Schorndorf

Schorndorfer Musikvereine sorgen sich wegen Corona um Zukunft

Blasmusikfestival
Aus dem Archiv: Der Musikverein Haubersbronn bei einem Auftritt vor der Coronakrise. © Benjamin Buettner

Nicht nur die Freude über die vielen kleineren Vereinsfeste oder auch große Feste wie die SchoWo fehlt derzeit. In vielen Vereinskassen brechen mit den Absagen auch große Teile der Einnahmen weg. Die Vorstände mehrerer Musikvereine schildern die teils schwierige Situation und geben einen Einblick in ihre Finanzen. Ute Engel von der Stadtkapelle macht sich derzeit allerdings nicht nur Sorgen ums Geld. Sie will wieder proben und übt massive Kritik an den Vorgaben der Politik. Für die Einschränkungen hat sie inzwischen kein Verständnis mehr.

Der Vorsitzende des Musikvereins Haubersbronn, Roland Hieber, erklärt, dass seinem Verein die Einnahmen von gleich drei Veranstaltungen fehlen. „Besonders die Einnahmen, die wir bei unserem Opening Anfang Mai gemacht hätten, fehlen uns“, sagt Hieber. Doch viele Ausgaben bleiben. Darunter die Miete, die der Verein für Räume in der Alten Schule an die Stadt bezahlt. „Wir nutzen jetzt unsere Rücklagen“, erklärt Hieber. Der Vereinsvorsitzende macht sich große Sorgen: Je länger die Einnahmen wegblieben, desto problematischer könne die Situation noch werden.

Stadt Schorndorf hat kürzlich einen Hilfsfonds aufgelegt

Der Stadt Schorndorf und dem Gemeinderat sind die Schwierigkeiten bekannt, kürzlich wurde daher ein Hilfsfonds aufgelegt. Jeder Verein kann aus diesem bis zu 2000 Euro beantragen. Insgesamt stehen 50 000 Euro bereit. Roland Hieber findet es gut, dass die Stadt Unterstützung leistet. Sein Verein habe bereits einen Antrag gestellt, aber noch keine Rückmeldung bekommen. Allerdings befürchtet Hieber, dass die Ausfälle weitaus höher sind als die 2000 Euro Unterstützung.

Die Kosten, die ein über 200 Mitglieder starker Verein habe, seien nicht zu unterschätzen. Neben Miete müssten etwa auch Versicherungen, Honorare und Noten bezahlt werden. Modernere Musiktitel kosten zwischen 50 und 100 Euro, erklärt Hieber. „Da kommen schnell hohe Summen zusammen.“ Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge kommt für ihn trotzdem nicht infrage. Schließlich hätten auch manche Vereinsmitglieder nun finanzielle Sorgen, etwa wegen Kurzarbeit in vielen Betrieben.


Uwe Lehar, Vorsitzender der 1. Musik- und Tanzvereinigung, berichtet Ähnliches. Auch dort fehlen die Einnahmen. Der Grund: Der Verein kann sein Vereinsheim in der Lortzingstraße nicht mehr weitervermieten. „Die Summen sind bislang aber schwer zu beziffern“, sagt er. Derzeit lebe der Verein von den Einnahmen der vergangenen Jahre, sagt er. Auch die 1. Musik- und Tanzvereinigung hat einen Antrag auf Unterstützung bei der Stadt gestellt. Im vergangenen Jahr habe der Verein vorerst zum letzten Mal aktiv an der SchoWo teilgenommen. In diesem Jahr habe das Team ohnehin nicht vorgehabt, einen Stand zu betreiben. Denn inzwischen seien nicht mehr ausreichend viele Ehrenamtliche im Verein, die ausreichend viel Zeit hätten, ein solch großes Fest zu stemmen.

Ute Engel von der Stadtkapelle Schorndorf spricht von einem „mordsmäßigen Defizit“, das der Verein wegen der Corona-Krise nun habe. „Über längere Zeit führt das zu einem Desaster“, sagt sie.

Regeln und Auflagen werden hinterfragt und kritisiert

Die Freizeitmusikerin macht sich aber nicht nur wegen der finanziellen Situation Sorgen. Engel ist vor allem von den Auflagen der Politik genervt. „Das entbehrt für mich jeder Sinnhaftigkeit“, sagt sie. Musizieren sei schließlich gesund für Körper und Seele. Dafür, dass die Stadtkapelle nicht einmal im Freien ihre Proben machen kann, hat sie kein Verständnis.

Auch der Musikverein Concordia Weiler will Geld aus dem Hilfsfonds der Stadt beantragen. Der Verein muss Miete für die Kelter in Weiler bezahlen. Schriftführer Michael Pallmann erzählt, dass der Verein bereits auf die Stadt, die der Vermieter ist, zugegangen sei. Doch dort sei man auf den Hilfsfonds verwiesen worden, Miete müsse der Verein trotz Coronakrise bezahlen.

Eigentlich waren die Rücklagen für einen anderen Zweck gedacht

Auch die Kosten für das Dirigentenhonorar laufen weiter, erklärt Pallmann, schließlich will der Verein auch ihn nicht auf dem Problem sitzenlassen. Trotz der Lage ist der Schriftführer optimistisch: „Glücklichweise haben wir eine Rücklage, auch wenn diese eigentlich für vereinseigene Musikinstrumente vorgesehen war“, sagt er. Eine der wenigen Einnahmequellen bleibt die Altpapiersammlung, die der Verein am Wochenende im Ort durchführen will. Pallmann macht selbst mit und freut sich auf das „kleine Stück Vereinsleben“, auch wenn die Mitglieder statt in der großen Gruppe nur jeweils mit ihrer Familie das Papier einsammeln.

Nicht nur die Freude über die vielen kleineren Vereinsfeste oder auch große Feste wie die SchoWo fehlt derzeit. In vielen Vereinskassen brechen mit den Absagen auch große Teile der Einnahmen weg. Die Vorstände mehrerer Musikvereine schildern die teils schwierige Situation und geben einen Einblick in ihre Finanzen. Ute Engel von der Stadtkapelle macht sich derzeit allerdings nicht nur Sorgen ums Geld. Sie will wieder proben und übt massive Kritik an den Vorgaben der Politik. Für die

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