Schorndorf

Schorndorfer Ehepaar besucht Patenkinder in Südamerika

1/2
Patenkinder in Südamerika besucht_0
Im Tierpark konnten sich Timo Heckenlaible und sein Patenkind Jose, dessen Mutter und Jessica Heckenlaible näher kennenlernen. © Privat
2/2
_1
Highlight ihres Besuchs war für Jessica Heckenlaible ein ungestörtes Gespräch mit ihrem Patenkind Will mit Blick auf seine Heimatstadt. Sie hat dafür extra ein paar Spanischfloskeln gelernt. Ansonsten musste ein Übersetzungsprogramm weiterhelfen.

Schorndorf. Viele junge Erwachsene reisen nach Südamerika, um Land und Leute kennenzulernen. Eher selten kommt es aber vor, dass sie dort hinreisen, um einen ganz speziellen Menschen zu treffen. 

Jessica Heckenlaible war fast selbst noch ein Kind, als sie vor sieben Jahren beschloss, mit ihrem Taschengeld „etwas Nützliches zu tun“ und Patin eines in Armut lebenden Kindes zu werden. Eine wahrlich noble Entscheidung, schließlich bedeutete das, auf 30 Euro von ihren 50 Euro Taschengeld zu verzichten. „Ich bin durch die Erzählungen einer Freundin darauf gekommen“, erinnert sich die heute 23-Jährige. Als gläubige Christin habe sie sich bewusst für die Organisation „Compassion“ entschieden, die über ihre Webseite Patenschaften für Kinder aus 25 Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas vermittelt.

„Auf der Webseite gibt es Fotos und Informationen zu den einzelnen Kindern. Da steht zum Beispiel auch, wie lange sie schon auf eine Patenschaft warten.“ Jessica Heckenlaible hatte keine genauen Vorstellungen, wo ihr Patenkind herkommen, wie alt es sein oder wie es aussehen sollte. Ihr einziger Wunsch war: Es sollte ein Junge sein. „Vielleicht, weil ich eine ältere Schwester habe und mich deswegen die Beziehung zu einem Jungen mehr interessiert hat.“

Als ich den Trailer gesehen habe, hat es mich gepackt

Die endgültige Entscheidung hat sie letztendlich der Organisation überlassen. „Es wird schon das Richtige sein“, war sie überzeugt. Wenig später bekam sie Bescheid und noch in derselben Woche schrieb sie dem fünfjährigen Will aus Tegucigalpa in Honduras den ersten Brief.

Auch Timo Heckenlaible legte die Entscheidung, wer sein Patenkind wird, „in Gottes Hand“. Zwei Jahre nach seiner jetzigen Frau und ein Jahr, nachdem die beiden ein Paar geworden waren, übernahm er die Patenschaft für Jose aus Guayaquil in Ecuador. Nicht seine damalige Freundin, sondern ein bei einem Konzert gezeigter Trailer über die Arbeit der Organisation habe ihn dazu bewogen. „Ich bin ein sehr visueller Mensch. Als ich den Trailer gesehen habe, hat es mich gepackt“, erzählt der 27-Jährige.

„Anwalt werden“ ist der größte Wunsch des zwölfjährigen Will

Dass beide Patenkinder in Lateinamerika leben, sei ein glücklicher Zufall, sagen der Sozialpädagoge und die Erzieherin, denn so konnten sie im August beide Patenkind-Besuche miteinander verbinden. Jeweils einen Tag hat das Ehepaar mit Will und Jose verbracht, begleitet von einem Fahrer, einem Dolmetscher und zwei Vertretern der Organisation, die die Treffen auch geplant haben. „Ich war davor total aufgeregt“, berichtet Jessica Heckenlaible. Zur Begrüßung habe sie Will dann in den Arm genommen. Durch die Briefe und die darin ausgetauschten Informationen über ihre Hobbys, Familien und Vorlieben habe sie das Gefühl gehabt, ihn bereits ganz gut zu kennen.

„Er war ein bisschen zurückhaltend“, erinnert sie sich, „immerhin kommt er gerade in die Pubertät.“ Gemeinsam mit Will und seinem Vater haben sie einen Tierpark und einen Indoor-Spielplatz besucht. Zu Will nach Hause durfte das Ehepaar nicht, die Gegend, in der er wohnt, sei zu gefährlich. „Ich hätte schon gerne gesehen, wie er lebt“, bedauert die Schorndorferin. Aber immerhin - von einer Aussichtsplattform mit Blick über Tegucigalpa aus konnte Will ihr seinen Wohnort zeigen.

Ein berührender Moment für Jessica Heckenlaible. „Als wir nur zu zweit da oben standen, habe ich ihn dann auch nach seinem größten Wunsch gefragt. Da hat er geantwortet: ‚Anwalt werden’.“ Ein bemerkenswerter Traum für einen Zwölfjährigen aus bitterarmen Verhältnissen, findet die 23-Jährige, die ihr Patenkind gegebenenfalls bis zur Verwirklichung dieses Ziels unterstützen will.

Ganzes Dorf dankt den Besuchern für ihre Hilfe

Dass die finanzielle Unterstützung, das monatlich überwiesene Geld, auch tatsächlich ankommt, davon konnte sich Timo Heckenlaible vor Ort überzeugen. Nach einem Tierpark-Besuch in Guayaquil durfte er mit seinem Patenkind Jose in dessen Heimatdorf fahren. „Als wir ins Dorf kamen, stand da eine Kinderkette mit unseren Namen. Das ganze Dorf war da. Wir waren die gefeierten Helden.“

Seit 2005 habe es über die Organisation nur fünf Patenschaftsbesuche in Ecuador gegeben, weiß Heckenlaible, in dem Dorf sei seiner der zweite gewesen. Dort leben mehrere Kinder, die die Organisation „Compassion“ in ihr Patenschaftsprojekt aufgenommen hat. Sie dürfen ein Kinderzentrum besuchen, das von einer einheimischen christlichen Gemeinde geführt wird. Sie bekommen eine warme Mahlzeit, werden ärztlich versorgt und bei den Hausaufgaben betreut. Darüber hinaus würden auch Schulungen für die Eltern angeboten, lobt das Ehepaar Heckenlaible.

Der Abschied war sehr emotional

Nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie werde unterstützt - gerade bei Jose, dessen Mutter seit zwei Jahren alleinerziehend ist, ein wichtiger Ansatz. „Ich fand es über den Tag hinweg schwierig, herauszufinden, wie uns seine Mutter sieht. Als die besseren Versorger?“ Letztendlich habe sie ihm am Ende seines Besuchs gedankt und ihm gesagt, wie froh sie über die Unterstützung sei, und damit seine Unsicherheit zerstreut.

Der Abschied von Jose sei dann sehr emotional gewesen, der Zehnjährige habe viel geweint. Und was macht man da? ‚Bis bald’ könne man ja nicht sagen, ‚hoffentlich sehen wir uns bald wieder’ auch nicht. Letztendlich habe er ihn gebeten, er solle ihm bald wieder schreiben. Fest steht für die Schorndorfer: „Für uns alle werden diese Tage unvergesslich bleiben.“


Schorndorf. Viele junge Erwachsene reisen nach Südamerika, um Land und Leute kennenzulernen. Eher selten kommt es aber vor, dass sie dort hinreisen, um einen ganz speziellen Menschen zu treffen. 

Jessica Heckenlaible war fast selbst noch ein Kind, als sie vor sieben Jahren beschloss, mit ihrem Taschengeld „etwas Nützliches zu tun“ und Patin eines in Armut lebenden Kindes zu werden. Eine wahrlich noble Entscheidung, schließlich bedeutete das,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper