus ist so heimtückisch, dass auch Ärzte nicht sagen können, ob es sich tatsächlich um eine Allergie oder Covid-19 handelt. Deshalb verlange ich von jedem, der in meine Praxis kommt, ein negatives Testergebnis.

Ich bin großer Anhänger der Testkampagne.“ Ein negativer Test beruhigt die Patienten und gibt auch dem Arzt Sicherheit. Immerhin eine gute Seite hat die Corona-Zeit für alle Pollenallergiker, denn das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kann die Symptome abschwächen. Pollen können dadurch nämlich nicht so einfach in den Nasen- und Rachenraum gelangen. Trotzdem relativiert Reiber dies: „Niemand trägt die Maske den ganzen Tag über. Allergien sind außerdem zu komplex. Gerade der psychische Faktor spielt eine große Rolle.“

Studien aus Amerika würden belegen, dass Allergiesymptome einzig durch psychische Therapieansätze gelindert werden können. Die Allergie selbst könne so aber nicht geheilt werden. Rainer Reiber bestätigt abschließend, dass tatsächlich immer mehr Menschen von Allergien betroffen sind: „Das sind Fluch und Segen der verbesserten Hygiene.

Durch zu wenige Umwelteinflüsse entwickeln immer mehr Körper Allergien.“ Auch die Lebensweise spiele eine große Rolle. Das Rauchen zum Beispiel, erklärt er, verschlimmert Symptome und mindert gleichzeitig die Erfolgschancen einer Behandlung.

Ungesunde Ernährung, die auf Dauer Bioflora verändert, wirkt sich ähnlich aus. Der Darm ist im Bezug auf Allergien das wichtigste Organ. Die Empfehlung des Experten ist es, sich ausgewogen zu ernähren und möglichst wenig Fast Food zu konsumieren. Er sagt: „Ein Hamburger schimmelt nicht, doch ein paar Keime schaden dem Körper ganz und gar nicht.“

Trotzdem sollen seine Patienten leben dürfen, wie sie wollen. Rainer Reiber hält nichts von strengen Verboten und dem erhobenen Zeigefinger: „Da halte ich es wie Erich Kästner. Seien wir ehrlich. Das Leben ist immer lebensgefährlich.“

Die Pollenflug-Saison hat begonnen. Für viele Allergiker bedeutet das eine laufende Nase, juckende Haut oder tränende Augen. Der Allergologe Rainer Reiber berichtet über die vielfältigen Ursachen und effektive Behandlungsmethoden.

Einige Pollenallergiker werden es mit Sicherheit schon bemerkt haben: Die Frühblüher schlagen aus und markieren für viele den Beginn einer Leidenszeit. Wie Rainer Reiber erklärt, gibt es mittlerweile keine richtige Allergie-Hoch-Zeit mehr, auch wenn die

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