Schorndorf

Schorndorfer Fitnessstudios verzweifeln in der Krise

Alexandros Stampoulidis
Alexandros Stampoulidis. © Privat

Corona hat die Fitnessstudios besonders hart erwischt. Nachdem sie vergangenes Jahr teilweise sehr viel Geld in Hygienekonzepte investiert hatten, mussten sie im November trotzdem schließen. Nach fast sieben Monaten im Lockdown fühlen sich unter anderem die Betreiber des "Topfit" und des Smash-Fitness-Parks von der Politik im Stich gelassen und wollen auf die Wichtigkeit ihrer Branche aufmerksam machen.

Auf einer Ebene mit Clubs und Freizeitparks

Alexandros Stampoulidis betreibt den Smash-Fitness-Park in der Gmünder Straße und ist unzufrieden. Seit Monaten hat er sein Studio geschlossen. Er hat zwar zwischenzeitlich Individualtraining angeboten, doch der Aufwand sei für den geringen Ertrag viel zu groß. Vergangenes Jahr hat der Bodybuilder laut eigener Aussage 20.000 Euro in Luftfilteranlagen und Desinfektionsspender investiert, um seinen Kunden ein Training unter Pandemiebedingungen zu ermöglichen. Dass er seit November trotzdem nicht mehr öffnen darf, stößt ihm bitter auf. „Die ganze Branche hat gemerkt, dass wir immer noch als Muckibuden wahrgenommen werden“, sagt er. Denn Fitnessstudios fallen in der bundesweiten Regelung in den Bereich Freizeit und nicht etwa unter kontaktlosen Sport. Damit stehen sie auf einer Ebene mit Clubs, Freizeitparks und Bordellen. Das sorgt bei Alexandros Stampoulidis für Kopfschütteln. „Man hört aus Berlin, dass die Gartenarbeit das Fitnessstudio ersetzen soll. Das ist einfach nur traurig.“ Er weist darauf hin, wie wichtig körperliche Betätigung gerade in Pandemie-Zeiten ist. Das, sagt er, haben mehrere Studien erwiesen. Außerdem habe sich niemand in seinem Studio angesteckt. Er glaubt auch nicht, dass die Ansteckungsgefahr beim Training mit Abstand und Maske größer sei als im Supermarkt. „Die Leute, die die Entscheidungen treffen, setzen sich nicht mit dem Thema auseinander“, ergänzt er. Gerade ältere Kunden würden sich regelmäßig bei ihm melden und von Schmerzen aufgrund von Trainingsausfällen erzählen. Der Betreiber des Smash-Fitness-Parks fordert deshalb neue Lösungen. Ständige Isolation helfe nicht weiter. Irgendwann im Juni, so vermutet er, könnte es endlich wieder losgehen. Er ist dazu bereit, wenigstens wieder unter strengen Hygienemaßnahmen zu öffnen. Dabei verweist er auch auf den Profisport. „Jeder Leistungssportler darf ganz normal trainieren, aber es geht nicht nur um die.“

Auch das Topfit in der Nicolas-Otto-Straße hat seit Monaten geschlossen. Inhaber Dennis Frank, der Studios in mehreren Städten besitzt, hat in seiner Verzweiflung einen Brief an alle Bürgermeister und Gesundheitsämter seiner Studio-Standorte geschickt. Darin argumentiert er, dass Fitnesstraining für ihn und viele andere durchaus systemrelevant ist. Er schreibt: „Unzählige wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine gute körperliche Fitness eine wichtige Basis für eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung und einen entscheidenden Schutzfaktor vor schwerwiegenden Verläufen bei Infektionserkrankungen bietet.“ Außerdem beklagt er, dass er zum wiederholten Male keine Soforthilfen erhalten habe.

Topfit entwirft ein neues „Muscle Beach“-Konzept

In der Hoffnung, früher öffnen zu können, hat das Topfit im Lockdown sogar ein komplett neues Outdoor-Konzept mit dem Namen „Muscle Beach“ entworfen. „Aufgeben ist für mich keine Option“, sagt Dennis Frank. Topfit will das Studio einfach auf den Parkplatz vor dem Studio verlagern. Ganz nach dem Vorbild in Los Angeles sollen die Kunden unter freiem Himmel und mit viel Abstand trainieren können. Für das besondere Strand-Feeling sieht das Konzept auch Palmen und aufgeschütteten Sand vor. Um die Privatsphäre der Kunden zu wahren, soll ein Sichtschutz aufgestellt werden.

„Wir sind guter Dinge, dass unser Outdoor-Konzept bei allen angeschriebenen Bürgermeistern auf große Zustimmung trifft und genehmigt wird, da ja auch hier die Wissenschaft eine eindeutige Studienlage veröffentlicht hat, sagt der Topfit-Pressesprecher Andreas Schamott. Denn 99 Prozent der Infektionen passierten in geschlossenen Räumen, im Freien tendiere die Ansteckungsgefahr gegen null.

Was beiden Studiobetreibern große Sorgen bereitet, sind die vielen Insolvenzen in der Branche. Alexandros Stampoulidis erzählt, dass immer mehr Studios ihre Geräte verkaufen und schließen müssen. Das kann er im Internet beobachten. Da keine neuen Kundenverträge abgeschlossen werden können, vermutet Andreas Schamott, dass 20 bis 30 Prozent aller Fitnessstudios die Pandemie nicht überleben werden. Damit ihnen das selbst nicht blüht, wünschen sie sich ein Umdenken in der Politik. Diese hat die Betreiber nämlich „mega enttäuscht“.

Corona hat die Fitnessstudios besonders hart erwischt. Nachdem sie vergangenes Jahr teilweise sehr viel Geld in Hygienekonzepte investiert hatten, mussten sie im November trotzdem schließen. Nach fast sieben Monaten im Lockdown fühlen sich unter anderem die Betreiber des "Topfit" und des Smash-Fitness-Parks von der Politik im Stich gelassen und wollen auf die Wichtigkeit ihrer Branche aufmerksam machen.

Auf einer Ebene mit Clubs und Freizeitparks

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