Schorndorf

Schorndorfer Integrationsrat: Gibt es unter Geflüchteten zwei Klassen?

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FIS
Die Mitglieder des Fachrats für Integration bei seiner Einrichtung im Jahr 2021. © privat
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Fachrat Integration Sprecher
Tanja Giffoni und Muhammet Türk, Sprecher des Fachrats für Integration. © Stadt Schorndorf

Zum inzwischen fünften Mal hat seit seiner Konstituierung im Juni 2021 der Fachrat für Integration getagt. Zusammengesetzt ist er aus sieben Ehrenamtlichen, fünf Mitgliedern der Gemeinderatsfraktionen und fünf Hauptamtlichen der Stadt. „Das Gremium sollte klein und schlagkräftig sein“, erklärt dessen Geschäftsführer Christian Bergmann, Fachbereichsleiter Familie und Soziales, „und das hat sich auch bewährt.“ Im Dezember 2020 hatte der Gemeinderat die Verwaltung damit beauftragt, einen Fachrat für Integration einzurichten und damit einen umfassenden Beteiligungsprozess zu starten.

Zu dessen Zielen und Aufgaben heißt es in der Satzung, dass er „Kooperationspartner, Ansprechpartner und Impulsgeber für die Integrationsarbeit in Schorndorf“ sein solle. Zur Halbzeit des jeweils für zwei Jahre eingesetzten Gremiums hat Christian Bergmann eine positive Bilanz gezogen.

„Es ist lehrreich, verschiedene Perspektiven zu bekommen. Das schätze ich jetzt und in Zukunft.“ Ein wichtiger Aspekt sei auch, das Thema Verwaltung transparent zu machen. „Wie können wir uns euch dienbar machen? Da lernen wir.“ Denn eine Stadtgesellschaft sei ein komplexes Gebilde. „Die Frage ist immer, wie machen wir das? Bei der Sprachförderung an Schulen, bei der interkulturellen Öffnung.“

Um derlei umzusetzen, hat der Fachrat einige wichtige Rechte gegenüber der Verwaltung bekommen: das Informationsrecht, ein Antragsrecht, das Recht auf Anfragen und Empfehlungen und darauf, Stellungnahmen abzugeben. „Die Mitglieder des Fachrates beraten uns als Verwaltung.“ Dabei hat Bergmann inzwischen den Eindruck, dass eine zweijährige Mitgliedschaft im Gremium womöglich zu kurz sei.

Aktuell stehen, wie sich auf der letzten Sitzung des Fachrates gezeigt hat, die Versorgung und die Eingliederung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Vordergrund. Insgesamt sind etwa 230 Personen in Schorndorf aufgenommen worden. „Die Stadt ist dabei, weitere Wohnungen anzumieten“, sagt Bergmann. Dabei wolle man die spontan erfolgte „Privatzimmer-Situation auflösen“, das heißt, eigene Räume für die Geflüchteten finden.

Gerechtigkeit und Integrationsneid: Es soll keine Zwei-Klassen-Behandlung geben

Damit die Menschen aus der Ukraine Arbeit finden können, werde intensiv mit dem Jobcenter zusammengearbeitet. In einzelnen Fällen seien Flüchtlinge auch wieder zurückgekehrt. Auf ein Problem verwies eine Frage aus dem Gremium: „Wenn es für Ukrainer beschleunigte Lösungen gibt, vielleicht dann auch für andere?“ Gibt es – nicht nur in Schorndorf– zwei Klassen von Ausländern? Und muss man in der Bevölkerung so etwas wie einen „Integrationsneid“ befürchten?

Zum Thema Gerechtigkeit machte Bergmann klar: „Egal welcher Ethnie jemand angehört, es sollte keine Zwei-Klassen-Behandlung geben.“ Und er sieht auch etwas Erfreuliches im Unterschied zur Flüchtlingssituation 2015: „Unsere Gesellschaft hat dazugelernt.“ Heute etwa sitzt ein Syrer im Gremium des Fachrates. Die eigene Wohnung zur Verfügung zu stellen, sei nicht mehr so angstbesetzt, wie es das noch 2015 war. Auch wenn man beobachten könne, dass die Aufnahmebereitschaft gegenüber den Ukrainern, vielleicht aus kulturellen „Affinitäten“, eine andere ist.

Heikle Themen, die nicht zuletzt durch den Schorndorfer Fachrat für Integration produktiv und vermittelnd aufgegriffen werden sollten.

Zum inzwischen fünften Mal hat seit seiner Konstituierung im Juni 2021 der Fachrat für Integration getagt. Zusammengesetzt ist er aus sieben Ehrenamtlichen, fünf Mitgliedern der Gemeinderatsfraktionen und fünf Hauptamtlichen der Stadt. „Das Gremium sollte klein und schlagkräftig sein“, erklärt dessen Geschäftsführer Christian Bergmann, Fachbereichsleiter Familie und Soziales, „und das hat sich auch bewährt.“ Im Dezember 2020 hatte der Gemeinderat die Verwaltung damit beauftragt, einen

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