Schorndorf

Schorndorfer OB-Wahl: Brigitte Aldinger will sich für die Basisdemokratie starkmachen

Brigitte Aldinger,
OB-Kandidatin Brigitte Aldinger. © Gabriel Habermann

Sie hat als Kandidatin der „Basis“ bei der Landtags- und der Bundestagswahl kandidiert und jetzt – allerdings als unabhängige Kandidatin – für die Oberbürgermeisterwahl in Schorndorf ihre Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgegeben. Versucht Brigitte Aldinger ihr Glück bei jedem freien Posten, der sich auftut? So ist es nicht, sagt die 56-Jährige. Doch sie will sich starkmachen für Basisdemokratie. Außerdem sei im Frühjahr 2021, als sie als „Basis“-Kandidatin für die Bundestagswahl nominiert wurde, von einer OB-Wahl in diesem Jahr in Schorndorf noch keine Rede gewesen. Ihr Herz, das sei ihr aber damals schon klargeworden, „schlägt für Schorndorf“.

Hier hat die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, mit Wohnsitz in Oberberken, auch die bei Querdenkern aus weitem Umkreis beliebten „Wir für Demokratie“-Demonstrationen auf dem Marktplatz organisiert. Und obwohl sie nicht daran zweifelt, dass es Coronaviren gibt und auch schwere Covid-19-Verläufe („wie bei der Grippe auch“), ist ihr Querdenken wichtig – auch wenn sie, fällt der Begriff, mittlerweile regelrecht zusammenzuckt. Doch es geht ihr um Alternativen: „Ich wünsche mir, dass man auch nach links und rechts schaut.“

Geht zum Test und trägt Maske – „obwohl ich sehr kritisch bin“

Dass es in der Querdenker-Szene Extreme gibt, mit deren Ansichten sie nicht unbedingt übereinstimmt, das hält sie aus – und fühlt sich gleichzeitig als Kritikerin der Corona-Maßnahmen in die Verschwörungs-Ecke geschoben. Sie selbst geht zum Corona-Test, trägt, wenn’s sein muss, Mund-Nasen-Schutz und hält sich an die Regeln – „obwohl ich sehr kritisch bin“. Dafür hat sie auch schon einen Shitstorm aushalten müssen: Als Ex-AfDler Heinrich Fiechtner auf der Demonstration Mitte Januar in Schorndorf so lange krakeelt und gestört hat, bis die aus seiner Sicht zu wenig radikale „Wohlfühl-Demo“ beinahe aufgelöst worden wäre, „haben wir ihn in die Schranken gewiesen“ – und im Anschluss daran in den sozialen Netzwerken ordentlich Prügel einstecken müssen.

Politisch aktiv seit der Jugend

609 Erststimmen und 478 Zweitstimmen hat Brigitte Aldinger bei der Bundestagswahl in Schorndorf bekommen. 2,83 und 2,21 Prozent der Stimmen: Das ist, sagt sie, nicht schlecht für eine Partei, die es gerade mal seit einem Jahr gibt. Politisch aktiv ist die 56-Jährige aber schon seit ihrer Jugend: Sie war bei den Jusos und stand zweimal bei der Kommunalwahl auf der CDU-Liste. Die Jugendorganisation der SPD war ihr zu radikal, die Christdemokraten sind ihr zu wenig basisdemokratisch. Jetzt hat sie in der „Basis“ – mit 200 Mitgliedern im Rems-Murr-Kreis – eine politische Heimat gefunden. Und obwohl sie bei der OB-Wahl in Schorndorf als unabhängige Kandidatin antritt, geht es ihr auch im Kleinen um Basisdemokratie. Etwa beim Thema Stadtbücherei: Sie selbst, sagt Brigitte Aldinger, stehe dazu, dass Schorndorf eine neue Bücherei braucht, dennoch würde sie die Bürger bei dieser Frage nicht außen vor lassen, sondern einen Bürgerentscheid in Erwägung ziehen. Ihre eigene Meinung würde sie, wie in vielen Fragen, zurückstellen. „Als OB bin ich nicht der King, sondern dafür da, dass es den Menschen gutgeht.“ So sieht sie es auch bei der Frage der innenstadtnahen Parkplätze: Obwohl sie selbst der Meinung ist, dass es für eine belebte Innenstadt auch Parkplätze und einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr braucht – bei großen Fragen müssten die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, die ja letztlich unter einer desolaten Finanzsituation und einer handlungsunfähigen Stadt zu leiden hätten.

"Die Finanzsituation wieder geradebiegen"

Darum würde sie als Oberbürgermeisterin zunächst, „die Finanz-Situation der Stadt wieder geradebiegen“ und nicht nur auf den Kernhaushalt, sondern auf die gesamten Schulden blicken. Als Diplom-Finanzwirtin, die fünf Jahre lang Beamtin in der Oberfinanzdirektion Stuttgart war und dann – „auf eigenen Wunsch“ – als Beraterin in die freie Wirtschaft gewechselt ist, fühlt sie sich mit dem nötigen Fachwissen ausgestattet. Mit großen Teams hat sie ebenfalls gearbeitet. Dass es in Schorndorf – in der Verwaltung, den Stadtwerken und dem Gemeinderat – wieder zu einem einvernehmlichen Miteinander kommt, auch dazu fühlt sie sich berufen als „jemand mit Erfahrung im Streitschlichten“. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Mannshaupten, sei sie geerdet genug für den OB-Posten: „Ich kann anpacken, wenn’s schwierig wird, laufe ich nicht davon.“

Bis dato gibt es sieben Kandidatinnen und Kandidaten für die OB-Wahl am 7. November: Bernd Hornikel, Markus Reiners, Tobias Schwenk Andreas Schneider, Horst Zwipp, Dörte Schnitzer und Brigitte Aldinger.

Sie hat als Kandidatin der „Basis“ bei der Landtags- und der Bundestagswahl kandidiert und jetzt – allerdings als unabhängige Kandidatin – für die Oberbürgermeisterwahl in Schorndorf ihre Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgegeben. Versucht Brigitte Aldinger ihr Glück bei jedem freien Posten, der sich auftut? So ist es nicht, sagt die 56-Jährige. Doch sie will sich starkmachen für Basisdemokratie. Außerdem sei im Frühjahr 2021, als sie als „Basis“-Kandidatin für die Bundestagswahl nominiert

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