Schorndorf

Schorndorfer Kurt Klotzbücher ist im Alter von 98 Jahren  verstorben

KurtKlotzbuecher
In Schorndorf sehr bekannt: Kurt Klotzbücher. © Gaby Schneider

Eine bekannte Schorndorfer Persönlichkeit ist tot: Kurt Klotzbücher. Am 2. November ist er im Alter von 98 Jahren verstorben. Auch in der Redaktion der Schorndorfer Nachrichten war er kein Unbekannter, bezog er doch mit großem Einsatz in Leserbriefen Stellung gegen die AfD.

Ein bewegtes Leben prägte ihn: 1923 geboren, konnte er der Nazi-Propaganda nicht ausweichen. Mit zehn Jahren wechselte Kurt Klotzbücher vom CVJM ins Jungvolk, mit 14 gehörte er zur Hitlerjugend. Die Mutter, alleinerziehend, hatte zu Hause auch noch die jüngeren Schwestern zu versorgen. Indessen exerzierten die Buben auf dem Turnhallenvorplatz der Künkelinhalle, marschierten sonntagmorgens in die Berglen. 18-jährig „durfte“ Klotzbücher zum Reichsarbeitsdienst. Der junge Mann freute sich damals, als es endlich zur Musterung ging, so erzählte er es in einem Gespräch mit unserer Zeitung vor gut zwei Jahren: Er wollte in den Krieg, er wollte kämpfen. Klotzbücher unterbrach seine Lehre bei der Dr. Palm’schen chemischen Fabrik in Schorndorf. Der zunächst angesetzte Reichsarbeitsdienst wurde zu einer anstrengenden Rekrutenausbildung in Nancy (Frankreich). Er kam als Soldat nach Belfort und Mähren. Klotzbücher wurde selbst zum Ausbilder. Schließlich kam der Marschbefehl nach Russland. Anschließend folgte die Verlegung nach Dänemark, wo er Soldaten der Luftwaffen-Feld-Division ausbildete. Dann das einschneidende Erlebnis am 18. September 1944, das er ebenfalls im Interview beschrieb: Klotzbücher und ein Kamerad versteckten sich in einem Loch. Eine Schiffsartillerie übersah sie, auch ein Panzerpilot. Morgens dann stand plötzlich ein englischer Soldat mit einem Gewehr im Anschlag vor ihnen. Sein „Hände hoch“ beendete für Klotzbücher den Krieg. Gemeinsam mit dem Rest der Truppe wurden sie in Gefangenschaft genommen. Sammeltransport im Güterwagen, Verladung im Hafen von Tarent. Lageraufenthalt in Ägypten. Dann der Transport über den Suezkanal. Es ging durch Jerusalem, über Bagdad. Nach einem Bad im Euphrat ging’s nach Basra. Hier war ein riesiges Militärdepot für die englischen Truppen. Klotzbücher vertrieb sich Zeit und dunkle Gedanken mit Zeichnungen. Im September 1947 schließlich durfte Klotzbücher nach Hause. Zurück in Schorndorf war alles anders. Und Klotzbücher versuchte, einfach weiterzumachen. Fand eine Arbeitsstelle, stieg beruflich auf, heiratete, gründete eine Familie.

Auch im fortgeschrittenen Alter konnte er den Rechtsruck in der Gesellschaft nicht verstehen. Eine Hoffnung hatte er nie aufgegeben: dass die Demokratie stärker ist als neue rechtsgerichtete Strömungen. Kurt Klotzbücher wird am Montag, 8. November, um 12.30 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Schorndorf beigesetzt.

Eine bekannte Schorndorfer Persönlichkeit ist tot: Kurt Klotzbücher. Am 2. November ist er im Alter von 98 Jahren verstorben. Auch in der Redaktion der Schorndorfer Nachrichten war er kein Unbekannter, bezog er doch mit großem Einsatz in Leserbriefen Stellung gegen die AfD.

Ein bewegtes Leben prägte ihn: 1923 geboren, konnte er der Nazi-Propaganda nicht ausweichen. Mit zehn Jahren wechselte Kurt Klotzbücher vom CVJM ins Jungvolk, mit 14 gehörte er zur Hitlerjugend. Die Mutter,

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